Stephan Kepplers WM-Aus bedeutet ein Fiasko für den DSV. Keppler trifft wenig Schuld, die Fehler wurden vor langer Zeit gemacht.

Das Bild, als Stephan Keppler in die Streckenbegrenzung krachte, war bezeichnend. Symbolisch für die nicht enden wollende Krise der deutschen Abfahrer.

Stephan Keppler hatte mit drei Top-Ten-Plätzen in dieser Saison die Hoffnung geweckt, den DSV endlich aus seinem Dauertief in den Speed-Disziplinen zu holen.

Doch die Hoffnung zerstob im Kernen-S der Lauberhorn-Abfahrt, als Keppler mit Tempo 80 in die Absperrung krachte.

"Wir stehen mal wieder vor dem klassischen Trümmerhaufen in der Abfahrt", musste DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier nach dem WM-Aus für Keppler eingestehen.

In der Tat hatten die deutschen Abfahrer in den letzten Jahrzehnten wenig zu feiern.

Magere zwei Weltcup-Siege in den letzten 20 Jahren stehen zu Buche, dazu noch die WM-Bronzemedaille von Florian Eckert 2001 in St. Anton.

Und natürlich spielte auch das Verletzungspech bei der Misere eine große Rolle. Eckert beispielsweise musste seine Karriere wegen fortwährender Knieprobleme bereits im Alter von 26 Jahren beenden.

Nachwuchshoffnung Andreas Strodl zog sich im November einen Kreuzbandriss zu. Die gleiche Verletzung hatte Keppler 2008 außer Gefecht gesetzt. So wurde und wird der DSV bei seinen mühsamen Aufbauversuchen ein ums andere Mal zurückgeworfen.

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Kepplers Sturz in Wengen zeigt aber auch, woran es bei den deutschen Abfahrern (noch) hapert. Im Vergleich zur Weltelite ist ein Unterschied beim technischen Können nicht zu übersehen.

Das gefürchtete Kernen-S, ehemals Brüggli-S, ist eine Art Nadelöhr, durch das sich die Abfahrer bei dem Klassiker hindurchzwängen müssen.

Die Fahrer bremsen von 120 km/h auf Tempo 80 herunter und müssen auf engstem Raum den Schwung ansetzen. Dabei ist auch perfektes Timing gefragt. Wer den Schwung zu spät ansetzt, kracht in die Bande.

Die Spitzenfahrer aus Österreich und der Schweiz kamen unfallfrei durch das Nadelöhr.

Keppler dagegen fuhr zu schnell an die Schlüsselstelle und setzte obendrein den Schwung zu spät an. Das konnte nicht gutgehen.

Es passt zu der neuen Linie, die sich Keppler für diese Saison vorgenommen hatte. Seine fehlenden technischen Stärken wollte er in diesem Winter mit gesteigertem Wagemut ausgleichen.

Zunächst schien sich die Mut-Taktik auszuzahlen. Keppler machte einen Schritt nach vorne, hoffte sogar auf eine Medaille bei der Heim-WM in Garmisch-Partenkirchen.

Doch in Wengen hatte Kepplers erhöhte Risikobereitschaft böse Folgen.

Dabei ist ihm eigentlich kein Vorwurf zu machen. Er hatte in dieser Saison schlichtweg alles auf eine Karte gesetzt. Die Chance auf eine WM-Medaille im eigenen Land bekommt man meist nur einmal im Leben.

Die Ursachen für Kepplers mangelnde technischen Fertigkeiten liegen in der vernachlässigten Nachwuchsarbeit vor zehn bis fünfzehn Jahren.

In anderen Ländern, beispielsweise in Österreich, wurde mit den Nachwuchsfahrern viel intensiver an der Technik gefeilt.

Der DSV wird nun bei der Heim-WM die Zeche dafür bezahlen. Die deutschen Fans erleben wie schon in den vergangenen Jahren bei den Herren allenfalls eine One-Man-Show durch Felix Neureuther, der jetzt eine Riesen-Last auf seinen Schultern trägt.

Keppler selbst spricht zurecht von einem Mega-Gau. Ein Mega-Gau mit Ansage.

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