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Im Jahr eins nach Maier sind nun andere Stars wie der Amerikaner Bode Miller gefordert © getty

Hermann Maier ist weg - und wer kommt jetzt? Auf der Suche nach einem neuen Pisten-Triumphator geht der Blick nach Norwegen.

München/Sölden - Bode Miller kam im dunklen Schlabberpulli, mit ausgeleierter Jogginghose, unrasiert und Kaugummi kauend, seine Mütze tief ins Gesicht gezogen - sieht so ein Star aus?

Offensichtlich ja. Ausgerechnet vor der Olympia-Saison sucht der alpine Ski-Zirkus nach neuen Clowns und neuen Helden.

Und nach dem Rücktritt von Hermann Maier ist der launische Amerikaner beim Weltcup-Auftakt der Ski-Rennläufer in Sölden die letzte verbliebene Ikone seines Sports.

"Den Hermann hat's auf uns heruntergschneit, so einen wie ihn wird es nie mehr geben. Uns sind die Zugpferde abhandengekommen", klagt Hans Pum, Alpinchef der Österreicher, die neben dem Verlust von Maier den von "Speed-Queen" Renate Götschl verkraften müssen.

"Nachwuchs-Sternchen" fehlt es an Format

"Wir brauchen starke Typen wie Maier es war. Ich hoffe, dass sich einer der Jungen frech hervorwagt", meint Weltmeister Didier Cuche (Schweiz), der mit 35 auch schon der Abendsonne entgegengleitet.

Doch von den Nachwuchs-Sternchen hat keiner das Format Maiers. Die Schweiz hat mit Daniel Albrecht und Carlo Janka zwar zwei schon in jungen Jahren überaus erfolgreiche Athleten.

Doch Albrecht fällt nach seinem schweren Sturz von Kitzbühel noch auf unbestimmte Zeit aus, und Janka gilt als "Ice Man" und großer Schweiger.

Youngster erst im Aufbau

Lara Gut, 18 Jahre alt und nach zwei WM-Silbermedaillen in der Schweiz als Starlet gefeiert, fällt ebenfalls verletzt noch bis mindestens Januar aus. (DATENCENTER: Der Weltcup-Kalender)

Lindsey Vonn, im vergangenen Winter mit Doppel-Gold und Gesamtweltcup dekoriert, kämpft sogar in ihrer amerikanischen Heimat um Anerkennung.

Und das deutsche Glamour-Girl Maria Riesch soll von ihrem neuen Management erst noch als "A-Marke" aufgebaut werden.

Riesch schraubt Erwartungen herunter

Zudem schraubt Riesch vor dem bevortehenden Saisonstart die Erwartungen herunter.

Gegenüber Sport1.de sagte sie: "Sölden ist nicht der Termin, an dem schon alles passen muss. Das ist nicht das Maß aller Dinge. Aber bis Levi möchte ich meine Form weiter verbessern, damit ich da wieder ganz vorne mitmischen kann."

Österreich betet für neuen Ski-Star

Die österreichische "Kronenzeitung" trauert indes mit gutem Recht nach Maiers Abschied : "Wir brauchen keinen Winter mehr".

Österreich hält sich jetzt gezwungenermaßen am erfolgreichen, aber biederen Benni Raich fest und betet insgeheim für einen neuen Maier.

"Es kommt immer wieder wer nach", sagt Pum fast flehentlich, "als Alberto Tomba zurücktrat, hieß es doch auch, das sei die größte Katastrophe - und dann kam der Hermann." Und überhaupt: es gebe da ja noch einen gewissen Mister Miller aus Amerika.

Miller-Comeback im Dezember

Der aber hat sich nach einer Sinneskrise erst vor einigen Wochen zum Weitermachen entschieden und erst kürzlich wieder das Training aufgenommen.

In Sölden erschien er zu einem PR-Termin, auf einer Weltcup-Piste wird er erst im Dezember erwartet. Und Miller selbst gibt zu: "Ohne Hermann ist der Weltcup arm dran."

Auf der Suche nach dem Retter der Szene fällt der Blick in den hohen Norden. Nach Norwegen, das einst das kongeniale Duo Lasse Kjus und Kjetil Andre Aamodt (alias: die Super-Elche) hervorgebracht hat.

Svindal der neue Maier?

Die beiden genießen zwar längst ihren Ruhestand, doch in Aksel Lund Svindal ist ihnen in einem Örtchen namens Kjeller (dt. Keller) ein würdiger Nachfolger erwachsen.

"Einen Maier kann man nicht ersetzen. Aber Aksel hat in einem Alter, in dem Hermann erst in den Weltcup eingestiegen ist, bereits zweimal den Gesamtweltcup geholt. Wenn er gesund bleibt, ist einiges möglich", sagt Rudi Huber, Rennchef bei Svindals Ausrüster.

Außerdem ist der 26-jährige Svindal dreimaliger Weltmeister - und er hat eine Geschichte zu bieten, die auch Maier gut zu Gesicht gestanden hätte.

Vom Unfall-Opfer zum Seriensieger

Mit acht Jahren verlor er seine Mutter bei einem Unfall, seine Karriere und sogar sein Leben hingen nach einem bösen Sturz vor zwei Jahren am seidenen Faden.

Svindal ist selbstbewusst, offenherzig und gutaussehend. Und er hat Humor, wie er auf seiner Homepage mit einer Michael-Jackson-Imitation beweist.

Er selbst sieht jedoch keinen neuen Seriensieger. "Außer da draußen ist irgendwo ein Wunderkind, das ich übersehen habe." Er sollte mal in den Spiegel schauen.

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