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Felix Neureuther lag nach dem ersten Durchgang auf Rang drei © imago

Überraschend gewinnt Felix Neureuther den Slalom am Ganslernhang und holt damit den ersten Weltcupsieg seiner Karriere.

Kitzbühel - Er wälzte sich im Schnee, fiel dem Vater um den Hals und ließ seinen Tränen freien Lauf:

Olympia steht vor der Tür, und Felix Neureuther gehört nach seinem ersten Sieg im Weltcup schlagartig zu den Favoriten - zumindest auf eine Medaille.

"Ich bin total fertig, das macht mich so stolz, das kann man sich gar nicht vorstellen", sagte der 25-Jährige nach seinem völlig überraschenden Triumph auf dem Ganslernhang in Kitzbühel, wo 31 Jahre zuvor Vater Christian Neureuther gewonnen hatte (DATENCENTER: Der Weltcup-Kalender).

Der Kitzbühel-Sieger von 1979 schwärmte sogleich: "Das ist schöner, als selbst zu gewinnen."

Einfach irre

Während 25.000 Zuschauer erschrocken aufschrien, als der zunächst in Führung liegende Reinfried Herbst aus Österreich im zweiten Durchgang ausschied, wusste Neureuther nicht so recht, wie ihm geschah (VIDEO: Mit Sport1.de über die Streif).

"Vor drei Wochen hieß es noch, der Junge muss um die Olympia-Quali fürchten, jetzt gewinne ich hier in Kitzbühel, das ist einfach irre", sagte der sichtlich bewegte Partenkirchner, der 21 Jahre nach Armin Bittner den ersten deutschen Sieg im Mekka des alpinen Skisports feierte.

Der letzte Weltcup-Sieg eines Deutschen war Alois Vogl fünf Jahre zuvor beim Slalom in Wengen gelungen.

Cuche spendet Preisgeld an Haiti-Opfer

Zuvor hatte Didier Cuche den Tiroler Nobelort in "Cuche-bühel" verwandelt: Der Schweizer gewann erst als dritter Läufer Super-G und Abfahrt in Kitzbühel. Von seinem Gesamtpreisgeld von 120.000 Euro spendete er 20.000 Euro an die Opfer des Erdbebens in Haiti.

Den Sieg in der klassischen Kombination von Kitzbühel aus Abfahrt und Slalom holte sich Ivica Kostelic aus Kroatien. Benjamin Raich aus Österreich sicherte sich die Weltcup-Kugel in dieser Disziplin und übernahm erneut die Führung im Gesamtweltcup: 24 Punkte liegt er vor dem Schweizer Carlo Janka.

Vater weint mit dem Sohn

Der Sonntag aber gehörte Felix Neureuther.

Nach dem ersten Lauf hatte Neureuther noch auf Rang drei hinter Herbst und Manfred Mölgg (Italien) gelegen. Als sein erster Sieg vor Julien Lizeroux aus Frankreich (0,39 Sekunden zurück) und Giuliano Razzoli aus Italien (0,99) feststand, überwältigen ihn die Emotionen.

Vater Christian, eigens auf Wunsch des Sohnes angereist und vorher mit bei der Besichtigung der Läufe auf der Strecke, weinte Schulter an Schulter mit Felix und versicherte gerührt: "Ich mach das ohne Scham, weil es einfach so schön ist. Da schmeiß ich mich fast vor ihm hin."

Kurz vorm Aufhören

Auch Mutter "Gold-Rosi" Mittermaier wurde heftigst umarmt, Felix Neureuther dankte nach dem überfälligen, am Sonntag aber eher unerwarteten Triumph außerdem Gott und der Welt.

Der beste deutsche Ski-Rennläufer wirkte wie von einer Zentnerlast befreit. "Ich war kurz vorm Aufhören", behauptete er angesichts seines mäßigen und deprimierenden Saisonstarts.

Harte Arbeit über Weihnachten

Über die Weihnachtstage hatte er mit dem Vater und Trainer Manfred Widauer allerdings konzentriert an sich gearbeitet, danach lief es besser, wenn auch mit den Plätzen 9, 11 und 13 nicht überragend.

"Ich habe nichts dazu beigetragen", behauptete Neureuther Senior in aller Bescheidenheit, doch der Wandel der letzten Wochen beim Junior war nicht zu übersehen. Felix Neureuther gelang auf dem tückischen Ganslernhang im zweiten Lauf eine nahezu perfekte Fahrt.

Vollendung des größten Traums

"Ich hatte keine einfache Saison, aber ich habe mich rausgekämpft", sagte er sichtlich stolz. Zuvor hatte er sechsmal das "Stockerl" im Weltcup betreten dürfen, das letzte Mal als Dritter des Slaloms in Kranjska Gora.

Der unerwartete Sieg in Kitzbühel, versicherte er, ist die "Vollendung des größten Traums, den ich als Kind hatte".

Kitzbühel liegt den Neurreuthers

Dass dieser Traum in Kitzbühel in Erfüllung ging, "wo auch der Papa gewonnen hat", machte den Sieg für Felix Neureuther "perfekt."

Zur Halbzeit des Rennens hatte er noch gesagt "Für einen Sieg ist es vielleicht noch zu früh", dann aber zeigte er all sein Potenzial, das in ihm schlummert, das er aber bislang nur selten abrufen konnte.

Vater Christian verriet allerdings: "Er wusste, dass Kitzbühel sein Hang ist. Es gibt einfach Hänge, die einem liegen."

Wie dem Vater, so dem Sohne.

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