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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Hans Grugger gewann in seiner Karriere bislang vier Weltcup-Rennen © getty

Hans Grugger stürzt beim Training in Kitzbühel und wird mit schweren Kopfverletzungen abtransportiert. Es gibt aber Hoffnung.

Kitzbühel - Die "Streif" in Kitzbühel ist ihrem zweifelhaften Ruf als gefährlichste Ski-Rennstrecke der Welt zum wiederholten Male gerecht geworden.

Beim ersten und zugleich einzigen Trainingslauf für die Weltcup-Abfahrt am Samstag stürzte der österreichische Routinier Hans Grugger am Donnerstag auf der eisigen und ruppigen Piste schwer.

Er wurde mit einem Rettungshubschrauber in die Universitäts-Klinik nach Innsbruck geflogen.

Dort stellte der Leitende Unfallchirurg Professor Michael Blauth schwere Kopfverletzungen bei Grugger fest. Der Weltcup-Routinier wurde von einem Ärzteteam der Neurochirurgie umgehend operiert.

Dabei wurde ihm, wie in solchen Fällen üblich, der Schädel geöffnet, sagte der österreichische Mannschaftsarzt Herbert Resch. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

Operation gut verlaufen

Der Eingriff sei gut verlaufen, wie der Österreichische Skiverband (ÖSV) noch am Abend mitteilte.

Dabei beriefen sich die ÖSV-Verantwortlichen auf die Einschätzung des behandelnden Ärzteteams.

Nach der Operation wurde Grugger auf die neurochirurgische Intensivstation der Klinik in Innsbruck verlegt. Dort soll er die Nacht verbringen.

[kaltura id="0_54jocxry" class="full_size" title="Streif Gruggers Horrorsturz"]

Renndirektor: "Entsetzlicher Sturz"

"Er hat ein Schädel-Hirn-Trauma, Brustverletzungen und war nicht ansprechbar", hatte Markus Aichner, Sprecher des Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV), bereits an der Strecke berichtet.

Nach der Einlieferung in Innsbruck stellte der Leitende Unfallchirurg Professor Michael Blauth schwere Kopfverletzungen fest. "Es war ein entsetzlicher Sturz", sagte Günter Hujara, Renndirektor des Ski-Weltverbandes FIS.

"Ich hab den Sturz gesehen - es war extrem schlimm zum Anschauen. Wenn du so etwas siehst, denkst dir schon: Soll ich mir das antun", sagte der Österreicher Michael Walchhofer, Führender im Abfahrtsweltcup.

Verunglückte Landung in der "Mausefalle"

Der 29 Jahre alte Grugger, Gewinner von vier Weltcup-Abfahrten, war mit der Startnummer fünf auf die berühmt-berüchtigte Strecke gegangen. (DATENCENTER: Alle Weltcup-Ergebnisse 2010/11)

Schon kurz nach dem Start verlor er nach der ersten Linkskurve beim Sprung in die "Mausefalle" die Kontrolle über seinen Körper. Beim Aufprall flog seine Brille davon, danach schlug sein Kopf ein weiteres Mal auf die harte Piste. "Er war sofort bewusstlos", teilte Aichner mit.

Nach dem Sturz rutschte Grugger nahezu ungebremst den steilen Hang hinunter und blieb dann regungslos liegen. Sofort eilten Rettungskräfte zu ihm, im Zielraum stieg der Hubschrauber auf.

Helm bietet nicht genügend Schutz

ÖSV-Arzt Resch, der umgehend am Unfallort eintraf, zeigte sich verwundert, dass Grugger vor seinen Verletzungen nicht durch seinen Helm geschützt wurde.

"Wir kennen sonst kaum Schädel-Hirntrauma-Verletzungen bei Skifahrern, wenn sie einen Helm tragen, aber es ist passiert. So muss man sich vielleicht fragen, ob die Helme ausreichend sind, oder ob es Schicksal war", sagte er. "Es gibt physikalische Grenzen", sagte Hujara über die Schutzwirkung von Helmen.

Grugger hatte die Anfahrt auf den Sprung in die Mausefalle offensichtlich falsch eingeschätzt. "So eine Stelle verzeiht keinen Fehler", betonte Hujara.

Keine Änderungen an "Mausefalle" geplant

"Der Sprung ist extrem gefährlich und weit, wenn man mit dem Schwung vorher nicht fertig ist, wird es gleich gefährlich", sagte Gruggers Landsmann Georg Streitberger, der drei Nummern zuvor als Zweiter gestartet war.

Bei der Anfahrt auf die "Mausefalle" haben die Läufer nur wenig Platz und Zeit, um sich auf den Sprung vorzubereiten.

Eine Entschärfung der Stelle ist nach Angaben des sichtlich betroffenen Hujara nicht vorgesehen: "Es wird keine Änderungen geben."

Erinnerungen an Albrecht

Nach dem Sturz herrschte zunächst gespenstische Ruhe an der Strecke und im Zielraum. Erinnerungen wurden wach an den furchterregenden Sturz der Schweizers Daniel Albrecht, der vor zwei Jahren in Kitzbühel am Zielsprung verunglückte. Er lag anschließend drei Wochen im künstlichen Koma.

Albrecht ist mittlerweile in den alpinen Weltcup zurückgekehrt, besichtigte die Strecke sogar am Morgen mit den anderen Rennläufern, wird aber bei den Rennen von Freitag bis Sonntag (Super-G, Abfahrt, Slalom) nicht an den Start gehen.

"Der schwere Unfall von Hans Grugger hat mich tief getroffen", sagte er.

"Ich bin froh, im Ziel zu sein"

Als das Training auf der "Streif" wieder aufgenommen wurde, hielten sich viele der nachfolgenden Athleten bei ihrer Fahrt erkennbar zurück - weitere Stürze gab es nicht.

"Ich hatte Angst", sagte allerdings der Österreicher Mario Scheiber, der Gruggers Sturz am Start auf einem Bildschirm verfolgt hatte, "ich bin froh, im Ziel zu sein." Scheiber, vor drei Jahren schon mal Dritter auf der "Streif", stellte zudem fest:

"Diese brutale Strecke ist noch um einiges schwieriger als in den vergangenen Jahren." Nach tagelangem Tauwetter, Schneefall in der Nacht zuvor und einem Temperatursturz war die Strecke ein eisiges Waschbrett.

Deutsche Starter abgeschlagen

Schnellster im einzigen Trainingslauf, der zwischenzeitlich von leichtem Schneefall beeinträchtigt wurde, war Didier Cuche. Der Vorjahresieger aus der Schweiz lag 0,37 Sekunden vor Christof Innerhofer aus Südtirol, Streitberger belegte Rang drei (1,18 Sekunden zurück).

"In Kitzbühel muss man immer wieder bei Null anfangen, man muss erst den Berg bezwingen und dann im Ziel schauen, was für eine Zeit rauskommt", sagte Cuche. Auch er sagte: "Ich bin froh, im Ziel zu sein."

Die deutschen Starter Andreas Sander (6,62) und Tobias Stechert (7,46) kamen auf die Ränge 47 und 54.

Der beste DSV-Speedfahrer Stephan Keppler hatte sich am vergangenen Samstag im schweizerischen Wengen bei einem Sturz Bänderrisse im rechten Knie und im linken Sprunggelenk zugezogen. Er fällt für die WM in Garmisch (7. bis 20. Februar) aus.

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