vergrößernverkleinern
Ivica Kostelic gewann bei Olympia 2010 Silber in der Super-Kombination © getty

Eine erneute Pistendiskussion rückt den Überraschungssieg Innerhofers in den Hintergrund. Kostelic lässt sicheres Gold sausen.

Aus Garmisch-Partenkirchen berichtet Andreas Kloo

Garmisch-Partenkirchen - Für Freudensprünge hatte Ivica Kostelic im Ziel keine Kraft mehr. Dabei hatte der Kroate gerade die erste Super-G-Medaille seiner Karriere geholt.

"Am Liebsten wäre ich auf allen Vieren aus dem Zielraum gekrochen", machte der Bronzemedaillengewinner hinterher aus seiner Erschöpfung keinen Hehl.

Den anderen Läufern erging es ähnlich. Auch der österreichische Silbermedaillengewinner Hannes Reichelt gestand: "Ich hätte mich am Liebsten sofort schlafen gelegt."

Reichelt bezeichnete den Super-G auf der welligen und eisigen Kandahar als das schwierigste Rennen des Jahres, Kostelich sprach gar vom "schwierigsten Rennen meines Lebens".

Innerhofer gibt Vollgas

Nur dem neuen Weltmeister konnte die wilde Piste nichts anhaben. Der Südtiroler Christof Innerhofer steckte die zahlreichen Schläge scheinbar mühelos weg und fuhr zum souveränen Sieg.

"Bislang habe ich immer nur 80 Prozent gegeben. Diesmal habe ich mir gedacht, ich muss Vollgas geben", erklärte er hinterher seine erfolgreiche Marschroute.

Von den Experten hatten ihn nur die wenigsten auf der Rechnung gehabt. Dabei hatte er schon vor zwei Jahren mit einem Abfahrts-Sieg in Bormio bewiesen, dass ihm eisig-ruppige Pisten liegen.

Der Österreicher Michael Walchhofer zeigte sich deshalb auch nicht erstaunt über den Erfolg Innerhofers: "Mir war klar, dass das ein heißer Kandidat ist bei solchen Licht- und Schatten-Wechseln wie in Bormio."

"Stress für den Körper"

Letztlich geriet sein WM-Gold nach dem Rennen aber doch zur Nebensache. Die Pistendiskussion war erneut das beherrschende Thema. Kostelic übte harte Kritik am Zustand der Kandahar. "Das war heute am Limit für den menschlichen Körper", behauptete der Führende im Gesamt-Weltcup (DATENCENTER: Alle Weltcup-Ergebnisse 2010/11).

[image id="f4e25632-6484-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Die zahlreichen Schläge auf der Piste sah er als Hauptproblem. "Das ist Stress für den Körper. Die Muskeln können nicht immer auf die Schläge reagieren und so wirkt das direkt auf die Gelenke", lieferte der 31-Jährige gleich noch eine physiologische Erklärung dazu.

"Das müssen die Organisatoren mit einbeziehen", forderte er eine Reaktion für die Zukunft.

Fahrer wollen Rennen auslassen

Andere Fahrer äußerten sich ähnlich kritisch. Für den siebtplatzierten Carlo Janka war es nur ein Kampf gegen den Ausfall. Völlig ausgepumpt erwägte der Schweizer im Ziel gar einen Verzicht auf die Abfahrt.

Auch Kostelic strafft nach dem kräftezehrenden Super-G sein Programm. "Wir haben heute genug Energie für ein Nuklearkraftwerk verbraucht", meinte er scherzhaft. (Ivica Kostelic im Porträt: Hart arbeitender Philosoph mit Champion-Gen)

[kaltura id="0_cg31emsd" class="full_size" title="Gold f r Innerhofer"]

Der Führende im Gesamtweltcup reiste nach seinem dritten Platz im Super-G am Mittwoch vorübergehend in seine Heimat zurück, wo er sich für ein paar Tage "ans Meer legen und trainieren" will.

Er verzichtet damit auf einen Start in der Abfahrt am Samstag sowie in der Super-Kombination am Montag - und damit auf eine scheinbar sichere Goldmedaille. Denn in der Kombination wäre Kostelic der große Favorit gewesen.

Am Mittwoch der kommenden Woche will er nach Garmisch-Partenkirchen zurückkehren.

DSV-Fahrer zahlen Lehrgeld

Dass die jungen DSV-Athleten bei der Entscheidung keine Rolle spielen würden, war von vorneherein klar. Für den 21-järhrigen Andreas Sander und den 25-jährigen Tobias Stechert ging es vor allem darum Erfahrung zu sammeln.

Beide hatten ihre liebe Mühe mit der schwierigen Piste. Sander kam als 21. mit über vier Sekunden Rückstand ins Ziel, Stechert schied aus.

"Eine Kombination aus Geschwindigkeit, Härte und Wellen, das war hart", sagte der Bruder von Gina Stechert zu seinen Problemen auf der Strecke. Und Sander musste im Ziel erst einmal "fünf Minuten pumpen", so erschöpft war er.

Zuschauer kommen auf ihre Kosten

Wenigstens die 10.000 Zuschauer an der Kandahar hatten ihren Spaß. Das Rennen bot viele spektakuläre Szenen, da fast jeder Fahrer gegen den Sturz ankämpfen musste.

Die größte Show lieferte wieder einmal Bode Miller. Der Amerikaner verlor unterwegs einen Stock und fuhr trotzdem noch Zwischenbestzeiten. Erst nach einem weiteren kapitalen Schnitzer war er aus dem Medaillenrennen (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1).

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel