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Rät Stefan Luitz zum Mentaltraining: DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier
Wolfgang Maier ist seit dem Jahr 2006 Alpindirektor im DSV © imago

DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier appelliert im Sport1.de-Interview an seine Gold-Mädels, von nun an noch härter zu arbeiten.

Von Martin Hoffmann

München - Maria Riesch und Viktoria Rebensburg sind die gefeierten Heldinnen von Vancouver, Wolfgang Maier ist der Architekt der drei Goldmedaillen.

Seit 2006 zieht der langjährige Frauen-Trainer beim Deutschen Skiverband DSV als Sportdirektor im Alpin-Bereich die Fäden.

Im Interview mit Sport1.de warnt Maier seine Schützlinge davor, sich nach dem Goldrausch am Whistler Mountain zurückzulehnen - und prophezeit ihnen, dass der Erwartungsdruck ab jetzt noch größer sein wird 206680(DIASHOW: Die deutschen Medaillengewinner).

Außerdem spricht der 49-Jährige über die Aufbauarbeiten hinter dem Dreifach-Gold, die Problemzone Herrenbereich und die Münchener Olympia-Bewerbung für 2018 (Direkt zum zweiten Teil des Interviews).

Sport1.de: Herr Maier, können Sie das Abschneiden der Frauen bei Olympia noch genießen, oder hat Sie der Alltag bereits wieder?

Wolfgang Maier: Einerseits spürt man noch sehr viel Anerkennung, andererseits sind die Olympischen Spiele jetzt vorbei und wir sind wieder im Alltags-Trott angekommen. Die Mannschaft ist jetzt in Crans Montana, alle anderen sind jetzt in Vorbereitung auf das Weltcup-Finale. Für die Verantwortlichen ist jetzt die Zeit zu sondieren, wie man nach diesem olympischen Zyklus weiter macht.

Sport1.de: Vor vier Jahren in Turin, ehe Sie als Alpin-Direktor angetreten waren, gab es keine Medaille. Was haben Sie aus Ihrer Sicht seitdem bewirkt?

Maier: Man muss die Bilanz damals richtig einordnen: Zum einen fehlte Maria Riesch damals verletzt, zum anderen waren wir 2006 im letzten Jahr mit einigen älteren Läuferinnen: Martina Ertl hatte aufgehört, wie auch Hilde Gerg und Petra Haltmayr. Wir mussten eine neue junge Generation aufbauen, ein längerer Prozess, der da aber auch schon lief. Wir hatten schon damals eine gute Perspektive. Diesmal ist es uns gelungen, sie umzusetzen. (DATENCENTER: Alle Olympia-Ergebnisse)

Sport1.de: Maria Riesch und Viktoria Rebensburg haben als Olympiasiegerin ein ganz neues Level erreicht. Der Rummel ist gewaltig, Medien und Sponsoren reißen sich besonders um Riesch. Fürchten Sie, dass da die Bodenhaftung verloren geht?

Maier: Maria weiß, dass sie extrem hart weiterarbeiten muss - noch härter als bisher. Auf der einen Seite wird man natürlich sehr hoch gelobt, auf der anderen Seite steigen dann auch die Erwartungen. Heutzutage ist alles so schnelllebig, keiner spricht nächstes Jahr mehr über das, was in Vancouver war, oder vor zwei Jahren bei der WM in Val d'Isere. Aus dem Super-Sieger wird bei der nächsten Niederlage schnell der Super-Verlierer gemacht. Nach dem Olympia-Sieg gibt sich die Öffentlichkeit jetzt nicht mehr mit Platz vier oder fünf zufrieden. Das ist die Kehrseite der Medaille. Die Olympiasieger werden am Erfolg gemessen, da gibt es wenig Spielraum zum Ausruhen oder Zurücklehnen. Und wenn man das trotzdem tut, geht es schnell ganz rapide wieder bergab.

Sport1.de: Sehen Sie die Gefahr, dass sich der Verband nach dem erfolgreichen Abschneiden auf den Lorbeeren ausruht?

Maier: Uns ist klar, dass wir uns jetzt nicht ausruhen dürfen. Niemand wird hier mit Überheblichkeit ans Tagwerk gehen. Aber eines muss auch allen klar sein: Ein so toller Erfolg wie in Vancouver ist ganz schwer zu wiederholen. Man braucht jetzt nicht davon auszugehen, dass wir nächstes Jahr bei der Heim-WM drei Goldmedaillen einfahren. Nach Erfolgen kommen auch wieder Rückschläge. Unser Ziel ist, dass das Alpin-Team zu den besten Sportlern in Deutschland gehört, und zwar nicht im Moment, sondern mit einer gewissen Nachhaltigkeit. Und das Ziel haben wir bei weitem noch nicht erreicht.

Sport1.de: Woran mangelt es?

Maier: Wir haben noch viel Nachholbedarf in den Speed-Disziplinen, wir haben noch kein zu 100 Prozent funktionierendes Herren-Team, also gibt es noch viel zu tun. Allerdings: Durch das Abschneiden in Vancouver haben wir wieder Kredit in der Öffentlichkeit. Man hat gesehen, dass wir die Dinge richtig anpacken. Und darauf können wir aufbauen, um die Mängel, die es noch zu beseitigen gibt, in Ruhe abzustellen.

Im zweiten Teil des Interviews spricht Maier über die Probleme im Herren-Bereich, Felix Neureuther und einen Ausblick auf das Weltcup-Finale und die WM in Garmisch

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