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Maria Riesch nimmt in Vancouver erstmals an Olympischen Spielen teil © getty

Alpinchef Maier verbietet Maria Riesch in St. Moritz Materialtests, um der überlegenen Linsdey Vonn häherzukommen.

St. Moritz - Mathias Berthold verdreht die Augen. Er hat "keine Lust" über dieses Thema zu reden. Und überhaupt: "Die Lindsey interessiert mich nicht. Wirklich nicht."

"Die Lindsey" ist Lindsey Vonn, mit fünf Siegen in fünf Abfahrten dieses Winters Topfavoritin auf Olympia-Gold in der alpinen Königsdisziplin - und Schuld daran, dass Berthold über Dinge sprechen muss, über die er lieber schweigen würde:

Über Vonns Skier und die seiner Vorfahrerin Maria Riesch.

Materialschlacht unter Freundinnen

Rund zwei Wochen vor Beginn der Olympischen Winterspiele im kanadischen Vancouver ist zwischen den beiden Freundinnen Riesch und Vonn eine heiße Materialschlacht entflammt, bei der es um nicht weniger geht als um den größten Erfolg einer Sportlerkarriere: Den Sieg bei Olympia.

Maria Riesch gilt als Medaillenanwärterin in vier von fünf Wettbewerben. Ausgerechnet im prestigeträchtigsten, in der Abfahrt, scheint Vonn jedoch unschlagbar - wegen ihrer Skier.

Vonn-Ski in Kurvenlage besser

Die Amerikanerin entschied sich im Sommer als erste und bisher einzige Athletin, in den Speed-Disziplinen Abfahrt und Super-G von Frauen-Skiern auf die 5 cm längeren Modelle der Männer umzusteigen.

Vonns Latten sind nicht nur länger, sondern auch härter, schwerer (250 g pro Ski) und steifer. In extremer Kurvenlage "läuft" dieser Ski, übrigens von der gleichen Marke (Head) wie Rieschs, besser.

Vonn kann so leichter "auf Zug" bleiben und gewinnt Geschwindigkeit.

Riesch wollte "Zwischenlösung"

Als Vonn am vergangenen Wochenende Cortina d'Ampezzo trotz einer herausragenden Fahrt der Deutschen erneut vor Riesch gewann, geriet die Unterlegene endgültig ins Grübeln.

"Das kann nur am Ski liegen", sagte sie über den Vorsprung ihrer Konkurrentin. (DATENCENTER: Der Weltcup-Kalender)

Deshalb wollte Riesch vor der Olympia-Generalprobe ab Freitag in St. Moritz (ab 10.30 Uhr LIVE) "etwas Neues ausprobieren". Kein Männer-Modell wie Vonn, aber doch eine ähnliche Variante. "Eine Zwischenlösung", wie Berthold meinte.

"Völliger Käse"

Doch Berthold und Alpinchef Wolfgang Maier haben Riesch dieses Vorhaben ausgeredet.

"Das ist völliger Käse und kommt nicht in die Tüte. Das wäre der dümmste Schritt, den wir machen könnten", sagte Maier über den Materialwechsel.

"Das ist es nicht wert, dass sie da ihr Leben riskiert." Ein härterer Ski ist auch schwieriger zu beherrschen und bedeutet damit erhöhte Sturzgefahr. Berthold hatte sich daher schon vor Wochen gegen "diese blöde Diskussion" gewehrt.

Vonn "immer voll am Limit"

Wie Maier sieht er die Sache "etwas differenzierter. Vielleicht muss Maria einfach anerkennen, dass die andere im Moment die Bessere ist."

Das habe überhaupt nichts mit Zweifel an der eigenen Athletin zu tun, assistiert Maier, "aber Lindsey Vonn hat auch eine andere Vorgeschichte als Maria mit ihren schweren Verletzungen".

Vonn fahre freier, "immer voll am Limit, immer 100, 101 Prozent, wogegen es bei Maria auch mal 'nur' 98, 99 Prozent sind".

Wunderanzug im Schrank

Außerdem hat Vonn nach wie vor kleine Vorteile in der Athletik, letzte Reserven will sie darüber hinaus bei Olympia mit einem neuen "Wunderanzug" mobilisieren.

Maier sieht Vonn in Vancouver deshalb in der Favoritenrolle für die Abfahrt, "und wenn Maria Olympia-Silber holt, sind wir mehr als zufrieden. Das wäre hammergut für uns."

Tests in der Weltcup-Pause

Was nicht heißt, dass Maier und Co. vor den Spielen nicht doch noch am Material feilen werden.

"Aber wenn, dann machen wir das in Ruhe, ohne Wettkampfstress, in der Vorbereitung", sagt er.

Nach dem Wochenende von St. Moritz macht der Weltcup Pause, das erste Rennen bei Olympia steht am 14. Februar an. Genug Zeit also, um noch etwas von Vonns Vorsprung aufzuholen. "Wir werden sicher etwas versuchen", kündigt Berthold geheimnisvoll an.

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