vergrößernverkleinern
Maria Riesch liegt im Slalom-Weltcup in Führung - 20 Punkte vor Tanja Poutiainen © getty

Nach Sieg von Flachau lässt Maria Riesch den Gefühlen freien Lauf und ist gerne die Gejagte. Schild erhält einen Denkzettel.

Flachau - Für "einen meiner schönsten Siege" durfte sich Maria Riesch mit dem Titel "Schneeprinzessin" schmücken.

Diese Ehre wird der Gewinnerin des Weltcup-Slaloms von Flachau zuteil. An diesem Abend unter gleißendem Flutlicht aber war Maria in Wahrheit die "Königin der Nacht". (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

Erster Saisonsieg in ihrer besten Disziplin nach zuvor vier zweiten Plätzen, die Führung im Gesamtweltcup auf 196 Punkte ausgebaut und die Führung im Slalom-Weltcup übernommen - besser hätte es für die Doppel-Olympiasiegerin nicht laufen können.

Kusshändchen fürs Publikum

Und selten brachen die Emotionen so unvermittelt aus ihr heraus wie nach diesem einen Rennen. "Ich habe nicht mehr damit gerechnet", sagte Maria Riesch über den dritten Sieg in dieser Saison und den 17. insgesamt im Weltcup.

Kein Wunder: Ihr selbst war nach Rang drei im ersten Durchgang, in dem sie nach einem Patzer fast schon ausgeschieden war, ein fantastischer Finallauf gelungen.

Die Partenkirchnerin wusste umgehend, was ihr da gelungen war, stieß die Fäuste in den Himmel, warf Kusshändchen ins Publikum, fiel ihrem Verlobten Marcus Höfl um den Hals - aber noch stand Tanja Poutiainen am Start.

Poutiainen vertändelt Vorsprung

Kurz vor dem Ziel lag die Finnin sogar eine halbe Sekunde vorne - im Ziel aber herrschte dann Gleichstand. (DATENCENTER: Alle Weltcup-Ergebnisse 2010/11)

Dass sie den Sieg mit Tanja Poutiainen teilen musste, konnte Maria Riesch die Freude wahrlich nicht verderben, zumal der Erfolg an diesem Abend eine besondere Bedeutung in einer bislang ausgesprochen erfolgreichen WM-Saison für sie besaß.

"Es ist immer schön zu gewinnen, aber diesmal war es schon etwas Besonderes, weil ich jetzt schon viermal Zweite war", sagte sie.

Denkzettel für Schild

Im Slalom ist Maria Riesch Weltmeisterin, Olympiasiegerin und Weltcup-Gewinnerin - doch von den bislang fünf Saisonrennen in dieser Disziplin hatte sie keines gewonnen. Marlies Schild aus Österreich dagegen stand viermal auf Platz eins.

In Flachau schied Marlies Schild nach Rang elf im ersten Lauf im zweiten aus, zum Entsetzen der österreichischen Zuschauer unter den 15.000 Besuchern sowie der österreichischen Ski-Ikone Hermann Maier an der nach ihm benannten Piste.

"Sie ist nicht unschlagbar", hatte Maria Riesch zuvor betont. Nun hat sie der Österreicherin in der Tat die Führung im Slalom-Weltcup entrissen, 20 Punkte Vorsprung herausgefahren und den Beweis angetreten, dass sie bei der WM in Garmisch-Partenkirchen (7. bis 20. Februar) ihren WM-Titel im Slalom nicht so einfach an eine Seriensiegerin abgeben wird.

Gejagte fühlt sich pudelwohl

Die Genugtuung war Maria Riesch anzumerken. "Jetzt habe ich endlich wieder das Rote Trikot", sagte sie über das entsprechend gefärbte Leibchen, das die Weltcup-Führende trägt.

Führung im Slalom-Weltcup, Führung im Gesamtweltcup vor der in Flachau abermals ausgeschiedenen Lindsey Vonn (USA) - Maria Riesch fühlte sich wohl in ihrer Haut. "Jetzt bin ich mal wieder die Gejagte und nicht mehr die Jägerin, aber damit kann ich umgehen", sagte sie.

Das Vertrauen in das eigene Können ist sehr groß, auch wenn die 26-Jährige nicht müde wird, darauf hinzuweisen: "Zählen tut es erst am Saisonende."

Terminhatz kommt Riesch gelegen

Erstmal geht die Hatz im Weltcup unvermittelt weiter, was Maria Riesch gerade nicht stört. "Das kommt mir im Moment ganz gelegen", sagte sie.

In der Nacht auf Mittwoch fuhr sie mit Höfl nach Hause, für Mittwochabend war dann schon die Rückreise auf die nahe Flachau gelegene Reiteralm geplant, wo am Donnerstag Riesenslalom trainiert werden soll.

Am Samstag und Sonntag folgen im slowenischen Maribor dann ein Riesenslalom und ein Slalom, auf einem Hang, auf dem Maria Riesch schon immer gut fuhr.

Und so sagte sie auch: "Ich freue mich schon sehr auf dieses Wochenende." Die Schnee-Königin hat Spaß am Regieren.

Punkte für sechs Deutsche

Nur der deutsche Alpin-Direktor Wolfgang Maier hat derzeit ein bisschen Sorge. "Hinter der Maria reißt es ab", sagte er.

Nach dem Ausfall von Maria Rieschs Schwester Susanne und Christina Geiger (Oberstdorf) war Nina Perner (Karlsruhe) zweitbeste Deutsche auf Rang zwölf - sie sicherte sich damit die halbe WM-Norm.

Außer Maria Riesch aber scheint derzeit keine Deutsche in der Lage zu sein, wenigstens in die Top Ten zu fahren. Katharina Dürr (Germering), Fanny Chmelar (Partenkirchen), Kathrin Hölzl (Bischofswiesen) und Barbara Wirth (Lenggries) holten auf den Rängen 13, 15, 16 und 23 immerhin Weltcuppunkte.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel