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Die Nachwirkungen einer Virus-Erkrankungen werfen Felix Neureuther zurück © getty

Wegen eines Virus' muss Neureuther auf den Auftakt in Sölden verzichten. Hölzl und Riesch schauen schon gen Olympia.

München/Sölden - Ski-Rennläufer Felix Neureuther muss auf den Start in den Olympia-Winter verzichten.

Beim Auftakt-Rennen des alpinen Weltcups am Sonntag auf dem Rettenbach-Gletscher im österreichischen Sölden wird der 25-Jährige wegen der Nachwirkungen einer schweren Viruserkrankung wie erwartet fehlen.

"Ich erhole mich zwar jeden Tag etwas mehr von meiner Krankheit, für ein Weltcup-Rennen fehlt mir aber noch die nötige Kraft", sagte Neureuther.

Das Virus hatte sich der Partenkirchener Anfang Oktober nach einem Trainingslager im Pitztal zugezogen, während der zweiwöchigen Zwangspause verlor er sechs Kilogramm Körpergewicht.

Dopfer springt in die Bresche

"Nicht zuletzt aufgrund der Höhenlage auf dem Rettenbachferner muss ein Athlet dort hundertprozentig fit sein. Felix ist es momentan noch nicht, deshalb macht ein Start keinen Sinn", sagte Cheftrainer Karl-Heinz Waibel.

Neureuthers Platz übernimmt Fritz Dopfer (Garmisch).

Doch auch ohne Neureuther haben die Erfolge der vergangenen Saison beim Deutschen Skiverband (DSV) das Selbstbewusstsein gestärkt und neue Begehrlichkeiten geweckt.

Schwarze Olympia-Serie

Nach den beiden Goldmedaillen von Kathrin Hölzl und Maria Riesch bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Februar in Val d'Isere wollen die deutschen Ski-Rennläufer auch ihre "schwarze Serie" bei Olympischen Spielen beenden.

"Wir wollen in Vancouver mindestens zwei Medaillen einfahren. Das ist das klare Ziel", sagte Alpin-Direktor Wolfgang Maier vor dem Weltcup-Auftakt.

Die letzte Medaille der deutschen Alpinen bei Olympia hate 2002 in Salt Lake City Martina Ertl-Renz gewonnen.

Langes Warten auf Medaille

Danach folgten zunehmend zermürbende 52 Einzel-Wettbewerbe bei den Großereignissen, in denen es nicht zu einem Platz auf dem "Stockerl" reichte.

Dann aber siegte Hölzl in Val d'Isere unerwartet im Riesenslalom, und Riesch legte im Slalom nach.

"Mindestens zwei Medaillen" klingt als Vorgabe für Olympia 2010 deshalb nicht vermessen. Doch Maier weiß auch: "Ob wir das Ziel erreichen, ist etwas ganz anderes. "

"Weltcup extrem wichtig"

Im vergangenen Winter, sagt Damen-Cheftrainer Mathias Berthold mit dem ihm eigenen Realitätssinn, "waren wir erfolgreich, weil wir zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Rennen gewonnen haben."

Damit das auch im kommenden Februar am Schauplatz Whistler gelingt, misst er den Weltcup-Rennen bis dorthin eine große Bedeutung bei.

"Es ist wichtig, einen guten Saisonstart zu haben. Der Weltcup ist auch für Olympia extrem wichtig. Denn wer ohne gute Ergebnisse nach Whistler fährt, hat dort keine Chance", behauptet Berthold. (DATENCENTER: Der Weltcup-Kalender)

Riesch will Gold

Riesch, die noch nie bei Olympia am Start war, hat das große Saisonziel fest im Blick. "Ich will Gold bei Olympia", sagt sie vor dem ersten Saison-Rennen, einem Riesenslalom.

Die Bedeutung des Weltcups dürfte gerade ihr dabei bewusst sein. Bei der WM 2009 gewann die Partenkirchenerin ihr Gold in jener Disziplin, in der sie die Konkurrenz die gesamte Saison über dominiert hatte.

In Abfahrt, Super-G und vor allem Riesenslalom lief es im vergangenen Winter dagegen nicht wie erhofft, bei der WM dann auch nicht.

Dort will Riesch zulegen - auch, um im Kampf um den Gesamtweltcup bessere Chancen gegen Freundin und Titelverteidigerin Lindsey Vonn (USA) zu haben.

Sturz im letzten Jahr

In Abfahrt und Super-G kommt noch hinzu, dass ihr die dafür vorgesehenen Olympia-Strecken liegen: "Es schaut ja ganz danach aus, als ob ich da schnell bin."

Beim Olympiatest im Februar 2008 gewann Riesch dort den Super-G und die Super-Kombination, in der Abfahrt stürzte sie mit überlegener Bestzeit kurz vor dem Ziel.

Riesch könnte die "mindestens zwei Medaillen" für die DSV-Alpinen durchaus im Alleingang holen, seit der WM steht ihr in Hölzl aber auch eine Sekundantin zur Seite.

Neureuther einziger Läufer

"Mein Traum ist eine Medaille bei Olympia", sagt die Bischofswiesenerin. Die Basis will sie bereits auf dem schwierigen Rettenbachferner legen:

"Ich will von Anfang an ums Podium mitfahren, das gäbe mir dann auch die Sicherheit, um konstant vorne mitfahren zu können." Cheftrainer Berthold sagt dazu: "Sie ist in einer extrem guten Form."

Neureuther einziger Läufer

Sportdirektor Maier wäre es am liebsten, wenn eine dieser "mindestens zwei Medaillen" aus der Herren-Sparte käme

Dort aber besteht die sogenannte Olympia-Kernmannschaft nur aus einem Läufer: Der in Sölden fehlende Neureuther.

Der Partenkirchener hätte seine völligmverkorkste vergangene Saison als WM-Vierter im Slalom fast mit einer Medaille gerettet. Der Olympia-Winter beginnt für ihn nun aber denkbar ungünstig.

Später Trainingsstart

Erst seit Montag trainiert Neureuther wieder auf Schnee. Der Riesenslalom am Wochenende wäre dem 25-Jährigen so oder so ungelegen gekommen: Er stagniert in dieser Disziplin, die für ihn ein zweites Standbein neben dem Slalom sein sollte.

Der neue Herren-Cheftrainer Karl-Heinz Weibel will ihn daher auch bei Super-Kombinationen einsetzen.

Bei Olympia wird Neureuther wohl Einzelkämpfer sein: zweimal Top 15 oder einmal Top 8 im Weltcup - außer ihm scheint kein Deutscher in der Lage, diese Norm zu erfüllen.

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