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Stephan Keppler kam bisher im Weltcup nie über den achten Platz hinaus © getty

Beim Super-G in Gröden tritt Stephan Keppler in Wasmeiers Fußstapfen. Als Ansporn kriegt er Massen von erbosten E-Mails zu lesen.

Gröden/München - Stephan Keppler stand im Zielraum der traditionsreichen "Saslong" und konnte sein Glück kaum fassen.

Mit der besten Fahrt seiner Karriere sorgte der deutsche Ski-Rennläufer bei den Weltcup-Rennen im Grödnertal für eine große Überraschung, beinahe sogar für eine Sensation.

Im Super-G raste der 26-Jährige völlig unerwartet auf den zweiten Rang, allein der Österreicher Michael Walchhofer war um 0,67 Sekunden schneller.

"Mir fehlen die Worte", sagte der ehrlich verblüffte Keppler nach seinem Sprung mitten hinein in die Weltspitze, der auch dem deutschen Männer-Team ein klein wenig Hoffnung für die WM im kommenden Februar in Garmisch-Partenkirchen macht. (Neureuther löst Ticket für Heim-WM)

Auch Sportchef Maier begeistert

Dem scheinbar ewigen Talent gelang in Gröden nicht weniger als eine aus deutscher Sicht schon historische Fahrt.

Der zweite Rang von Keppler war die beste Platzierung eines deutschen Ski-Rennläufers im Super-G seit dem 17. März 1991, als der spätere Doppel-Olympiasieger Markus Wasmeier im kanadischen Lake Louise gewann.

"Wir sind extrem happy, das ist schon klasse für uns", sagte der deutsche Alpin-Sportchef Wolfgang Maier, der Keppler den Coup in der Tat nicht zugetraut hatte: "Wir haben ja immer gehofft, dass er es mal unter die Top 15 schafft, aber das ist natürlich eine große Überraschung."

Siegtraum endet bei Startnummer 21

Begünstigt durch die frühe Startnummer sieben gelang Keppler auf der anspruchsvollen "Saslong" eine Fahrt, deren Wert von Minute zu Minute stieg.

Der Ebinger kam mit Bestzeit ins Ziel, wurde in den abgesperrten Bereich des Führenden geleitet - und wartete dort länger als erwartet mit fast ungläubigem Gesichtsausdruck. "Es ist schon unheimlich, wenn man in der Leader-Box steht und einer nach dem anderen ist langsamer", sagte er. (VOTING: Die Sportler 2010)

Erst bei Startnummer 21 war der Traum vom Sieg vorbei - Walchhofer gelang eine fast perfekte Fahrt auf dem Weg zum zweiten Saisonsieg, Dritter wurde Erik Guay aus Kanada.

Nie besser als Platz 8

Ein bisschen hatte Keppler seinen zweiten Platz auch noch Ted Ligety zu verdanken. Der Amerikaner hatte auf einen Start verzichtet, dadurch rutschte der Deutsche in die erste Startgruppe - ansonsten hätte er mit einer Nummer um die 40 fahren müssen. (DATENCENTER: Alle Weltcup-Ergebnisse 2010/11)

"Dem werde ich nachher noch ein Tragerl Bier ausgeben", sagte Keppler. Sportdirektor Maier allerdings betonte, dass der von ihm auch oft gescholtene "Keppes" in der Tat auch "sehr gut Ski gefahren ist".

Bislang hatte es Keppler im Weltcup zweimal nur auf einen achten Rang geschafft, das letzte Mal vor vier Jahren, ebenfalls beim Super-G in Gröden.

Sander lässt für Abfahrt hoffen

Gröden bleibt damit weiter ein gutes Pflaster für deutsche Ski-Rennläufer. Fast sechs Jahre zuvor, am 18. Dezember 2004, war Max Rauffer sensationell auf Platz eins in der Abfahrt von Gröden gefahren, es war der bislang letzte Sieg eines Deutschen in einer der beiden Speed-Disziplinen Abfahrt oder Super-G.

Und auch für die diesjährige Abfahrt am Samstag besteht aus deutscher Sicht die Hoffnung auf eine Überraschung:

Andreas Sander "Flachland-Tiroler" aus Ennepetal mit Wohnsitz Oberstdorf und

ehemaliger Junioren-Weltmeister im Super-G, hatte im Abschlusstraining am Donnerstag völlig überraschend Rang drei belegt.

Massenweise Keppler-kritische Mails

Dass Keppler das Potenzial hat, konstant zumindest unter die ersten 15 zu fahren, hatten seine jeweiligen Trainer schon immer berichtet.

In den ersten drei Speed-Rennen der Saison hatte er es nach zuletzt drei reichlich mageren Jahren immerhin jeweils unter die ersten 30 geschafft.

Das mag auch an einer höchst eigenwilligen Motivationsmethode liegen: Bei Olympia 2010 hatte Keppler die Männer-Strecke in Whistler spöttisch als geeignet für Frauen bezeichnet, der Deutsche Skiverband (DSV) erhielt daraufhin massenweise Keppler-kritische Mails.

"Die habe ich ihm einfach mal weitergeleitet", berichtete Maier.

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