Hansjörg Tauscher gewinnt 1989 die berüchtigte Vail-Abfahrt - trotz einer beschwerlichen Anreise. Wolfgang Kleine erinnert sich.

An diesen Ort denkt Hansjörg Tauscher noch gern zurück. Es ist Vail, und es war das Jahr 1989. Jetzt, am kommenden Wochenende, starten die DSV-Herren wieder an diesem Ort. Sie werden allerdings gegen Didier Cuche und Co. kaum um die vorderen Plätze mitfahren.

Dort gibt es allerdings keine "rattle snake alley" mehr, die Klapperschlangengasse, die Tauscher damals zum sensationellen Sieg verhalf.

Es war der 6. Februar, ein Rosenmontag. In Kölle sangen, jubelten und tanzten die Jecken in den Straßen. Kamelle und Strüssjer waren angesagt, keine "rattle snake alley". Ich saß in der Redaktion abends vor dem Fernseher, im zweiten Stock. Unten auf der Straße tanzte der Bär, die Musik tönte - kölsche Tön'.

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Man rechnete mit nichts - die Abfahrt war für die deutschen Journalisten eher eine Pflichtübung. Es war ja WM.

Und dann kam Tauscher. Bernd Heller kommentierte im TV. Tauscher setzte sich nach dem Start in die Hocke. Erst das endlos lange flache Stück. Doch dann ging's richtig los. Tauscher blieb an den Bestzeiten dran. Alles wartete jetzt gespannt auf die "Klapperschlange", ein Teilstück, das vom genialen Schweizer Bernhard Russi gebaut wurde.

Tauscher fuhr mit Rückstand in den ungewöhnlichen Streckenteil - und dann kam er mit 0,2 Sekunden Vorsprung wieder raus. Die Sensation bahnte sich an. Man hielt den Atem an. Tauscher behielt das Tempo und vor allem die Nerven. Dann das Ziel - Bestzeit!

Kein Konkurrent kam an diese Zeit mehr heran. Nicht der haushohe Favorit Peter Müller oder Daniel Mahrer, sondern Tauscher war Weltmeister - einer, den niemand auf der Rechnung hatte.

Der Jubel bei den wenigen deutschen Fans und im deutschen Team war groß. Tauscher wurde auf den Schultern getragen.

Doch diese WM 1989 in Vail ist mir nicht nur deshalb in Erinnerung. Schon die Anreise sorgte für Gesprächsstoff und eine Beurteilung von Markus Wasmeier.

Der Flug von München nach Vail/Colorado wurde zum Abenteuer. Ein Anschlussflug wurde verpasst. Über Frankfurt und New York ging's bis Denver. Doch da ging dann nichts mehr. Wegen Schneetreibens konnte man nicht weiter nach Vail.

Also richtete sich der DSV-Tross mit Trainern, Athleten und Betreuern am Flughafen in Denver ein und übernachtete dort. Erst am nächsten Morgen ging's weiter nach Vail. Im WM-Ort landete das Team endlich nach 33 Stunden.

Viele waren genervt. Nur Markus Wasmeier, der Riesenslalom-Weltmeister von 1985, nahm's mit lockerer Ironie: "Ist das nicht toll? Da fliegst 33 Stunden - schon bist du in Vail!"

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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