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Carolin Fernsebner zog sich in Aspen bereits den dritten Kreuzbandriss ihrer Karriere zu © imago

Zwei Verletzungen trüben die Erfolge der Alpinen in Nordamerika. Ein Patentrezept gegen das hohe Unfallrisiko hat niemand.

Aspen - Wolfgang Maier war trotz allem gut gelaunt. "Darauf kauf ma uns a Mass", sagte der Alpindirektor des Deutschen Skiverbandes (DSV) nach den ersten Weltcup-Rennen des Winters in Nordamerika.

Schließlich hatten Viktoria Rebensburg, Kathrin Hölzl und Maria Riesch mit drei Podestplätzen für ein sehr erfreuliches Ergebnis bei den Torläufen in Aspen gesorgt. (DATENCENTER: Alle Weltcup-Ergebnisse 2010/11)

Doch die Verletzungen von Carolin Fernsebner und Andreas Strodl sorgten dafür, dass Maiers Maßkrug am Abend gefühlsmäßig schlecht eingeschenkt war.

Strodl-Diagnose steht aus

Fernsebner war beim Riesenslalom in Aspen gestürzt und hatte dabei einen Kreuzbandriss im rechten Knie sowie einen Meniskusschaden erlitten.

Auch Strodl verletzte sich beim Super-G im kanadischen Lake Louise im rechten Knie - so schwer, dass er mit dem Hubschrauber ausgeflogen werden musste.

Eine genaue Diagnose sollte nach der Rückkehr des 23-Jährigen nach München erfolgen.

Keine Patentlösung

Die Verletzungen von Fernsebner und Strodl blieben die einzigen schwereren an diesem Weltcup-Wochenende - und doch trafen sie den alpinen Sport an einem wunden Punkt.

Über das Thema Sicherheit wird seit Jahren leidenschaftlich, aber ohne durchschlagenden Erfolg diskutiert.

"Ich will niemanden anprangern", sagt Maier, "weil auch ich kein Weiser bin und keine Patentlösung habe."

Expertengruppe soll helfen

Das Thema ist so komplex, dass der Internationale Skiverband (FIS) mit Beginn der WM-Saison eine Expertengruppe installierte, die Lösungen aufzeigen soll.

Der gehören der deutsche Männer-Chefcoach Charly Waibel und der frühere österreichische Männer-Chef Toni Giger, beide ausgewiesene Fachleute, an

Aber auch Ex-Rennläufer wie Kjetil-Andre Aamodt, Pernilla Wiberg und Bernhard Russi. "Das ist eine sehr ausgewogene Gruppe und für mich eine große Hoffnung für die Zukunft", sagt Russi. Doch in der Branche gibt es Zweifel.

Maier wünscht sich Profi

Die FIS, meint ein Verantwortlicher, der lieber nicht namentlich zitiert werden möchte, habe mit der Gruppe "eine gute Idee aufgeweicht".

Außerdem regt sich Kritik an der Uni Salzburg, die den Ski-Leuten beratend zur Seite steht. Maier meint, "es wäre schön, wenn sich die FIS dazu durchringen würde, einen hauptamtlichen Profi zu stellen, der handlungsfähiger wäre als dieses Gremium".

Risiko bei 32 Prozent

Russi betont, er verstehe "die Sorgen, diese Dinge gehen nie schnell genug".

Der Schweizer versucht deshalb, dem Thema die Schärfe zu nehmen, und verweist auf Zahlen des Sporttrauma-Forschungszentrums in Oslo.

Das dokumentiert seit vier Jahren alle Unfälle im Weltcup und hat ein Verletzungsrisiko von etwa 32 Prozent ermittelt. Ein Drittel der Verletzten fällt über einen Monat aus, aber eine Häufung an Verletzungen ist seit 2006 praktisch nicht zu verzeichnen.

Starker Druck auf Knie

Wenn es einen Athleten schwerer erwischt, ist meist dessen Knie betroffen. Das liegt zum einen am immer extremeren Material, das den Druck an die Gelenke weitergibt, zum anderen an der häufig extremen Pisten-Präparierung.

Strobl ist wohl eine Kombination aus beiden Faktoren zum Verhängnis geworden. "Während der Fahrt hat er den Druck zu stark verspürt und deshalb abgebrochen", sagt Waibel.

Zu viel Eispisten

Die Athleten kritisieren seit langem, dass die Strecken zu sehr mit Wasser präpariert werden, das dann zu Eis gefriert.

"Das ist immer noch ein Schnee- und kein Eissport", sagte Super-G-Olympiasieger Aksel Lund Svindal in Lake Louise.

Auch Maier meint, man solle "so wenig wie möglich mit Wasser arbeiten. Lieber ist die Piste etwas unruhiger, aber dafür riskieren wir weniger wegen zu aggresiver Verhältnisse." Mehr Kunstschnee könnte helfen, meint er.

Kasper schiebt Schuld auf Athleten

Auch an der Kurssetzung könnte gearbeitet werden. Wie schnell die Athleten zu Tal rauschen, sei über die TV-Bilder ohnehin nicht wahrnehmbar, sagt etwa der Österreicher Benjamin Raich."

Aus meiner Sicht müsste beim Thema Sicherheit viel mehr Gas gegeben werden, aber da passiert leider relativ wenig", moniert er.

FIS-Präsident Gian Franco Kasper schiebt den Schwarzen Peter zu Raich und Co. zurück: "Die wollen weniger Unfälle, aber jeder hat eine andere Ansicht."

Tränen bei Fernsebner

Renndirektor Günter Hujara meint, über eine Entzerrung des Terminkalenders könne eine Überbelastung der Athleten verhindert und Verletzungen eingedämmt werden.

Doch er gibt auch zu bedenken: "Andererseits müssen die Athleten ihren Lebensunterhalt im Weltcup verdienen." Schnellschüsse lehnt er deshalb ab.

Caro Fernsebner nutzen die Diskussionen nicht mehr. Die 23-Jährige lag am Samstag auf der "Ruthie's Run". Sie weinte bitterlich.

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