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Felix Neureuther verpasste 2009 als Vierter eine WM-Medaille nur knapp © getty

Mit dem Glücksgefühl des Sieges in Kitzbühel geht der Slalomspezialist in das nächste Highlight: Der Nachtslalom von Kitzbühel (Di., ab 17.45 Uhr LIVE). Seine Zweifler hat der 25-Jährige eines besseren belehrt. Die Olympischen Spiele können kommen.

Schladming - Am frühen Abend, nach seiner Fahrt zu ein bisschen Unsterblichkeit, nach einem kurzen Abstecher ins VIP-Zelt und einer kleinen, spontanen Feier im Mannschaftshotel, machte sich Felix Neureuther auf zum nächsten Großereignis.

Am Dienstag (ab 17.45 Uhr LIVE) wird er als Triumphator von Kitzbühel die nächste Kultstätte des Skisports betreten:

Schladming, die Planai, wo mitten unter der Woche wieder mal rund 40.000 Menschen zum "Night Race" erscheinen werden.

Mit dem Luis nach Schladming

Was am Sonntagabend noch passierte, blieb zunächst das Geheimnis von Neureuther. Wie in alten Zeiten saß bei der Abfahrt nach Schladming neben ihm plötzlich Alois Vogl, bis Sonntag um halb drei letzter deutscher Gewinner eines alpinen Weltcup-Rennens.

Die beiden sind dicke Spezl'n, und wie in alten Tagen begaben sie sich gemeinsam in den Transfermodus von einem Highlight zum nächsten - mit einem ziemlich frechen, vielsagenden Grinsen.

Gewappnet für die Olympischen Spiele

Nach Schladming kommt noch Kranjska Gora in Slowenien - und dann schon die Olympischen Spiele. Dafür scheint Neureuther jetzt beste Voraussetzungen mitzubringen.

"Das ist fast gleichzusetzen, als ob du eine WM- oder eine olympische Medaille gewinnst", sagte der deutsche Alpindirektor Wolfgang Maier zu Neureuthers Sieg in Kitzbühel.

Heißt: Wer im Wimbledon des Ski-Rennsports gewinnt, ist stark genug, dies zu wiederholen, wenn es um Medaillen geht.

Kein Topfavorit

"Felix hat jetzt den Vorteil der psychologischen Bestätigung, dass er mal ein Weltcuprennen gewonnen hat und zu den absolut Besten zählt", sagte Maier mit Blick auf die Zukunft.

Doch er dämpfte auch in weiser Voraussicht die Erwartungen, die Neureuther nun geschürt hat: "Zu den Top-Favoriten im Slalom sollten wir ihn nicht zählen. Ich habe es lieber, wenn meine Athleten aus der Außenseiterrolle kommen, als wenn zu viel Druck auf den Leuten liegt."

Mit Hirn gefahren

Kitzbühel könnte allerdings auch das Schlüsselerlebnis sein, auf das Neureuther so lange gewartet hat. "Er muss jetzt keinem mehr etwas beweisen", betonte Cheftrainer Karlheinz Waibel.

Kontrollierte Offensive sei die Devise gewesen. "Man muss mit Hirn fahren. Er hat das sensationell umgesetzt, in einer entschlossenen, cleveren Art und Weise. Das zeichnet einen Champion aus am Ende."

Seit Sonntag weiß der 25 Jahre alte Neureuther definitiv, wie es geht.

Maier hat bereits gezweifelt

Selbst die, die Neureuther Junior gut kennen, hatten Bedenken, ob er sein Talent, das ihm "Gold-Rosi" Mittermaier und Christian Neureuther in die Wege gelegt haben, auch jemals würde zeigen können.

"Ich bin froh, dass er's geschafft hat, denn ich habe immer an ihm festgehalten", sagt Alpinchef Maier, doch er gab auch zu: "Ich hatte meine Zweifel, dass irgendwann doch noch der Funke überspringt zum Top-Läufer."

Mangelnde Konstanz die einzige Konstante

Ein paar mal schien er schon so weit zu sein, doch die einzige Konstante bei Neureuther war bislang die mangelnde Konstanz. Bei der WM 2007 schied er als Zweitplatzierter des ersten Laufs im Finale aus.

Es war dies die Saison, in der er alle Slalom-Rennen beendete und ein paar Mal nahe dran war am Sieg. Schon der vergangene Winter war eher verkorkst, Fahrer und Material vertrugen sich nicht, und doch wurde der Partenkirchner auch Vierter bei der WM.

Nur nichts überstürzen

In diesem Winter wollte es so gar nicht laufen. Die Erfüllung der Norm für Olympia, wohin er vor vier Jahren nur auf dem Gnadenweg gekommen war (und ausschied) wurde zu Qual.

Über die Weihnachstage war Neureuther Junior so gefrustet, dass er "am Boden lag", wie er zugibt, dass er ans Aufhören dachte.

Er arbeitete weiter und unter den Vorsätzen: einen Schritt nach dem anderen machen, Sicherheit zurückgewinnen, nur nichts überstürzen.

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