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Wolfgang Maier arbeitet seit rund 20 Jahren als Trainer beim DSV © getty

Im zweiten Teil des Sport1.de-Interviews spricht Wolfgang Maier über die Probleme bei den Männern und das Weltcup-Finale.

Sport1.de: Sie haben die Probleme im Herrenbereich angesprochen. Seit vielen Jahren fällt auf, dass dort nur Einzelne hervorstechen und der Bereich nicht so breit aufgestellt ist wie bei den Damen. Zufall, oder sehen Sie spezielle Gründe dafür?

Maier: Das ist keine zufällige Entwicklung. Wir haben, und das haben wir auch immer eingestanden, in den letzten Jahren nicht alles richtig gemacht. Es gab aber auch in den Jahren schwierige Situationen wie zum Beispiel mit Florian Eckert. Der war schon in der absoluten Weltspitze, hat sich dann aber so schwer verletzt, dass er seine Karriere beenden musste. Wir hatten immer das Problem, dass wir keine gewisse Breite entwickeln konnten, weil wir keine richtigen Zugpferde hatten. Aber wir haben natürlich auch Fehler in der Förderung gemacht. Wir hatten von den Neunzigern bis 2005 keine Nachhaltigkeit in der Nachwuchsarbeit.

Sport1.de: Und was hat sich seitdem geändert?

Maier: Wir machen unsere Hausaufgaben im Unterbau. Wir haben in den letzten zwei Jahren bei den Junioren einen Weltmeister und einen Vize-Weltmeister gestellt, auch diese Jahr wieder eine Silber-Medaille bei den Junioren-Herren gewonnen. Das ist die Generation, die 2014 in Sotschi an den Start gehen kann. Aber im Spitzen-Bereich bewegen wir uns nach wie vor auf dünnem Eis. Da haben wir nur den Felix Neureuther.

Sport1.de: Wie sehr würde den Herren ein Zugpferd a la Riesch denn helfen?

Maier: Wenn man jemanden hat, der vorne mitfahren kann, nimmt das den Druck von allen anderen. Wenn man sich den Felix anschaut, ist da aber alles anders: Erstens ist durch den Namen Neureuther ein extrem hoher Erwartungsdruck da. Zweitens ist er nur in einer Disziplin, Slalom, Weltspitze und wird letztendlich als Gallionsfigur für den gesamten Herren-Rennsport bezeichnet - und das ist eine Verfälschung der Tatsachen. Felix ist im Slalom Weltspitze, aber er ist eben kein Allrounder. Die Erwartung in der Öffentlickeit an ihn ist überzogen. Und dieser junge Mann kann ihr nicht immer gerecht werden.

Sport1.de: Im kommenden Jahr steigt die Heim-WM in Garmisch, dazu bewirbt sich München um die Olympischen Spiele 2018. Welche Signale gehen da aus Vancouver in diese Richtungen aus?

Maier: Sehr positive. Wir treten nächstes Jahr mit einer Mannschaft an, die um die Titel mitfahren kann. Das allein schon müsste für alle Beteiligten Motivation genug sein, um eine super WM auf die Beine zu stellen. Die wird im Hinblick auf Olympia natürlich eine Visitenkarte sein. Im alpinen Bereich ist man ja etwas unerfahren, die letzte WM hier war 1978. Ich glaube, dass es für die Garmisch-Organisatoren eine große Motivation ist, zu beweisen, dass Deutschland olympia-reif ist.

Sport1.de: Was ist ihr Wunsch für das Weltcup-Finale?

Maier: Wir fahren indirekt noch um den Gesamt-Weltcup mit, das wird sich in Crans Montana zeigen, wie die Chancen stehen. Da muss man sehen, wie Lindsey Vonn in der Abfahrt fährt. Wir sind außerdem noch im Disziplinen-Weltcup im Riesenslalom mit Kathrin Hölzl als Gesamtführende dabei. Ich würde mir wünschen, dass sie die Kugel für uns holt. Im Slalom-Weltcup sind wir mit Maria Riesch noch präsent, viele Dinge sind noch offen.

Sport1.de: Was ist Ihnen eigentlich wichtiger: Olympiasiege oder Erfolge im Gesamt-Weltcup?

Maier: Die Öffentlichkeit bewertet natürlich Olympia höher als den Weltcup. Von der Außendarstellung her ist Olympia daher höher einzuschätzen, aber von der sportlichen Leistung her der Weltcup. Über sechs Monate der beste Läufer zu sein, ist etwas anderes, als nur in einem Rennen der Beste zu sein. Für mich persönlich waren die Disziplin-Weltcup-Kugeln immer von höchsten sportlichem Wert.

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