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Ivica Kostelic gewann in Vancouver Silber im Slalom und der Super-Kombination © getty

Ivica Kostelic dominiert derzeit den Ski-Weltcup. In Top-Form geht er in die WM. Seine Erfolgsserie begründet er mit München.

Von Rainer Nachtwey

München - Ivica Kostelic kann vieles gut, sehr gut sogar.

Zum Beispiel kann er gut Boden turnen. Einen Rückwärtssalto. Aus dem Stand.

Denn wenn Ivica Kostelic gut Skigefahren ist, dann bejubelt er seine Leistung manchmal mit einem Rückwärtssalto.

Wie in Chamonix, als er in der Superkombination seinen siebten Saisonsieg feierte.

Vorgefahren ist er, von Platz 24 in der Abfahrt auf 1 nach dem Kombi-Slalom. "Abfahrt war nicht gut", sagt Kostelic. "Aber Salto war gut."

Sieben Siege im Januar

Ivica Kostelic ist derzeit das Maß der Dinge im Ski-Weltcup.

Im Jänner, wie es der Kroate in seinem österreichischen Deutsch so schön ausdrückt, im Jänner muss er voll da sein, denn der Jänner ist der wichtigste Monat im Ski-Weltcup.

Und im Jänner fuhr Kostelic der Konkurrenz um die Ohren. 14 Starts, 7 Siege, 999 Punkte für den Gesamtweltcup, den er nun mit über 500 Punkten Vorsprung auf den Schweizer Didier Cuche anführt. (DATENCENTER: Alle Weltcup-Ergebnisse 2010/11)

Cuche gibt sich geschlagen

Die Konkurrenz hat im Wettbewerb um den Gesamtsieg bereits aufgegeben.

Ob Kostelic im Gesamtweltcup noch einzuholen sei, wurde Cuche gefragt. "Glaube ich nicht, nein. Also nicht von mir", meint der Schweizer.

1197 Punkte bei sechs Siegen reichten Carlo Janka 2010 zum Gewinn der großen Kristallkugel. Kostelic kommt 11 Rennen vor Ende bereits auf 1249 Zähler. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

München spielt wichtige Rolle

Mit dem Parallelslalom in München (330690Bilder) begann seine unheimliche Erfolgsserie. Es folgten Siege im Slalom von Adelboden, Superkombination und Slalom von Wengen, Super-G und Kombination von Kitzbühel und zuletzt die Superkombination von Chamonix.

"Ich habe im richtigen Moment gejubelt, in München", erklärt Kostelic sein Erfolgsrezept. "Nach dem München-Erfolg hatte ich eine gute mentale Aufstellung. Ich habe mehr und mehr Selbstbewusstsein aufgebaut. Dadurch kann ich immer ohne jede Blockade attackieren."

Vorsprung im Flachen

Nun steht die WM in Garmisch an, und der 31-Jährige geht als heißer Goldkandidat im Slalom und der Super-Kombination an den Start.

Seine große Stärke liegt vor allem in der Konstanz. In den letzten 46 Weltcup-Slaloms schied Kostelic lediglich einmal aus.

"Er hat eine super Technik im Flachen, da riskiert er und holt sich einen Vorsprung heraus für die schwierigen Abschnitte. Und dort muss er dann nicht ans Limit gehen", meinte ÖSV-Slalom-Trainer Christian Höflehner bei "Laola1".

Keine großen Fehler

Und auch Deutschlands letzter Olympiasieger im Herrenbereich Markus Wasmeier merkte in Wengen an: "Wo alle anderen Probleme hatten, ist Kostelic gefahren wie ein Herrgott."

Große Fehler sind bei Kostelic daher Seltenheit. "Er schießt nur ganz selten kapitale Böcke, das macht er ganz schlau", meint Höflehner.

"Trainingstier" Kostelic

Die Konstanz hat sich durch Kostelic durch hartes Training erarbeitet. Der Kroate ist ein "Trainingstier".

"Unsere Läufer würden wir damit kaputt machen, aber Kostelic kennt es nicht anders", bemerkt Höflehner. "Obwohl er ein Allrounder ist, hat er bis Mitte September mehr Slalomtore gefahren als unsere Spezialisten."

Erster Sieg im Super-G

Aufgrund seiner Konstanz hat Kostelic beste Aussichten, der Star der Wettkämpfe zu werden. Denn der Slalom-Weltmeister von 2003 gehört mittlerweile nicht nur in den technischen, sondern auch in den Speed-Disziplinen zumindest zum erweiterten Favoritenkreis.

Mit seinem ersten Weltcupsieg im Super-G in Kitzbühel unterstrich der große Bruder von Janica Kostelic, die zu Beginn des neuen Jahrtausends den Skiweltcup bei den Damen dominierte, seine Ambitionen.

"Bei den Junioren war der Super-G meine beste Disziplin. Wegen den Verletzungen musste ich die Speed-Rennen auslassen. Ich habe immer gehofft, dass ich im Super-G wieder angreifen kann", sagt Kotelic.

Der Blick der Championesse

Welch wichtige Rolle seine Schwester, die bereits im Alter von 25 Jahren nach vier olympischen Goldmedaillen, fünf WM-Titeln, 30 Weltcupsiegen und drei Gesamtweltcups ihre Laufbahn beendete, bei seiner Karriere spielt, erklärte er erst kürzlich in einem Interview.

"Nur Champions können Champions machen", sagte der zweifache Silbermedaillengewinner von Vancouver. "Sie hat den entscheidenden Blickwinkel auf bestimmte Dinge, die nur ein großer Champ hat."

"Ivica denkt zu viel"

Und vor allem hat sie den Blick, wann und wie sie ihrem Bruder helfen kann und muss.

"Wir fahren gemeinsam Ski, seit wir gehen können. Ich brauche ihn nur anzuschauen und weiß, wie es ihm geht und was er braucht", sagt Janica.

Zumeist muss sie ihn einbremsen, damit er sich nur aufs Skifahren konzentriert.

"Ivica ist ein großer Philosoph", führt die Schwester aus. "Bekommt er zu viel Information, denkt er zu viel nach und es wird kompliziert."

Im Jänner muss sie genau die richtigen Worte gefunden haben. Es wird sich zeigen, ob sie es im Februar bei der WM ebenfalls schafft.

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