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Rosi Mittermaier (l.) ist seit 1980 mit Christian Neureuther verheiratet © imago

Ski-Legende Rosi Mittermaier spricht im Interview über die WM-Chancen ihres Sohnes Felix und nennt ihr Erfolgsgeheimnis.

Von Andreas Kloo

München - Nur noch fünf Tage sind es bis zur Alpinen Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen. Nur wenige fiebern den Titelkämpfen so entgegen wie Ski-Legende Rosi Mittermaier.

Die Doppel-Olympiasiegerin von 1976 lebt mit ihrem Mann, Christian Neureuther in Garmisch und war an der Organisation der WM maßgeblich beteiligt. Unter anderem entwickelte sie die Idee für die beiden Maskottchen "Ga" und "Pa".

Noch dazu gehört ihr Sohn, Felix Neureuther, im Slalom zu den heißen Medaillenkandidaten. Die WM-Generalprobe auf dem Gudiberg im Vorjahr entschied Neureuther für sich.

Seine Mutter bewertet seine Chancen allerdings vorsichtig: "Beim Slalom ist es auch immer ein bisschen Glücksache".(DATENCENTER: Alle Weltcup-Ergebnisse 2010/11)

Für ihre Nachfolgerin als Doppel-Olympiasiegerin, Maria Riesch, hat Mittermaier im SPORT1-Interview aber ein Erfolgsgeheimnis parat.

Außerdem spricht die 60-Jährige über ihr Engagement für Olympia 2018 und den Ärger mit einigen Grundstücksbesitzern in Garmisch.

SPORT1: Was trauen Sie dem Felix bei der WM zu? Fürchten Sie, dass der Druck bei der Heim-WM auf ihn vielleicht zu groß wird?

Mittermaier: Der Druck ist sicher groß. Ich hoffe, dass er damit umgehen kann.

SPORT1: Sein Sieg bei der Generalprobe im letzten Jahr kann man allerdings als gutes Omen werten, oder?

Mittermaier: Er hat schon das Potenzial, bei der WM gut zu fahren. Aber beim Slalom ist es auch immer ein bisschen Glücksache. Fährst du schnell, kannst du auch schnell draußen sein.

SPORT1: Und wie sehen Sie seine Chancen im Riesenslalom?

Mittermaier: Die sind nicht schlecht. Da ist er in dieser Saison schon ganz gut gefahren. In dieser Disziplin hat sich die Lage bei den Herren ja verbessert. Im letzten Jahr hatte Deutschland nur einen Startplatz, mittlerweile sind es immerhin schon zwei. Aber bei den Herren ist Deutschland immer noch fast eine exotische Nation.

SPORT1: Wesentlich besser sieht es bei den Damen aus. Was trauen Sie denen zu, insbesondere der Garmischerin Maria Riesch?

Mittermaier: Den Mädchen traue ich viel zu, die sind top.

SPORT1: Also eine Goldmedaille sollte ihrer Meinung nach drin sein?

Mittermaier: Ich tue mich schwer mit Prognosen. Aber man muss positiv denken. Man muss an die Goldmedaille denken. Maria hat auf jeden Fall das Potenzial, dass sie überall zuschlägt. Dann haben wir noch die Rebensburg, Hölzl und die ganzen anderen Slalom-Mädels.

SPORT1: Die Ski-WM findet praktisch vor Ihrer Haustüre statt. Wie gespannt sind Sie denn?

Mittermaier: Bisher läuft alles prima. Die Pisten sind fertig. Durch den Schnee sieht alles ganz gut aus.

SPORT1: Lange gab es allerdings Probleme mit einem Grundstücksbesitzer, der eine Wiese für den Zielbereich nicht freigeben wollte. Hat das nicht die Vorfreude auf die WM getrübt? (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

Mittermaier: Ja, es war äußerst peinlich und schädlich für das Ansehen von Garmisch-Partenkirchen. Es tut uns auch sehr leid, weil wir überall darauf angesprochen wurden. Es ist ja nicht so, dass die Garmischer gegen die WM und gegen Olympia sind. Ganz im Gegenteil.

SPORT1: Können Sie denn allgemein die Einwände gegen Ski-WM und Olympia 2018 in Garmisch nachvollziehen?

Mittermaier: Man muss zwar nicht immer der gleichen Meinung sein, aber man muss tolerant bleiben - leben und leben lassen. Klar verstehe ich, wenn nicht jeder Mensch sich für Sport begeistert. Aber selbst dann sollte man den Sport nicht verbieten. Der Anwalt des Grundstückbesitzers hat krass gehandelt. Klar, er macht auch nur seinen Job. Aber es geht zu weit, wenn ein Anwalt einen Brief an Jacques Rogge schreibt. Das ist nicht seine Aufgabe.

SPORT1: Sind die Konflikte auch zurückzuführen auf Fehler im Rahmen der Olympia-Bewerbung?

Mittermaier: Ja, am Anfang ist man mit der Situation schwierig umgegangen. Aber ich hoffe, dass nun alle ein Einsehen haben. Denn jeder muss etwas zur Allgemeinheit dazutun. Wenn keiner etwas dazugibt, funktioniert gar nichts. Wenn jeder nur egoistisch handelt, dann geht es nicht. Wir bringen uns ja auch ein. Die Olympia-Gegner haben auch alle Kinder und Jugendliche um sich. Ich verstehe nicht, warum sie nicht an die nächste Generation denken.

SPORT1: Und worum geht es Ihnen?

Mittermaier: Es geht uns einfach nur um den Sport und um die Werte, die der Sport vermittelt und das, was Olympia ist. Es ist einfach das größte und friedlichste Fest auf der Welt. Es beinhaltet nicht nur den Rennsport, sondern auch das Umfeld. Alles, was Olympia bietet an Kultur, an Kunst, an Musik, ist Wahnsinn. Aber jemand, der das noch nie erlebt hat, kann das leider nicht nachvollziehen. Aus der Presse liest man meistens nur von Zahlen, Medaillen und Erfolgen. Aber dieser Spirit ist nur schwer an jemanden zu vermitteln, der das noch nie erlebt hat.

SPORT1: Wie ist denn sonst die Stimmung in Garmisch?

Mittermaier: Die ist eigentlich ganz positiv. Die Garmischer sind ja sportbegeisterte Menschen. Wir haben sogar einen Verein gegründet "OlympiJA", in dem zum Beispiel mein Mann, Heinz Mohr (früherer Alpin-Trainer des DSV, Anm. d. Red.) und Franz Reindl (Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes, Anm. d. Red.) tätig sind. Außerdem sind ganz viele Firmen in kürzester Zeit beigetreten. Die Politik halten wir allerdings bewusst heraus. Politiker sehen nicht die Sache an sich, sondern eben nur die politische Konstellation.

SPORT1: Wie aktiv werden Sie bei der WM sein? Sind sie jeden Tag vor Ort?

Mittermaier: Ja, ich werde jeden Tag aktiv sein. Das sind wir, mein Mann und ich, schon von Beginn an. Christian ist ehrenamtlich im Präsidium tätig und ich bin als Botschafterin immer und überall vor Ort.

SPORT1: Das klingt nach viel Arbeit. Sind Sie dann froh, wenn es bald vorbei ist?

Mittermaier: Nein, überhaupt nicht. Es macht ja Spaß. Es ist schön, wenn man sich für etwas einsetzen kann, in das man Herzblut steckt. Und aus diesem Grund ist das eine schöne Aufgabe. Da ist dann auch nichts zu viel. Obwohl ich manchmal schimpfe, dass man ständig nur unterwegs ist, aber das ist normal. Aber wenn dann alles glücklich abläuft, dass vor allen Dingen auch den Sportlern nichts passiert und Harmonie herrscht, ist es das wert.

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