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Maria Riesch hat bislang 14 Weltcup-Siege auf dem Konto © imago

Die DSV-Damen sind nach dem Traum-Winter 2009/10 das Maß der Dinge. Im Sommer hatten sie aber mit Problemen zu kämpfen.

Sölden - Wolfgang Maier redet nicht so gerne über die Vergangenheit, dabei hätte der frühere Cheftrainer der alpinen Ski-Damen durchaus etwas zu erzählen.

Über 1998 etwa, als Katja Seizinger bei Olympia in Nagano unter seiner Leitung Doppel-Gold gewann und Hilde Gerg Olympiasiegerin wurde.

Ende der 1990er Jahre war das deutsche Damen-Team das Maß der Dinge. Nach Jahren des Darbens hat Maier, mittlerweile Alpindirektor des Deutschen Skiverbandes (DSV), jetzt wieder die weltweit beste Mannschaft beisammen.

Wenn am Samstag in Sölden mit dem Riesenslalom die Weltcup-Saison beginnt, sind Maria Riesch und Co. erstmals seit den goldenen 90ern wieder die Gejagten.

Die "Monostruktur" ist aufgebrochen

"Wir sind vielleicht nicht die Nation, die in der Breite herausragt. Aber wir haben einzelne, herausragende Leute. Fahrerinnen, die jederzeit in der Lage sind, Rennen gewinnen zu können. Nicht nur Maria Riesch", sagt Maier.

Riesch glückte zwölf Jahren nach den Triumphen von Japan in Whistler das olympische Doppel.

Darüber hinaus holte aber auch noch Viktoria Rebensburg Gold im Riesenslalom - in der Disziplin, in der Kathrin Hölzl Weltmeisterin ist.

Die "Monostruktur Maria Riesch", wie Maier es immer nannte, hat der DSV aufgebrochen. Blickte der Verband noch vor wenigen Jahren neidvoll auf die Seriensiegerinnen aus Österreich, sind die Rivalinnen aus anderen Nationen nun längst nicht mehr der Maßstab.

Hölzl hat "keinen Millimeter eingebüßt"

"Ich kann mich im Training täglich mit den Besten messen. Wenn man so ein gutes Team hat, muss man nicht mehr auf die Konkurrenz schauen", sagt Riesenslalom-Weltcupsiegerin Hölzl.

Die 26-Jährige nennt den Auftakt "ein unglaublich wichtiges Rennen, weil es der erste richtige Test ist. In Sölden sieht man, wo man steht."

Bei ihr ist das besonders interessant, litt sie in der Saison-Vorbereitung doch unter rätselhaften Muskelschmerzen, die jegliche Form von Krafttraining unmöglich machten.

Die Ursachen für die Probleme sind noch immer unklar, die Bischofswiesenerin "will die Geschichte jetzt ruhen lassen".

Auf der Piste hat sie schließlich keine Schwierigkeiten, und außerdem sei sie ja "von Haus aus ein muskulärer Typ. Im Umfang habe ich keinen Millimeter eingebüßt."

Rebensburg bleibt erdnah

Auch Viki Rebensburg hatte keinen leichten Sommer. Eine Daumenverletzung verhinderte ihre Teilnahme am zweiten Trainingslager in Chile, ihr Studium funkt mitunter in die Trainingsplanung rein.

Nach dem Coup von Whistler hat die 21-Jährige daher sehr darauf geachtet, dass die Verpflichtungen abseits der Strecke nicht zu viel wurden, "damit das Immunsystem alles verkraftet. Denn das Training hat absolute Priorität."

Schließlich will Viki möglichst bald, am liebsten in Sölden, den noch fehlenden Weltcup-Sieg holen.

Rieschs Kampfansage an Vonn

Dass Rebensburg sich in der Öffentlichkeit etwas zurückziehen konnte, lag auch an der Präsenz von Maria Riesch.

Anders als ihre Kolleginnen öffnet die sich dem Boulevard, der ihrer nahenden Heirat ebenso viel Platz einräumt wie dem Sport.

Riesch kommt damit gut zurecht, es gehe ihr "gut wie nie zuvor", berichtet sie. Riesch fühlt sich fit. So fit, dass sie Titelverteidigerin Lindsey Vonn (USA) einen heißen Kampf um den Gesamtweltcup versprochen hat.

Ein schlechtes Vorzeichen

Helfen soll dabei der neue Cheftrainer Thomas Stauffer, der Erfolgscoach Mathias Berthold ablöste. Riesch will den Wechsel "nicht überbewerten, weil wir ja weiter die gleichen Disziplintrainer haben". Stauffer aber hat viel vor.

"Das Amt birgt Risiken, weil mein Vorgänger sehr erfolgreich war. Aber ich will das Team vielleicht noch einen Schritt voranbringen", sagt er.

Das soll sich bei der Heim-WM im Februar in Garmisch auch in Form von Edelmetall zeigen.

Doch Vorsicht scheint geboten: Bei den Titelkämpfen 1999 in Vail, ein Jahr nach den Triumphen von Japan, gingen die deutschen Damen leer aus. Allerdings war da auch Katja Seizinger nicht mehr dabei.

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