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Felix Neureuther ist der Sohn der ehemaligen Skirennläuferin Rosi Mittermaier © getty

Der Parallelslalom begeistert die Zuschauer. Riesch hakt das frühe Aus schnell ab, Neureuther wünscht sich mehr solcher Rennen.

Aus München berichtet Andreas Kloo

München - "Das war eine volle Gaudi", jubilierte die Österreicherin Andrea Fischbacher nach dem Weltcup-Parallelslalom im Münchner Olympiapark 330690(DIASHOW: Die Bilder).

Das Flutlicht-Rennen vom Gipfel des Olympiabergs hinunter zum trockengelegten See wurde zur erwarteten großen Ski-Show.

Sieger Ivica Kostelic nahm bei seinem wilden Ritt den Olympiaberg hinunter gar ein halbes Tor mit, das sich in seinem Helm verfing.

Im Halbfinale hatte der Kroate Felix Neureuther besiegt. Der einzige deutsche Starter unterlag im Duell um Platz drei anschließend knapp dem Amerikaner Bode Miller (DATENCENTER: Alle Weltcup-Ergebnisse 2010/11).

"Grinsen aufs Gesicht"

Doch von Enttäsuchung war bei Felix Neureuther angesichts des knapp verpassten Podestplatzes nichts zu spüren. Zu viel Spaß hatte ihm das Rennen gemacht.

"Die Stimmung war genial, das war Gänsehaut-Feeling. Da kriegt man ein Grinsen aufs Gesicht", beschrieb der Slalom-Könner, wie die Atmosphäre der 25.000 Zuschauer auf ihn wirkte.

"Die Leute sind dichter dran und man ist am Start sonst auch weiter oben, dann ist das Ziel nicht so greifbar", erklärt der Garmisch-Partenkirchener die Unterschiede zu einem normalen Weltcup-Rennen.

Geringe sportliche Wertigkeit

Für seinen vierten Platz kassierte Neureuther ímmerhin 50 Weltcup-Punkte.

Doch angesichts der Kürze des Kurses fällt die reine sportliche Wertigkeit des Parallelslaloms geringer aus.

Die Fahrtzeit betrug 12 Sekunden, die Läufer brachten bei ihren Duellen eine Strecke von 200 Metern hinter sich.

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"Man kann das Rennen hier schwer mit einem Slalom oder Riesenslalom vergleichen", gibt Neureuther deshalb auch zu.

Schnelles Abhaken bei Riesch

Maria Riesch nutzt dieses Argument, um den für sie enttäuschenden Wettkampf schnell abzuhaken.

Bereits im Achtelfinale war die Doppel-Olympiasiegerin an der Italienerin Daniela Merighetti gescheitert

"Aber es ist doch schon was ganz anderes. Mit der WM kann man das Rennen hier nicht vergleichen", stellte die Doppel-Olympiasiegerin hinterher fest.

Positiver Eindruck überwiegt

Ein Knacks für Rieschs Selbstbewusstsein ist deshalb nicht zu erwarten. Mit zwei zweiten Plätzen am Semmering in Riesenslalom und Slalom hatte sie zuletzt ihre Favoritenstellung für die Heim-WM in Garmisch-Partenkirchen untermauert.

Auch bei Riesch überwog deshalb hinterher der positive Eindruck. "Das ist echt der Wahnsinn", zeigte sie sich im Zielraum von der Stimmung begeistert und fügte hinzu: "Das war ein tolles Erlebnis, auch wenn es für mich persönlich nicht so gut gelaufen ist."

Neureuther plädiert für Fortsetzung

Wenn es nach Neureuther geht, sollte ein derartiges City-Renen gar mehrmals pro Saison stattfinden. "Das ist mal was anderes, aber man sieht, dass so etwas gut ankommt bei den Leuten. Da müssen wir in der Zukunft dranbleiben."

Ähnlich sieht es auch seine erfolgreiche Mutter, Ski-Legende Rosi Mittermaier: "Nur in der Stadt kommt man doch an die Jugend ran", sagt die Doppel-Olympiasiegerin von 1976 zum Werbe-Wert der Veranstaltung bei SPORT1.

Der Ski-Weltverband FIS plant deshalb eine Etablierung solcher Stadtrennen. Der Veranstaltungsort München ist bis 2014 fest im Weltcup-Kalender verankert. Mit Toronto und New York sind weitere Großstädte als Schauplatz angedacht.

Werbe-Botschaft für Olympia

Beim Parallelslalom in München ging es allerdings um mehr als nur um eine neue Werbeplattform für den Alpinen Rennsport. München wollte mit dem Rennen vor allem im Bewerbungskampf um die Olympischen Winterspiele 2018 punkten.

Als "entscheidende Visitenkarte" bezeichnete DSV-Präsident Alfons Hörmann schon vorab die Veranstaltung.

Die "emotionalen Bilder, die um die Welt gingen" sind für Katarina Witt, Vorsitzende des Kuratoriums München 2018 und Olympia-Botschafterin Nummer eins, nun ein entscheidender Vorteil gegenüber den Konkurrenten Pyeongchang und Annecy.

"Man hat heute wieder gesehen, wenn München was macht, dann passt das", brachte es Neureuther auf den Punkt.

Bauern-Protest heruntergespielt

Für Misstöne war bei so viel Gänsehaut-Atmosphäre dann kein Platz.

Dabei stellen weiterhin Garmischer Bauern, die ihre Grundstücke nicht für Olympia zur Verfügung stellen wollen, ein Problem für die Bewerbung dar. Doch Hörmann und der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude spielten die Proteste der Bauern herunter.

Laut Hörmann handle es sich nicht um 59 Landwirte, sondern lediglich eine Handvoll Grundbesitzer. Ude warf den Bauern und deren Anwalt vor, lediglich ein "öffentliches Spektakel" inszenieren zu wollen.

Dabei fand das wahre Spektakel doch im Münchner Olympiapark statt.

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