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Viktioria Rebensburg fuhr beim Riesenslalom in Cortina erstmals aufs Podium © imago

Die deutschen Ski-Rennläuferinnen beweisen mit guten Leistungen ihre Madailenambitionen bei Olympia. Dennoch kommt Kritik auf.

Cortina d'Ampezzo - Die deutschen Ski-Rennläuferinnen mit der starken Maria Riesch an der Spitze haben ihre Medaillenambitionen nur drei Wochen vor Olympia mit dem besten Weltcup-Wochenende dieses Winters nachhaltig unterstrichen.

In der Abfahrt von Cortina d'Ampezzo musste Riesch nur die im Speed-Bereich derzeit kaum schlagbare Lindsey Vonn ziehen lassen, im Riesenslalom fuhr Viktoria Rebensburg erstmals und Weltmeisterin Kathrin Hölzl schon zum dritten Mal in dieser Saison auf das Podest.

"Es ist schon richtig lange her, dass wir mit drei Podien aus einem Wochenende rausgegangen sind. Das war ein schöner, ein guter Auftritt. Die Form für Olympia stimmt", sagte Cheftrainer Mathias Berthold.

"Lindsey interessiert mich nicht"

Dass er die Dolomiten trotzdem "auch mit einem weinenden Auge" verließ, lag an einer "unnötigen" Sicherheitsdiskussion und daran, dass die Amerikanerin Vonn und Tanja Poutiainen aus Finnland seinen Athletinnen den Platz ganz oben auf dem Podium wegschnappten.

"Die Lindsey interessiert mich nicht", behauptete Berthold zwar mit Blick auf Vonn, die jetzt in fünf Saison-Abfahrten ungeschlagen ist: "Aber es wäre an der Zeit, dass wir auch mal wieder ein Rennen gewinnen."

Immerhin drei Siege stehen für Bertholds Mädels in diesem Winter bereits zu Buche, und so konnte er sich leicht trösten. "Es reicht ja, wenn wir dann bei Olympia gewinnen."

Bertholds Protest bleibt ungehört

Wirklich getrübt hat Bertholds Stimmung dagegen das schon seit Saisonbeginn ausdauernd diskutierte Thema Sicherheit.

Weil die Piste "Tofana" im Riesenslalom aufgrund der Präparierung unterschiedliche Schneeverhältnisse aufwies und die pefekte Material-Abstimmung damit nahezu unmöglich war, habe er sich "Sorgen um die Mädels" gemacht, sagte Berthold.

Das war nicht unbegründet: Fränzi Aufdenblatten aus der Schweiz zog sich bei einem Sturz einen Kreuzbandriss zu. Bertholds Protest vor Beginn des Rennens bei FIS-Renndirektor Atle Skaardal half nicht. (DATENCENTER: Der Weltcup-Kalender).

Kritik an FIS

Vor allem Riesch, die Achte wurde, suchte daher den Weg an die Öffentlichkeit. Die Präparierung nannte Riesch "Irrsinn", Knieverletzungen seien deshalb "programmiert" gewesen.

Der Internationale Weltverband FIS hat sich laut Riesch in ähnlichen Fällen und auch in Cortina gegenüber den Kritikern als auf beiden Ohren taub erwiesen: "Die hören einfach nicht auf uns."

Hölzl will nicht Topfavoritin sein

Darüber beschwerte sich auch Hölzl, Platz drei und die Führung in der Riesenslalom-Wertung beruhigten sie jedoch. Vor dem letzten Rennen in ihrer Spezialdisziplin im März in Garmisch hat sie 26 Punkte Vorsprung auf Kathrin Zettel aus Österreich, die ausschied.

"Es läuft gut, ich habe richtig Lust auf meine ersten Olympischen Spiele", sagte sie. Topfavoritin will die zweimalige Saisonsiegerin nicht sein, "weil die Favoriten bei Olympia immer sterben".

Richtig ausgelassen feierte Viki Rebensburg das bestes Ergebnis ihrer Karriere.

"Völlig Krass"

"Ich bin überglücklich, das ist unglaublich, völlig krass", sagte sie. Ein sehr schwerer Fehler kostete die 20-Jährige vielleicht den Sieg, doch darüber wollte sie sich "nicht ärgern. Ich freue mich jetzt lieber auf Olympia."

Bei der dortigen Abfahrt braucht Maria Riesch ein Wunder, wenn sie Vonn schlagen will. "Es ist schon sehr bitter und frustrierend, dass Lindsey nicht zu schlagen ist", sagte sie nach Abfahrtsplatz zwei, 0,42 Sekunden hinter Vonn.

Würgegriff gegen Vonn

Ihre Geste beim Siegerfoto sagte alles: Sie ging Vonn an die Gurgel und deutete einen Würgegriff an. Vonns Überlegenheit, meinte Riesch, müsse "am Ski liegen".

Ihre Freundin, in der Gesamtwertung jetzt 56 Punkte vor Riesch, fährt als einzige Athletin auf Männer-Skiern. Riesch war die Umstellung bisher zu riskant, doch spätestens in Cortina geriet sie ins Grübeln.

"Ich kann so kurz vor Olympia eigentlich nicht anfangen, am Material rumzudoktern. Aber ich fange natürlich an zu überlegen", sagte sie.

Berthold bleibt da aber skeptisch. "Eigentlich ist das mit den Männer-Skiern nicht der richtige Weg, weil es viel zu gefährlich ist. Aber es gibt auch eine Zwischenlösung", sagte er. Der Trainer will "was versuchen".

Was genau, verriet er nicht.

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