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Maria Riesch gewinnt bereits im ersten WM-Rennen ihre erste Medaille © getty

Der dritte Platz von Maria Riesch überdeckt die Personalsorgen des DSV. Die geschwächte Vonn heizt die Eis-Diskussion an.

Aus Garmisch-Partenkirchen berichtet Andreas Kloo

Garmisch-Partenkirchen - Die Erleichterung war groß bei Maria Riesch und den Verantwortlichen des DSV.

"Wenn man gleich am Anfang eine Medaille einfährt, ist das so viel wert wie Gold", hielt DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier nach Rieschs Bronzemedaille im Super-G fest.

Die Doppel-Olympiasiegerin sah es genauso: "Ich trauere dem verlorenen Gold nicht nach. Bronze ist wie Gold für mich." (DATENCENTER: Alle Weltcup-Ergebnisse 2010/11)

Zumal Riesch bei der Heim-WM in Garmisch-Partenkirchen unter außergewöhnlichem Druck steht. Auf nahezu allen Werbeplakaten für die Ski-Titelkämpfe wird mit Rieschs Konterfei geworben. Eine WM ohne Riesch-Medaille wäre einem Super-GAU gleich gekommen.

Mindestziel bereits erreicht

Auch deshalb sagte der sichtlich stolze Maier: "Es war einer ihrer besseren Super-G's, wenn man berücksichtigt, unter welcher Anspannung sie gestanden ist."

Ein Teil dieser Anspannung ist nun erst einmal weg, verriet Riesch: "Das Mindestziel, eine Medaille ist erreicht." 348235(DIASHOW: Ouvertüre in rotem Glanz)

Vor allem im Vergleich zu den letzten Großereignissen war es für den DSV ein Start nach Maß. Die letzte deutsche Auftakt-Medaille fuhr Hilde Gerg vor zehn Jahren ebenfalls im Super-G ein.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Rebensburg krank, Stechert im Fangzaun

Und Rieschs dritter Rang ist umso mehr wert, als sich die personellen Probleme des deutschen Speed-Teams am Dienstag verstärkten.

Von drei DSV-Läuferinnen kam letztlich nur Riesch ins Ziel. Die erkrankte Viktoria Rebensburg trat gar nicht erst an.

Gina Stechert legte einen kapitalen Sturz hin. Die Oberstdorferin rutschte in der FIS-Schneise weg und knallte in den Fangzaun.

Stechert droht WM-Aus

Doch Stechert hatte Glück im Unglück. Von schwereren Verletzungen blieb sie verschont, dennoch scheint die WM für die Speed-Spezialistin gelaufen.

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"Ich hab mir blöd den Daumen abgeknickt", erzählte die 23-Järige im Zielraum. Neben der Blessur am Daumen trug sie noch eine leichte Abschürfung im Gesicht davon.

Wie der DSV bekanntgab, zog sich die Stechert einen Bruch des Daumen-Mittelhandknochens an der rechten Hand zu und wird noch am selben Tag in der Unfallklinik Murnau operiert.

"Es ist eher unwahrscheinlich, dass sie noch einmal starten kann. Endgültig sagen können wir das aber erst am Mittwochmorgen vor dem Abfahrtstraining. Aber wenn die Hand so verschraubt wird wie bei ihr, ist es wohl nicht mehr möglich", sagte der deutsche Alpindirektor Wolfgang Maier

Ein Start in der Abfahrt am Sonntag (ab 10.45 Uhr im LIVE-TICKER) ist fraglich. Deshalb hofft Alpindirektor Wolfgang Maier auch auf eine Rückkehr von Viktoria Rebensburg.

Vonn erwägt Kombi-Verzicht

Wann Lindsey Vonn wieder an den Start geht, steht noch nicht fest. "Ich muss schauen, dass ich für die Abfahrt wieder fit werde, vielleicht lasse ich die Super-Kombination aus", sagte sie zu ihren weiteren Planungen.

Ihren Einsatz im Super-G bezeichnete sie im Nachhinein als Fehler: "Die Konzentration war nicht da, mich hat alles überrascht. Ich war nicht aggressiv genug", berichtete sie.

Ihr Trainingssturz aus der vergangenen Woche scheint Vonn doch mehr zu schaffen zu machen.

Auch Freundin Riesch fiel das auf: "Lindsey war nicht ganz fit." Und erklärte damit das für Vonn relativ schwache Abschneiden: "Dafür waren die Bedingungen zu schwierig. Da muss man hundertprozentig fit sein."

[kaltura id="0_qu6zres3" class="full_size" title="Riesch Vonn und G rgl im Interview"]

Nächste Eis-Beschwerde

Über die eisigen Bedingungen hatte sich Vonn schon am Vortag beschwert. Nach dem Rennen legte sie noch einmal nach: "Es ist viel zu eisig. Das muss Skifahren sein und nicht Eislaufen."

In der Tat blitzte vor allem im Mittelteil - passenderweise auch als "Hölle" bezeichnet" - das blanke Eis hervor.

Die Österreicherin Anna Fenninger pflichtete Vonn bei SPORT1 bei: "Ja, es war gefährlich. Ich war froh, als ich unten war", sagte sie sichtlich erleichtert.

Gut enttäuscht

Die Viertplatzierte Lara Gut wollte die eisigen Bedingungen allerdings nicht als Ausrede gelten lassen: "Bei den Läuferinnen, die vor mir landeten, war es auch nicht weniger eisig als bei mir", hielt die Schweizerin fest.

Die 19-Jährige war wegen des undankbarsten aller Plätze enttäuscht: "Wenn man bei einer WM Vierte wird, kann man nicht zufrieden sein. Jetzt muss ich es beim nächsten Mal besser machen."

Riesch hofft auf Gold

Auch Riesch ist nach der Auftakt-Medaille hungrig nach weiteren Erfolgen und rechnet sich in der Super-Kombi am Freitag (ab 9.45 Uhr im LIVE-TICKER) einiges aus.

"Da sind meine Siegchancen am Größten. Ich habe in dieser Saison drei Abfahrten und einen Slalom gewonnen", blickt sie zuversichtlich auf die Kombination aus diesen beiden Disziplinen.

Rennen nicht ausverkauft

Steigerungsbedarf besteht allerdings noch beim Zuschauerinteresse in Garmisch. Am Dienstag waren auf den Tribünen einige Lücken zu sehen. Laut Veranstalter waren 8.000 Fans zur Kandahar gepilgert.

Der Zielraum würde 10.000 Zuschauern Platz bieten.

"Vielleicht trauen sie sich am Anfang nicht so", lautete Rieschs Erklärung für das nicht ganz gefüllte Stadion.

Ihre Medaille wird das Interesse an den WM-Bewerben mit Sicherheit erhöhen. Auch deshalb war Rieschs Bronzene zum Auftakt "Gold wert".

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