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Maria Riesch holte 2009 Slalom-Gold bei der WM in Val d'Isere © imago

Die Sorgen im deutschen Team werden dramatischer. Riesch lässt das zweite Abfahrtstraining aus. Droht ein Start-Verzicht?

Aus Garmisch-Partenkirchen berichtet Andreas Kloo

Am Dienstag noch hatten Maria Riesch und der DSV die Bronzemedaille im WM-Auftaktrennen gefeiert.

Doch die Jubelstimmung war bereits einen Tag später fast gänzlich verflogen.

Mit Gina Stechert hatte das Team einen weiteren Ausfall zu verkraften. Und auch der Gesundheitszustand von Aushängeschild Riesch gibt Anlass zur Sorge.

DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier macht angesichts dieser personellen Probleme eine "gewisse Grundspannung im Team" aus.

Gina Stechert ließ zwar gegenüber SPORT1 verlauten: "Die Stimmung im Team ist nach Marias Medaille schon gut. Ich hoffe, dass sich die anderen jetzt nicht runterziehen lassen."

Doch es stellt sich die Frage: Welche anderen?

Riesch bricht Training ab

Im Abfahrtstraining am Mittwoch ging nur Maria Riesch an den Start. Doch nach ein paar Schwüngen stoppte sie und verließ die Piste.

Auf das zweite Training am Donnerstag verzichtete Riesch, nachdem über Nacht laut Teamarzt Hannes Scherr "keine signifikante Veränderung" ihres Zustands eintrat: "Ich fühle mich schlapp", sagte Riesch, die nicht mehr fiebrig ist, aber über andere Symptome wie Halsschmerzen klagt.

Wenn sie nicht unbedingt gemusst hätte, wäre die erkältete Doppel-Olympiasiegerin wohl auch zum ersten Training gar nicht erst angetreten. Doch das Reglement ließ ihr keine andere Wahl. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Um an der Super-Kombi am Freitag (ab 9.45 Uhr im LIVE-TICKER) und der Spezialabfahrt am Sonntag (ab 10.45 Uhr im LIVE-TICKER) teilnehmen zu können, muss sie zumindest eine Trainingsfahrt absolvieren. Das Verlassen des Starthauses reicht dazu aus.

Mammutprogramm zum WM-Auftakt

Am Donnerstag wird Riesch nun wohl einen kompletten Ruhetag einlegen, um wieder zu Kräften zu kommen.

Die ersten Tage der Heim-WM gingen bei der Garmischerin doch an die Substanz. Training, Eröffnungsfeier, dann der Super-G, Siegerehrung und dazu noch einige Sponsoren- und Medientermine.

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Zeit für Pausen blieb da nicht. "Ich habe mich nach dem Rennen schon nicht so wohl gefühlt. Am Abend wurde es dann langsam schlimmer", berichtete die 26-Jährige der "Bild".

Slalomtraining trotz Fieberschub

In der Nacht bekam sie einen Fieberschub, der herbeigerufene Arzt legte ihr dann eine Infusion.

Dennoch absolvierte sie am Mittwochvormittag ein leichtes Slalomtraining, um das Gefühl für die kurzen Schwünge nicht zu verlieren. Denn das Ziel ist klar: "Ich bin bereit für mehr - und will das hier auch noch zeigen", hat sie sich nach dem Gewinn der Bronzemedaille im Super-G vorgenommen.

Doch nach der Slalomfahrt erhöhte sich die Temperatur wieder. (DATENCENTER: Alle Weltcup-Ergebnisse 2010/11)

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Kampf gegen den "Worst Case"

"Wegen der aufgetretenen Symptome ist von einer beginnenden Virusgrippe auszugehen. Es wurde unverzüglich eine intensivierte medikamentöse Therapie eingeleitet", sagte Mannschaftsarzt Dr. Hannes Scheer zu Rieschs Gesunsheitszustand.

Ob Riesch in der Super-Kombi wirklich an den Start gehen kann, ist momentan unklar. "Ich hoffe, dass wir es hinbekommen und der Worst Case nicht eintritt", äußerte sich Maier besorgt.

Ein Ausfall des Top-Stars für die Super-Kombi würde den DSV hart treffen. Denn Riesch ist die einzige geplante deutsche Starterin in diesem Wettbewerb.

Verzicht auf die Super-Kombi?

Möglicherweise muss sich Riesch auch zwischen einem Start in Super-Kombi und Spezialabfahrt entscheiden. Ihre Goldchancen sind in beiden Bewerben groß.

Im Mix aus Abfahrt und Slalom ist die 26-Jährige amtierende Olympiasiegerin, in der Abfahrt dreimalige Saisonsiegerin.

Doch Rieschs Prioritäten scheinen klar. Bereits vor der WM ließ sie verlauten, Abfahrts-Gold sei für sie am Wertvollsten. "Das ist die Königsdisziplin", hält sie mit ihren Vorlieben nicht hinterm Berg.

Rebensburg abgereist

Langsam nimmt das deutsche Lazarett doch bedrohliche Ausmaße an. Viktoria Rebensburg musste krankheitsbedingt bereits auf den Super-G verzichten.

Momentan kuriert sie sich in ihrer Heimat am Tegernsee aus. Ob sie bis zur Spezialabfahrt am Sonntag wieder fit wird, ist derzeit fraglich.

Keppler im Sturzpech

Zwei weitere Läufer verlor die deutsche Mannschaft durch Stürze. Abfahrts-Hoffnung Stephan Keppler fiel bereits vor der WM durch seinen in Wengen erlittenen Innenbandriss aus.

Am Mittwoch drückte er seinen Kollegen Andreas Sander und Tobias Stechert beim Super-G die Daumen, machte aber aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: "Es ist schon sehr nervig, ich wäre gerne hier gefahren."

Gina Stechert brach sich beim Sturz im Super-G den Mittelhandknochen. Die nächsten zehn Tage muss sie einen Gips tragen. Auch für sie sind die Titelkämpfe damit gelaufen.

Damen-Cheftrainer Thomas Stauffer unkt angeischts der Personalnot bereits: "Eine Medaillenflut ist jetzt nicht zu erwarten. Wir sind relativ dünn aufgestellt."

Langwierige Rückenprobleme bei Hölzl

Bei der letzten WM holte Kathrin Hölzl Gold. Doch momentan ist fraglich, ob sie ihren Titel überhaupt verteidigen kann.

Seit einigen Wochen plagt sich Hölzl mit Rückenproblemen herum. Bereits Ende Dezember bei den Rennen am Semmering hatte sie starke Schmerzen und verzichtete anschließend auf Starts in München und Zagreb.

Nach den Rennen in Maribor traten die Probleme erneut auf. An Skifahren war nicht mehr zu denken.

Noch besteht Hoffnung

Am Mittwoch verbreitete sie nun vorsichtigen Optimismus.

"Es geht mir schon besser, ich werde viel behandelt, mache viel Reha" berichtete die 26-Jährige, schränkte aber ein: "Skitraining kann ich aber noch nicht absolvieren."

Viel Zeit bleibt Hölzl nicht mehr. Für den kommenden Donnerstag ist der Riesenslalom angesetzt. Aus deutscher Sicht bleibt nur zu hoffen, dass wenigstens Riesch und Rebensburg in den nächsten Tagen schnell genesen.

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