Der alpine Ski-Zirkus startet in die Saison. Sport1.de-Redakteur Wolfgang Kleine vermisst "Typen" wie Maier und Tomba.

Am Wochenende geht's wieder los. Der alpine Ski-Zirkus startet mit dem Riesenslalom der Damen und Herren auf dem Rettenbach-Gletscher in Sölden.

Es ist das erste Rennen nach Hermann Maier. Die Tränen des zweimaligen Olympiasiegers, dreifachen Weltmeisters und viermaligen Gesamtweltcup-Siegers bei seiner Abschiedspressekonferenz rührten nicht nur die ganze österreichische Nation, auch andere zeigten sich betroffen.

Der alpine Ski-Zirkus: Es gibt viele Statisten, aber wo bleiben die Dompteure? Bode Miller ("Bode on the Bus") ist noch einer. Hermann Maier war einer, Alberto Tomba war einer. (Miller beendet Spekulationen)

Der Szene gehen allmählich die richtigen Typen aus. Typen, die nicht nur auf der Piste erfolgreich sind, sondern auch am Rande die Fans bewegen, Funktionäre auf Trab halten und FIS-Sportdirektoren verzweifeln lassen.

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"Alberto Tomba als Party-Hengst", "Tomba auf dem Parkplatz verprügelt", "Tomba als Steuer-Hinterzieher". "Bad news are good news", sagen die Engländer. Frauenschwarm Tomba besorgte sie. Fünf Jahre war Alberto mit Martina Colombari, der Miss Italia von 1991, liiert.

Seine Teilnahme an Partys der Mailänder Schickeria und die vielen echten oder erfundenen Liebesaffären sorgten regelmäßig für Schlagzeilen. Der Ski-Zirkus hatte seinen Helden.

Wenn "La Bomba", der Millionärs-Sohn aus der Großstadt Bologna, nach seinen Rennen in den Zielraum mit Bestzeit fuhr, drehten die Tifosi völlig durch. Sie überrannten die Werbebanden, um mit "Alberto nazionale" den Sieg zu zelebrieren.

Und wenn ihm einmal die italienischen Ski-Langläufer wie bei Olympia 1994 in Lillehammer mit dem sensationellen Staffel-Triumph über Norwegen die Show stahlen, war Tomba zur Stelle, feierte mit ihnen und erklärte dann den verdutzten Reportern: "Jetzt werde ich auch Langläufer."

Der andere große Typ war der Maier. Ein Naturereignis. Der "Herminator" sorgte in Österreich mit seinen Auftritten entweder für kollektive Herzinfarkte wie bei seinen spektakulären Überschlägen in der Olympia-Abfahrt 1998 von Nagano, für Freude über die Triumphe oder aber auch für blankes Entsetzen.

Am 24. August 2001 schien nach einem schweren Motorrad-Unfall in Radstadt die Karriere von Hermann Maier abrupt beendet. Es drohte der Verlust seines rechten Beines. Sieben Stunden lang wurde er im Unfallkrankenhaus in Salzburg operiert. Maier flehte die Ärzte an: "Rettet mein Bein!" Die Nation hielt den Atem an. Die Ärzte schafften das Wunder.

Der "Herminator" konnte in der Saison 2002/2003 wieder starten. Er gab am 14. Januar beim Riesenslalom in Adelboden ein sensationelles Comeback und feierte 13 Tage später beim Super-G in Kitzbühel am 27. Januar seinen ersten Triumph nach der Verletzungspause.

Im Ziel vergoss der sonst scheinbar so Hartgesottene Tränen, viele Fans auf den Tribünen taten es ihm nach. Mit diesem Erfolg war Hermann Maier in die Sportgeschichte eingegangen.

Die Erinnerungen an diesen denkwürdigen und emotionalen Tag des "Typen von Flachau" kamen auch bei der Abschiedspressekonferenz wieder hoch. Hermann Maier weinte und die Nation mit ihm.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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