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Maria Riesch feierte ihren ersten Weltcup-Sieg in der Abfahrt seit dem 1. Dezember 2006 © getty

Bei der Olympia-Generalprobe beendet Maria Riesch Lindsey Vonns Siegesserie. Auch ihre DSV-Kollegin Stechert fährt in die Punkte.

St. Moritz - Maria Riesch strahlte wie ein Kleinkind bei der Bescherung und streichelte ihren Siegerski: Zwei Wochen vor den Olympischen Spielen hat die Partenkirchnerin das Unmögliche möglich gemacht.

Sie schlug die zuvor in sechs Abfahrten unbezwungene Lindsey Vonn aus den USA und sicherte sich in St. Moritz den ersten Erfolg in der alpinen Königsdisziplin seit 38 Monaten (DATENCENTER: Der Weltcup-Kalender).

"Was vor ein paar Tagen noch nicht machbar schien, ist jetzt doch wahr geworden. Das ist eine unglaubliche Genugtuung für mich und gibt mir enormes Selbstvertrauen für die Spiele", sagte Riesch nach ihrem zweiten Saisonsieg, mit dem sie im Gesamtweltcup bis auf 61 Punkte an Vonn heranrückte.

Wie groß das Selbstbewusstsein jetzt schon wieder ist, unterstrich Riesch gleich: "Ich will in Vancouver jetzt auf jeden Fall eine Medaille, mein großer Traum ist Gold."

Material-Diskussion beendet

Wie im Vorbeifahren beendete Riesch auch noch die seit einigen Wochen tobende Material-Diskussion.

Denn die Slalom-Weltmeisterin fuhr ihren ersten Abfahrtstriumph seit dem 1. Dezember 2006 (Lake Louise) mit einem eigentlich kaputten Frauenski ein.

Vonn war wie zuvor auf dem steiferen und schwereren Männer-Material unterwegs, patzte aber im mittleren Streckenabschnitt und wurde Fünfte.

"Wohlfühlski" als Erfolgsgarant

"Mit dem Ski bin ich in Cortina vergangene Woche beim Training über einen Stein gefahren, da war dann die Kante hinüber", erklärte Riesch.

Ihr Servicemann Stefan Böhler ließ die Kanten aber nochmal schleifen, "weil die Maria sich auf diesem Ski einfach wohl fühlt".

Rechtzeitig zum Rennen standen die Latten wieder parat, "und dann hat sie bewiesen, dass man Abfahrten auch auf Frauenski noch immer gewinnen kann", wie Alpinchef Wolfgang Maier zufrieden feststellte.

Riesige Erleichterung

Böhler wurde dafür von Riesch geherzt, der Ski liebkost. Ihren Chefcoach Mathias Berthold umarmte die Partenkirchnerin lange - die Erleichterung über den Sieg war beiden deutlich anzusehen.

"Das ist Wahnsinn! Dass sie das Rennen trotz schlechter Sicht runtergefahren hat, ist eine sehr, sehr geile Leistung", sagte Berthold.

Deutliche Rückstände

Ingrid Jacquemod aus Frankreich (0,79 Sekunden zurück) und die Schweizerin Fabienne Suter (0,96) waren vor Riesch bei Sonnenschein auf der Corviglia und am Ende auf die Ränge zwei und drei gefahren.

Die Favoritinnen fuhren unter wolkenverhangenem Himmel, nur Riesch kam damit zurecht. Vonn lag nach einer fehlerbehafteten Fahrt 1,21 Sekunden zurück, Gina Stechert aus Oberstdorf wurde Elfte (1,77).

Vonn bleibt Favoritin

"Vielleicht ist es gut, dass Maria gewonnen hat, vor Olympia. Das nimmt mir ein wenig den Druck, weil jetzt alle gesehen haben, dass ich nicht perfekt bin", sagte Abfahrtsweltmeisterin Vonn. In Whistler bei den Spielen ist Vonn dennoch Top-Favoritin auf Gold, wenngleich ihr Riesch bedrohlich nahe kommt. Auch fahrerisch.

"Sie hat die mit Abstand beste Linie getroffen, hat die Taktik perfekt umgesetzt. Das war tipptopp", lobte Maier, der erleichtert registrierte, "dass nun nicht mehr das Material, sondern wieder der Athlet im Vordergrund steht."

Die Diskussion über einen Umstieg auf die mittlerweile auch von der viertplatzierten Schwedin Anja Pärson gefahrenen Männer-Ski sei nun "wohl erledigt", meinte auch Riesch.

Test in Garmisch

Dennoch will sie in der kommenden Woche zu Hause in Garmisch neues Material für Olympia testen.

"Ich vertraue da voll auf Stefan (Böhler), der hat da ja schon oft Händchen bewiesen", sagte sie. Ob sie dann in Whistler den "kaputten" Siegerski (Berthold: "ein super Gerät"), einen neuen, oder den vor zwei Jahren beim Weltcup auf der Olympia-Piste bereits erfolgreich getesteten unter die Füße nimmt, wird erst in Kanada entschieden.

Am Ende, da sind sich Riesch und ihr Umfeld einig, soll in Kanada aber in jedem Fall wie in St. Moritz wieder die deutsche Nationalhymne erklingen.

"Es wäre schön, da dieses Lied zu hören", sagte der Österreicher Berthold bei der Siegerehrung, während er "seine" Gewinnerin selig betrachtete.

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