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Maria Riesch gewann 2009 in Val d'Isere WM-Gold im Slalom © getty

Nach zwei Abfahrtssiegen kommt Maria Riesch in Val d'Isere nicht mal unter die Top 15. Stephan Keppler trumpft dagegen auf.

München - Oben kam sie überhaupt nicht in Fahrt, unten fuhr sie mit großer Verspätung in Ziel: Maria Riesch hat bei der Weltcup-Abfahrt im französischen Val d'Isere die erste deutliche Niederlage in dieser Saison hinnehmen müssen.

Nach ihren beiden Siegen in der Königsdisziplin im kanadischen Lake Louise blieb die Doppel-Olympiasiegerin im dritten Rennen auf Rang 24 weit hinter den Erwartungen zurück - und 2,28 Sekunden hinter der überlegenen Siegerin Lindsey Vonn aus den USA, die zuvor zweimal "nur" Rang zwei hinter der deutschen Rivalin belegt hatte (DATENCENTER: Alle Weltcup-Ergebnisse 2010/11).

"Das war schon ein kleiner Schock", sagte die ziemlich bedröppelt dreinblickende Partenkirchnerin.

Keppler prescht nach vorne

So war es erstaunlicherweise Stephan Keppler, der am Samstag für das beste Ergebnis der deutschen Ski-Rennläufer sorgte.

Einen Tag nach seinem überraschenden zweiten Platz beim Super-G auf der "Saslong" in Gröden fuhr der 27-Jährige beim nicht minder unerwarteten Abfahrtssieg des Schweizers Silvan Zurbriggen mit der hohen Startnummer 53 auf den hervorragenden zehnten Rang.

Stark waren auch die anderen Deutschen - trotz ebenfalls hoher Startnummern: Tobias Stechert erzielte mit Nummer 48 als 19. sein bestes Weltcup-Ergebnis, Andreas Sander (Ennepetal), der im letzten Training sensationall auf Rang drei vorgefahren war, holte mit Nummer 55 auf Rang 28 seine ersten Weltcup-Punkte.

Ratlose Riesch

Ein paar Weltcup-Punkte holte auch Maria Riesch - doch angesichts ihres gewaltigen Rückstandes auf die Spitze wirkte sie ein wenig ratlos.

Prompt kündigte sie an: "Ich muss wohl eine kleine Krisensitzung mit den Trainern einberufen." In den beiden Trainingsläufen auf der Piste "O.K." hatte Riesch immerhin Rang eins und Rang drei belegt. Doch als sie am Samstag bei klirrender Kälte und Sonnenschein auf die Strecke ging, war schnell klar: Das wird nicht ihr Tag.

Falscher Ski, falsche Einstellung - schon bei der ersten Zwischenzeit nach rund 33 Sekunden lag Maria Riesch 1,09 Sekunden hinter der vor ihr gestarteten Vonn zurück, im Ziel trennten sie Welten von der Rivalin. "Da bin ich ganz schön erschrocken", sagte Riesch.

Schwächen beim Material

Ein Grund für die Pleite: Mit Blick auf die kalten Temperaturen und eine weiche Piste, die über Nacht von bis zu 40 Zentimeter Neuschnee geräumt worden war, hatte Maria Rieschs sonst so zuverlässiger Servicemann Stefan Böhler bei der Auswahl des Materials ganz offenbar danebengelangt.

Die 26-Jährige nahm es gelassen: "Auch der Servicemann kann sich mal vergreifen." Außerdem, erklärte Riesch, müsse sie den Rückstand "schon auch auf die eigene Kappe nehmen". Sie sei, sagte sie, mit der weichen Piste nicht zurechtgekommen: "Das waren nicht gerade meine Verhältnisse. Ich hatte eine härtere Piste erwartet, ich mag es lieber, wenn es eisig ist."

Beste Deutsche war Gina Stechert aus Oberstdorf auf Rang 22, Isabelle Stiepel aus Mittenwald belegt Rang 41.

Gesamtführung schmilzt

Nach ihrer schlechtesten Platzierung in diesem WM-Winter hat Maria Riesch auch ihre bislang komfortable Führung im Gesamtweltcup beinahe verspielt.

Nach neun Wettbewerben liegt sie nun noch 52 Punkte vor Lindsey Vonn, die Konkurrenz freilich liegt schon jetzt so weit zurück, dass es wohl bis zum Saisonende beim Zweikampf zwischen den beiden Dauerrivalinnen bleiben wird.

Ihre Führung in der Abfahrtswertung hat Maria Riesch an Olympiasiegerin und Weltmeisterin Vonn in Val d'Isere erst mal verloren. Die Amerikanerin liegt nun 53 Punkte vor ihrer Freundin, bei der sie am Freitag wie üblich Weihnachten feiern wird.

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