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Stephan Keppler stürzte bei der Abfahrt in Wengen im Kernen-S schwer © imago

Die vorsichtige Hoffnung wird enttäuscht: Stephan Kepplers Sturzfolgen von Wengen machen einen WM-Start unmöglich.

Wengen - Der Saisonhöhepunkt Heim-WM ist für Stephan Keppler gelaufen.

Nach einer Untersuchung in München in einem Kernspintomographen erhielt der derzeit beste deutsche Abfahrer die niederschmetternde Nachricht: Die Titelkämpfe in Garmisch-Partenkirchen finden ohne ihn statt.

"Das ist natürlich der Mega-GAU, so kurz vor der WM", sagte der 27-Jährige.

Keppler hatte sich am Samstag bei seinem schweren Sturz bei der 81. Lauberhorn-Abfahrt einen Abriss des Innenbandes im rechten Knie, einen Syndesmoseabriss im linken Knöchel sowie Schnitt- und Schürfwunden im Gesicht zugezogen. (DATENCENTER: Alle Weltcup-Ergebnisse 2010/11).

Operation in München

Zudem verlor er im "Kernen-S" einen Zahn. Er wird in den nächsten Tagen in München operiert und kann frühestens in fünf Wochen wieder trainieren. Drei Wochen vor Beginn der WM (7. bis 20. Februar) ist Kepplers Verletzung ein schwerer Schlag für den Deutschen Skiverband (DSV).

Der Ebinger hatte sich auf der Kandahar Medaillenchancen ausgerechnet. "Das ist echt extrem bitter", sagte Slalom-Fahrer Felix Neureuther über das Pech seines Kollegen.

Alpindirektor Wolfgang Maier meinte: "Wir stehen mal wieder vor dem klassischen Trümmerhaufen in der Abfahrt." Klassisch deshalb, weil aus DSV-Sicht in der Königsdisziplin bei den Männern seit Jahren nur noch wenig geht.

Schwerer Stuz im Kernen-S

Cheftrainer Charly Waibel sagte zwar, der verunglückte "Keppes" sei "ein harter Hund und definitiv nicht wehleidig". Doch wer den Sturz im Kernen-S mit ansehen musste, muss an einer schnellen Rückkehr des 27-Jährigen zweifeln - auch wenn Keppler sagte: "Vielleicht geht sich das Weltcup-Finale noch aus." Das wäre dann Mitte März.

Nicht nur den 35.000 Schweizern an der Strecke stockte der Atem, als Keppler in der einst Brüggli-S genannten Passage mit Tempo 80 in die Luftkissen knallte. Beim Aufprall lösten sich beide Skier, Keppler schlitterte den Hang hinab und blieb zunächst benommen liegen. Streckenposten eilten zu ihm.

Auch Järbyn stürzt

Bald konnte er sich aber aufsetzen und seinen heftig durchgeschüttelten Kopf mit eigener Kraft halten. Hoffnung keimte auf, es möge nicht so schlimm sein - doch die zerstob spätestens am Sonntagnachmittag in München.

In Wengen stürzte auch der Schwede Patrik Järbyn schwer. Der mit 41 Jahren älteste Rennläufer im Weltcup-Zirkus wurde an der "Minsch-Kante" ausgehoben, und schlug mit dem Kopf auf der Piste auf. Nach einem Überschlag knallte Järbyn in den Fangzaun.

Kröll-Sieg als Randnotiz

Seine Frau und seine beiden drei und fünf Jahre alten Kinder verfolgten den Crash vom Zielraum aus und sahen erleichtert, wie Järbyn bald wieder stand. Er erlitt wohl "nur" eine Gehirnerschütterung.

Dass Klaus Kröll die mit 4430 Metern längste Abfahrt des Weltcups vor den Schweizern Didier Cuche (0,14 Sekunden zurück) und Carlo Janka (0,39) gewann, geriet angesichts der Schreckensbilder fast zur Randnotiz.

Kein Happy End

Kröll durchfuhr das "Kernen-S" als einziger Abfahrer auf der Ideallinie und sprach hernach von einer "geilen Fahrt". Die Schlüsselstelle wurde übrigens nach dem Schweizer Bruno Kernen benannt. Der war dort 1997 böse gestürzt - und wurde drei Wochen später Weltmeister.

Keppler bleibt ein solches Happy End verwehrt.

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