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Königin des Slaloms: Marlies Schild wurde in 41 Rennen 22 Mal Erste © imago

Im Slalom ist Maria Riesch im Moment nur die Nr. 2 hinter Abo-Siegerin Marlies Schild. Gut für den Weltcup, schlecht für die WM.

Zagreb - Nein, sagte Maria Riesch doch leicht erregt, "die Schild ist nicht unschlagbar."

Und nein, ergänzte Maria Riesch, "es stimmt auch nicht, wenn einer sagt, dass die Schild in einer eigenen Liga fährt."

Doch der Eindruck, dem Maria Riesch am Dienstagabend am nebelverhangenen Bärenberg nahe der kroatischen Hauptstadt Zagreb energisch widersprach, drängt sich auf: Die deutsche Doppel-Olympiasiegerin führt derzeit souverän im Gesamtweltcup - doch "die Schild", Marlies Schild aus Österreich, ist dafür im Slalom eine Klasse für sich, und Maria Riesch dort nur die Nummer zwei.

Immerhin 0,75 Sekunden betrug der Rückstand von Maria Riesch auf Marlies Schild in Zagreb. Das ist viel im alpinen Rennsport. (DATENCENTER: Alle Weltcup-Ergebnisse 2010/11)

Fünfter Saisonsieg

Es war der fünfte Slalom dieser Saison und der vierte, den Marlies Schild gewann - zum dritten Mal vor Maria Riesch. Und ein Ende ist nicht abzusehen.

Marlies Schild, 29 Jahre alt, steht für Konstanz, genauer: für Siege in Serie. Die Österreicherin gewinnt jeden zweiten Slalom, bei dem sie das Ziel erreicht - bei den vergangenen 41 Rennen, die sie beendete, belegte sie 22-mal Platz eins. "Sie kann sich nur selbst schlagen", behauptet der österreichische Cheftrainer Herbert Mandl.

186 Punkte Vorsprung

Nicht, dass Maria Riesch unzufrieden wäre mit einem zweiten Platz. Klar, sagte sie in Zagreb, "gewinnen macht mehr Spaß".

Aber für sie sei jeder Platz auf dem Siegertreppchen ein "Big Point", versichert die Partenkirchnerin, ein "Big Point" im Kampf um den Gesamtweltcup. Diese Wertung führt sie nun mit 186 Punkten Vorsprung auf Lindsey Vonn an - die Amerikanerin hat die "große Kugel" in den vergangenen drei Jahren gewonnen.

Und Maria Riesch gelingen in der Tat regelmäßig "Big Points". Ihre Bilanz in diesem Winter: 15 Wettbewerbe, zwei Siege, sechsmal Zweite. Gut für den Gewinn des Gesamtweltcups.

Rieschs Domäne

Für die WM in Garmisch-Partenkirchen in knapp fünf Wochen (7. bis 20. Februar) verheißen die Leistungen von Marlies Schild allerdings nichts Gutes für Maria Riesch - zumindest was die Aussichten auf Gold angeht.

Maria Riesch wurde 2009 Weltmeisterin im Slalom - in Abwesenheit der wenige Monate zuvor schwer verletzten Österreicherin. Bei Olympia 2010 war Marlies Schild wieder dabei, noch nicht wieder in Topform, aber wenigstens schon Zweite im Slalom hinter der deutschen Doppel-Olympiasiegerin. Nun ist sie für "GAP 2011" die große Favoritin auf Gold in Maria Rieschs bislang größter Domäne.

Schwerer Unfall 2008

Und weiteres "Ungemach" droht: In Vancouver wurde Maria Riesch auch Olympiasiegerin in der Kombination, und eben in dieser Disziplin will Mandl seine Slalom-Königin nun auch wieder einsetzen.

Der Unfall im Oktober 2008, bei dem sich Marlies Schild einen Trümmerbruch des Schien- und Wadenbeins und noch viel mehr zuzog, habe "nichts an ihrer Begeisterung für das schnelle Skifahren geändert", sagt der Cheftrainer und stellt klar: "Sie kann das."

Heißt: Marlies Schild wäre auch eine gute Abfahrerin. Vor ihrer Verletzung stand sie bei acht Super-Kombinationen fünfmal auf dem Siegertreppchen.

Spezialistinnen im Vorteil

Maria Riesch steckt in einer Zwickmühle.

Im Gegensatz zu den meisten ihrer Konkurrentinnen fährt sie alle Disziplinen - und sie fährt in alle Disziplinen konstant vorne mit, von den unvermeidlichen Durchhängern mal abgesehen. Das ist gut für das Wettrennen um den Gesamtweltcup - die Konzentration auf einzelne Disziplinen fällt dafür umso schwerer.

Bei der WM wären die Spezialistinnen im Vorteil. Maria Riesch ficht das nicht an. "Ich versuche, die WM in Garmisch als Genuss zu sehen", sagte sie in Zagreb. Und nein, unschlagbar sei Marlies Schild wirklich nicht.

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