vergrößernverkleinern
Toni Sailer gewann 1952 mit der Abfahrt von Megeve sein erstes Rennen © getty

Nach schwerer Krankheit verstirbt Toni Sailer im Alter von 73 Jahren. Sieben WM-Titel machen den Kitzbüheler unvergesslich.

Kitzbühel - Als "Schwarzer Blitz aus Kitz" jagte Toni Sailer schneller als alle anderen über die Piste, doch dem Krebs konnte selbst die wohl größte aller Ski-Legenden nicht entfliehen.

Österreichs "Jahrhundert-Sportler", dreifacher Olympiasieger 1956, verstarb am Montagabend im Kreise der Familie in einem Innsbrucker Krankenhaus.

Der Mann mit der weißen Zipfelmütze und dem schwarzen Rennanzug, der weit über den Sport hinaus Millionen Fans verzückte, wurde 73 Jahre alt. Er hinterlässt seine zweite Ehefrau Hedwig und seinen Sohn Florian.

Am Ende war es eine Erlösung

Weltweit löste der Tod des charismatischen Lebemannes, Ski-Idols, Film- und Schlagerstars Bestürzung aus.

"Zu seinen Freunden gezählt zu haben, macht mich sehr glücklich. Toni war einfach der Größte. Ich kenne nicht eine Frau, die nicht für ihn geschwärmt hat", sagte Rosi Mittermaier.

"Er hat für den Sport wahnsinnig viel bedeutet, war Idol, Kamerad und Freund zugleich. Am Ende war es eine Erlösung", sagte die zweimalige Olympiasiegerin. "Er hat so vielen Menschen soviel Freude bereitet, dass ich an diesem traurigen Tag schon mit einem Lächeln an ihn denke."

Rund 170 Siege

In seiner kurzen Ski-Karriere gewann der Pisten-Ästhet, dem "einfach alles gelang" (Mittermaier), rund 170 Rennen, dreimal Olympiagold und sieben WM-Titel. Sein historischer Hattrick in Cortina d'Ampezzo 1956 jedoch wäre fast geplatzt.

"Kurz vor der Abfahrt hab' ich gemerkt, dass der Langriemen der Bindung gerissen ist", berichtete er einst. Ein Freund half aus, und Sailer raste in die Herzen der rot-weiß-roten Ski-Nation und der Sportwelt.

Ein Vaterunser und dann los

Als 18-Jähriger fiel er bereits mit Siegen und spektakulären Stürzen auf: "Manchmal habe ich ein Vaterunser gebetet und dem Herrgott versprochen, dass ich nie mehr runterfahr, wenn ich heil ins Ziel komme."

Jahre später, vor dem olympischen Slalom, vergaß er seine Startnummer und raste mit der Ersatznummer 135 zu Gold.

Karriere-Ende mit 23 Jahren

Mit zwei Jahren hatte ihn sein Onkel Sepp auf die Bretter gestellt, die ihm 21 Jahre lang die Welt bedeuten sollten.

Denn mit 23 zog er sich bereits aus dem Skirennsport zurück. Anton Engelbert Sailer hatte seine Goldmedaillen mit Filmen versilbert, sein Status als Amateur war infrage gestellt.

Vom Ski- zum Fernsehstar

Sailer, Ehrenbürger seiner Heimatstadt Kitzbühel, wechselte das Business und hatte weiter Erfolg. "Der Herr der weißen Berge", "1000 Sterne leuchten", "Das große Glück" - die Filmtitel scheinen Episoden seines Lebens zu erzählen.

"Er sah unverschämt gut aus, hatte unglaubliches Charisma und Herzenswärme. Er war wohl der lustigste Mensch, den ich je getroffen habe", sagte der frühere Weltklasse-Fahrer Christian Neureuther: "Alles an ihm war vom lieben Gott wunderbar gestaltet. Er war mein großes Idol."

Tante Trude aus Buxtehude

Toni Sailer maß sich nicht mehr auf der Piste mit Anderl Molterer oder Josl Rieder, sondern spielte an der Seite von Zarah Leander und Luis Trenker.

Als Ski-Lehrer oder sogar als Ski-Weltmeister, was er tatsächlich siebenmal geworden war. "In 22 Filmen habe ich die Hauptrolle gespielt", berichtete er stets voller Stolz, darunter unvergessene Kalauer-Festivals wie "Tante Trude aus Buxtehude".

In Arthur Millers "Tod eines Handlungsreisenden" gab er auf der Bühne den Willy Loman.

Sailer-san sehr beliebt

In Japan stieg der gelernte Glaser, Sohn des Spengler- und Glasermeisters Anton senior, auch wegen seiner beachtlichen Schlagerkarriere mit 18 Schallplatten-Veröffentlichungen ("Am Fujiyama blüht kein Edelweiß") zum Superstar auf.

"Wer ihn einmal dorthin begleitet hat, weiß, dass er wie ein Gott verehrt wurde. Er war immer nur der Sailer-san", sagte Mittermaier.

Cheftrainer beim ÖSV

Als seine Zeit als Unterhaltungskünstler zu Ende ging, folgte die dritte Karriere. Sailer war von 1972 bis 1976 Cheftrainer des Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV) und führte Franz Klammer zum Olympiasieg.

Dann ging er nach Kanada und heiratete in Vancouver.

Der Tod seiner ersten Frau Gaby im Jahr 2000 war ein harter Schlag. Doch Toni Sailer stand auf. Immer wieder, bis zuletzt.

Letzter Traum nicht erfüllt

DSV-Präsident Alfons Hörmann ("Eine der wirklichen Legenden") und Österreichs Ski-Helden Franz Klammer ("Er war ein Riesenidol") und Karl Schranz ("Ein Vorbild für viele Generationen") waren sich einig: Der Sport hat einen der ganz Großen verloren.

Leider, bevor sich Toni Sailer seinen letzten großen Traum erfüllen konnte. Einmal den Mount Everest zu besteigen, das war das ersehnte Ziel. Geschwächt vom Kehlkopfkrebs und der Chemotherapie war dies nicht mehr möglich.

Der König der Berge war selbst für den "Blitz aus Kitz" eine Nummer zu groß.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel