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Der Zollbeamte Felix Neureuther debütierte am 4. Januar 2003 im Weltcup © getty

Beim Slalom in Adelboden glückt Felix Neureuther die zweite Top-15-Platzierung. Riesch patzt beim Super-G in Haus kurz vorm Ziel.

Adelboden/Haus - Ski-Rennläufer Felix Neureuther hat sich beim Weltcup-Slalom im Schweizer Adelboden sein Ticket zu den Olympischen Spielen in Vancouver gesichert.

Der Partenkirchner belegte beim Sieg des Franzosen Julien Lizeroux auf dem legendären Kuonisbärgli Platz elf und schaffte damit vier Tage nach seinem neunten Rang von Zagreb die geforderte zweite Top-15-Platzierung. (DATENCENTER: Der Weltcup-Kalender)

Seine Klubkollegin Maria Riesch sah dagegen im österreichischen Haus im Ennstal mit betretener Miene zu, als die schier unschlagbare Lindsey Vonn im Super-G zum dritten Sieg in drei Tagen raste.

Vonn glückt das Triple

Riesch verschenkte eine Top-Platzierung mit einem Fehler unmittelbar vor dem Ziel. Die Partenkirchenerin lag auf Podiumskurs, als ihr beim drittletzten Tor ein grober Patzer unterlief.

Beim dritten Sieg in Folge von Vonn, ihrer größten Rivalin im Kampf um den Gesamtweltcup, landete Riesch somit nur auf Platz 24. (Vonns Siegesserie: Ein Fall für Historiker)

Die US-Amerikanerin sicherte sich in 1:26,69 Minuten ihren sechsten Saisonsieg und den bereits 28. im Weltcup. Zweite wurde die wiedererstarkte Schwedin Anja Pärson (0,53 Sekunden zurück), Platz drei teilten sich Nadia Fanchini aus Italien und die Schweizerin Martina Schild (0,85).

Rebensburg auf Platz 16

Riesch, die in der Gesamtwertung nun fast 200 Punkte hinter Vonn liegt, hatte einen Rückstand von 2,65 Sekunden.

Beste Deutsche war Viktoria Rebensburg (Kreuth/2,14) auf Platz 16. Gina Stechert (Oberstdorf/3,56) und Riesenslalom-Weltmeisterin Kathrin Hölzl (Bischofswiesen/4,40) verpassten die Punkte-Ränge.

Am Dienstag (ab 17.30 Uhr LIVE) geht es für Riesch und Co. mit dem Nacht-Slalom im nahen Flachau weiter.

Zwei Sicherheitsläufe von Neureuther

Felix Neureuther stand dagegen die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Nach seinem gründlich verpatzten Start in die Olympia-Saison hat sich der beste deutsche Ski-Rennläufer gleich im zweiten Weltcup-Slalom des Jahres das Ticket zu den Winterspielen in Kanada gesichert.

"Mir fällt ein Riesenstein vom Herzen. Wenn es am Anfang nicht so läuft, hat man die Olympia-Qualifikation immer im Hinterkopf. Dass ich es jetzt geschafft habe - klasse", sagte der 25-Jährige nach Platz elf beim Weltcup-Torlauf in Adelboden.

Mit zwei Sicherheitsläufen und sichtbar angezogener Handbremse schaffte er auf dem legendären Kuonisbärgli im Berner Oberland vier Tage nach seinem neunten Rang in Zagreb die Vorgabe des Deutschen Skiverbandes (DSV) - ein zweites Top-15-Ergebnis - recht souverän.

Tüfteln an Matrial und Position

"Ich bin sehr, sehr froh darüber. Meine Familie hat schon komplett für Vancouver gebucht, und ich stand ohne Ticket da. Mir haben echt die Knie gezittert. Aber nun hab' ich's doch geschafft", sagte er.

Nach den beiden enttäuschenden Torläufen zu Beginn der Saison, als er in Levi 25. wurde und in Alta Badia ausschied, war Neureuther "mental durch den Nacktscanner gegangen", wie er in Adelboden sagte.

Gemeinsam mit seinem Trainer Manfred Widauer, Servicemann Hans-Peter Habersatter und Vater Christian tüftelte er an Material und Position - was sich auszahlte. "Das war taktisch eine clevere Vorstellung. Er hat sicher noch Reserven, das haben wir gesehen. Aber das Ticket war heute wichtiger", sagte DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier.

Nullnummer von Herbst

"Dass Neureuther "noch viel Luft nach oben hat und noch zulegen kann", wie der stets kritische Maier betonte, stimmt mit Blick auf die Spiele in Kanada optimistisch. Zumal bis zum Olympia-Slalom am 27. Februar noch vier Torläufe im Weltcup anstehen.

"Jetzt kann ich endlich befreit auffahren und Gas geben. Darauf freue ich mich schon richtig", sagte Neureuther, dem der Kuonisbärgli, auf dem er in den beiden vergangenen Jahren jeweils Dritter war, erneut Glück brachte.

Dass im fehleranfälligen Slalom in kurzer Zeit viel passieren kann, musste in Adelboden auch Reinfried Herbst erkennen. Nach den Siegen in Levi und Alta Badia galt er schon als Topfavorit für die Winterspiele, in Adelboden schied er nun aus.

Raich bleibt vorn im Gesamtweltcup

In der Slalom-Wertung hat Herbst nur noch vier Punkte Vorsprung auf Lizeroux, der mit einem Zauberlauf im Finale von Rang zwölf nach vorne fuhr. Lizeroux' Kumpel Neureuther war übrigens Elfter nach dem ersten Lauf.

Der Franzose Lizeroux, WM-Zweiter 2009, verdrängte Marcel Hirscher aus Österreich (0,34 Sekunden zurück) und den Kroaten Ivica Kostelic (0,80) auf die Plätze. Neureuther lag 1,98 Sekunden zurück.

Benjamin Raich (Österreich) wahrte mit Platz vier Rang eins im Gesamtweltcup.

Nun nach Wengen

Am Samstag sollte in Adelboden zudem bereits ein Riesenslalom stattfinden, der jedoch kurz vor Ende des ersten Durchgangs wegen Nebels hatte abgebrochen werden müssen.

Der Welt-Skiverband (FIS) prüft derzeit, ob das Rennen vor dem Weltcup-Wochenende in Kranjska Gora (Slowenien) Ende Januar nachgeholt werden kann.

Weiter geht es im alpinen Ski-Zirkus schon am Dienstag mit dem ersten Training für den Abfahrtsklassiker im Schweizer Wengen.

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