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Marco Büchel fährt zum Abschied mit einem Anzug die Piste runter © getty

Mit einem extravaganten Auftritt verabschiedet sich Marco Büchel vom Skiweltcup. Sein Kollege Cuche weint "Büxi" eine Träne nach.

Rainer Nachtwey

Garmisch - Die Nachwuchsmannschaften des Skiverbands stehen Spalier, den Bogen bilden sie aus Skiern.

Dahinter wartet eine Liege.

Plumpsend lässt sich Marco Büchel auf die Liege niederfallen. In der rechten Hand hält er ein Zwei-Liter-Weißbierglas, strahlt von einem Ohr zum anderen. Sein schwarzer Samtanzug, die Knickerbockers und Wollstrümpfe glänzen in der schwach durchschimmernden Sonne.

"Eigentlich wollte ich als alter Mann verkleidet mein letztes Weltcuprennen bestreiten. Das mit dem Anzug war eine Idee meiner Frau", sagt Büchel. "Ich trete als Gentleman von der großen Bühne ab."

Immer wieder Garmisch

Der Super-G in Garmisch war Marco Büchels letzter Auftritt als Aktiver im alpinen Ski-Weltcup, 19 Jahre nach seinem Debüt. (DATENCENTER: Der Weltcup-Kalender)

In Garmisch schließt sich der Kreis. Acht Jahre nach seinem ersten Sieg im Super-G auf der Kandahar beendet Büchel seine Karriere, mit einem Rennen auf der Kandahar.

"Das ist alles sehr emotional", meint der Liechtensteiner zu Sport.1de. "Ich werde so viel vermissen. Meine Freunde, den Lifestyle hier, all die Emotionen. Das ist so viel, das ich vermissen werde."

Einerseits schön, anderseits traurig

Aber nicht nur der 38-Jährige, der im November seinen 39. Geburtstag feiert, wird den Skizirkus vermissen, auch der Skizirkus seinen "Büxi".

"Das ist einerseits ein sehr schöner Tag, andererseits sehr traurig, sehr emotional", sagt Didier Cuche im Gespräch mit Sport1.de und blickt dabei bedrückt zu Boden. "Marco ist ein sehr guter Mensch. Er war immer ein sehr fairer Konkurrent."

Gute Stimmung dank "Büxi"

Und Cuche muss es wissen. Der Schweizer hat die letzten Jahre viel Zeit mit Büchel verbracht, mit ihm in der Schweizer Mannschaft trainiert. Die Eidgenossen haben den Liechtensteiner sozusagen adoptiert.

"Er ist immer gut aufgelegt und hat immer für gute Stimmung in der Mannschaft gesorgt, auch wenn es einmal nicht so gut gelaufen ist. Er war immer ein sehr fairer Sportler", beschreibt Cuche den Adoptiv-Schweizer.

"Er war ein richtiger Freund. Er war zwar auch ein Feind, vor allem wenn er uns im Training um die Ohren gefahren ist, aber gleichzeitig auch ein Freund. Es war eine schöne Zeit mit ihm."

Heimrennen in Wengen

Nicht nur in der Mannschaft der Eidgenossen, auch bei den Schweizer Fans fand der Riesenslalom-Vizeweltmeister von 1998 viele Freunde.

"Dies war mein Heimrennen, ich werde es vermissen", sagte Büchel im Januar nach seinem dritten Platz bei den Lauberhornschen Rennen von Wengen, "wie die Fans mir zugejubelt haben, obwohl ich kein Schweizer bin, das ist unglaublich."

Sechs Olympia-Teilnahmen

Der dritte Platz bei der Abfahrt in Wengen war sein letzter Podestplatz in 19 Jahren alpiner Ski-Weltcup.

Insgesamt stand Büchel 18 Mal auf dem Stockerl, vier Mal grüßte er von ganz oben.

Bei den Olympischen Spielen von Vancouver, seinen sechsten nach 1992 Albertville, 1994 Lillehammer, 1998 Nagano, 2002 Salt Lake City und 2006 Turin, belegte er den achten Platz in der Abfahrt.

Eine Medaille war ihm nie vergönnt.

Viele Höhepunkte

Dennoch ist der Speedspezialist nicht enttäuscht. "Ich habe so viele schöne Dinge erlebt in meiner Karriere. Die Liste ist so lang, da kann man gar kein einzelnes Ereignis rausnehmen", sagt Büchel.

Nicht einmal den Sieg beim Super-G in Kitzbühel, dem wohl prestigeträchtigsten Weltcuport, wodurch er seinen Namen auf einer Gondel verewigt hat.

Richtige Entscheidung

"Der Abschied schmerzt schon ein bisschen, mein Herz ist immer noch mitten drin. Und von einem Tag auf den anderen ist alles vorbei. Ich bin mein ganzes Leben lang Ski gefahren - und jetzt war's das", blickt Büchel mit Tränen in den Augen auf das letzte Rennen seiner Karriere zurück.

"Aber ich denke, es ist die richtige Entscheidung, jetzt aufzuhören. Ich freue mich, dass es so über die Bühne geht, dass sich alle mitfreuen."

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