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Der neue Damen-Cheftrainer Thomas Stauffer (l.) war zuletzt sieben Jahre lang Coach bei den Schweden © imago

Die DSV-Damen wagen sich auf die Abfahrts-Piste. Im Interview fordert Cheftrainer Thomas Stauffer eine Steigerung.

Von Andreas Kloo

München - Thomas Stauffer hat sich keinen einfachen Job ausgesucht. Denn die Erwartungshaltung an den neuen Damen-Cheftrainer ist groß.

Schließlich sorgte sein Vorgänger, der nach Österreich abgewanderte Mathias Berthold, für große Erfolge. Die Krönung waren die drei olympischen Goldmedaillen in Vancouver.

Doch der Einstand für den Schweizer verlief perfekt. Gleich beim ersten Saisonrennen in Sölden durfte Stauffer einen Doppelsieg durch Viktoria Rebensburg und Kathrin Hölzl im Riesenslalom feiern.

Auch in den weiteren Wettbewerben landete immer eine DSV-Fahrerin auf dem Podest. (DATENCENTER: Alle Weltcup-Ergebnisse 2010/11)

Stauffer tappt im Dunkeln

Nun stehen allerdings in Lake Louise die ersten Speed-Rennen für die Damen auf dem Programm (Fr., ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER). In Abfahrt und Super-G tat sich das deutsche Team in den letzten Jahren deutlich schwerer als in Riesenslalom und Slalom.

Außer Maria Riesch und mit Abstrichen Gina Stechert gelang keiner Fahrerin der Sprung in die Weltspitze.

Bei den Gründen dafür tappt Stauffer etwas im Dunkeln: "Woran es genau gelegen hat, dass in den letzten Jahren die Erfolge in den Speed-Disziplinen ausblieben, kann ich nicht genau sagen. Das war vor meiner Zeit", rätselt er.

Im Abschlusstraining lief es bei Riesch schon ganz gut. Die Partenkirchenerin führ auf Rang zwei hinter der Schweizerin Dominique Gisin.

SPORT1-Interview erklärt Stauffer außerdem, was ihn dazu bewog, das Angebot des DSV anzunehmen und spricht über die Saisonziele.

SPORT1: Herr Stauffer, mussten Sie lange überlegen, als das Angebot vom DSV kam?

Thomas Stauffer: Ich habe mir ungefähr eine Woche lang Gedanken gemacht. Ich habe mir angeschaut, wie die Zukunftsperspektiven in Schweden sind, ob ich dort weitermachen oder eine neue Herausforderung annehmen will.

SPORT1: Was sprach dann dafür, die Herausforderung in Deutschland anzunehmen?

Stauffer: Ganz klar die gute sportliche Situation und die guten Strukturen im Verband.

SPORT1: Allerdings treten Sie in große Fußstapfen. Ihr Vorgänger Matthias Berthold fuhr drei olympische Goldmedaillen ein. Das ruft eine große Erwartungshaltung hervor.

Stauffer: Das ist richtig. Aber das System steht. Die ersten Rennen in diesem Winter waren gleich erfolgreich. Es läuft. Die Planung beim DSV ist außerdem langfristig, die steht und fällt nicht mit dem Cheftrainer.

SPORT1: Hätten Sie mit einem solch starken Auftakt bei den Damen gerechnet? Bislang fuhr in jedem Rennen zumindest eine DSV-Läuferin aufs Podest.

Stauffer: Dass es gleich so gut läuft, hätte ich nicht gedacht. Allerdings haben die Damen nur ihre jeweilige Weltranglisten-Position bestätigt. Und das muss immer das Ziel sein.

SPORT1: Gibt es dennoch Dinge zu verbessern?

Stauffer: Wir können sicher noch stabiler werden und weniger Fehler machen. Und bei den Läuferinnen in der zweiten Reihe ist noch Luft nach oben.

SPORT1: Haben Sie denn bestimmte Dinge geändert im Vergleich zu Matthias Berthold?

Stauffer: Groß ändern sollte man nichts, wenn es gut läuft. Der Rahmenplan ist außerdem bereits gemacht worden, bevor ich den Posten des Cheftrainers übernommen habe. Danach richten wir uns. Details wie Materialfrage, Konditionsarbeit, welche Schwerpunkte legt man - das ist ein ständiger Prozess, über den man sich laufend Gedanken macht.

SPORT1: In den technischen Disziplinen hat Ihr Team in den ersten Rennen seine Vormachtstellung untermauert. Jetzt stehen in Lake Louise erstmals die Speed-Disziplinen auf dem Programm. In diesem Bereich lief es in der Vergangenheit nicht ganz so gut. Woran liegt das?

Stauffer: Gina Stechert war mit einem Kreuzbandriss ein Jahr außer Gefecht, Isabelle Stiepel ist im Kommen. Woran es genau gelegen hat, dass in den letzten Jahren die Erfolge in den Speed-Disziplinen ausblieben, kann ich nicht genau sagen. Das war vor meiner Zeit. Wir müssen jetzt einfach vorwärts schauen. Wir brauchen mehr als nur eine Maria Riesch und müssen zwei, drei weitere Läuferinnen nach vorne bringen.

SPORT1: In der Abfahrt hatte letztes Jahr Lindsey Vonn materialtechnisch einen Vorteil gegenüber Maria Riesch. Sie fuhr mit Herren-Ski. Ist dieser Rückstand aufgeholt?

Stauffer: Was das Material angeht, sind wir sicher nicht im Rückstand. Die Top-Athletinnen fahren alle ähnliches Material. Man schaut ja auch, was die anderen fahren. Lindsey Vonn fährt ja die gleiche Skimarke wie Maria Riesch. Und wenn eine Fahrerin von der gleichen Skifirma gutes Material fährt, dann will man das auch. Das Problem ist eher, dass man das Material auf die jeweilige Fahrerin, den jeweiligen Fahrstil und die jeweiligen physischen Voraussetzungen abstimmen muss. Was für eine Lindsey Vonn passt, passt für eine Maria Riesch noch lange nicht. Deshalb gibt es da jetzt eine Mittellösung.

SPORT1: Welche Ziele haben Sie sich und der Mannschaft denn für diese Saison gesetzt?

Stauffer: Die Heim-WM in Garmisch-Partenkirchen ist ganz klar der Höhepunkt. Da wollen wir uns gut präsentieren. Die WM soll einen Nachhaltigkeitseffekt für den deutschen Skisport haben. Ansonsten gilt es, uns weiter zu verbessern, damit wir in allen Disziplinen noch breiter aufgestellt sind.

SPORT1: Allerdings wird der Druck bei der Heim-WM auf die Sportlerinnen groß sein. Denken Sie, Ihr Team ist darauf vorbereitet?

Stauffer: Entscheidend wird sein, dass man vorher im Weltcup gute Ergebnisse einfährt. Dann geht man mit dem nötigen Selbstbewusstsein in die WM. Ziel muss sein, in allen Disziplinen die Aussicht auf Medaillen zu haben.

SPORT1: In welcher Disziplin sehen Sie die größten Chancen?

Stauffer: Natürlich im Slalom und im Riesenslalom. Aber jetzt schauen wir mal, wie die Speed-Saison für die Maria anläuft. Vielleicht geht da auch was.

SPORT1: Maria Riesch will in diesem Jahr den Gesamt-Weltup gewinnen. Könnten dadurch ihre Spezialisten-Fähigkeiten leiden? Also, dass sie überall in der Spitze dabei ist, aber nirgends ganz vorne.

Stauffer: Das glaube ich nicht. Skeptisch war ich bei Maria nur mit dem Riesenslalom. Aber da ist sie jetzt auch zweimal in den Top 10 gelandet.

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