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Christof Innerhofer meisterte beim Super-G die Kandahar am besten © getty

Damen und Herren stöhnen über die schwierige WM-Piste in Garmisch. SPORT1 erklärt, was die Kandahar so gefährlich macht.

Aus Garmisch-Partenkirchen berichtet Andreas Kloo

Bei der Beschreibung der Piste gingen den Fahrern und Fahrerinnen bei der Ski-WM in den letzten Tagen beinahe die Superlative aus.

Ivica Kostelic sprach vom "schwierigsten Rennen seines Lebens", Lindsey Vonn von der "Streif für Frauen"(DATENCENTER: Alle Weltcup-Ergebnisse 2010/11).

Und bislang haben die Teilnehmer erst den Super-G bestritten. Die Königsdisziplin Abfahrt steht ihnen erst noch bevor (Abfahrt Herren, Sa. ab 10.45 Uhr im LIVE-TICKER).

Das bedeutet: längere Strecke, längere Fahrtzeit, noch höhere Geschwindigkeit. Dabei waren die Rennläufer schon nach dem Super-G im Ziel fix und fertig.

Damen schwer beeindruckt

Auch nach dem ersten Abfahrtstraining stöhnten fast alle Damen auf. Vor allem die Technikerinnen, die für die Super-Kombi trainierten, hatten Probleme:

"Die Kandahar ist ein richtiger Nervenkitzel. Ich habe nur wenig gesehen, weil es so schattig war", schilderte die Kanadierin Marie-Michelle Gagnon.

Auch die Herren äußerten sich nach der ersten Trainingsfahrt besorgt: "Die kleinen Unebenheiten sieht man überhaupt nicht, das ist nicht ohne. Die Hürde muss man meistern, das ist ein schmaler Grat", sagte Ex-Weltmeister Michael Walchhofer.

Beide sprechen eine der Hauptschwierigkeiten der Strecke an. Die Kandahar liegt fast gänzlich im Schatten. Das macht es für die Läufer schwer, die Bodenunebenheiten zu erkennen und die Schläge rechtzeitig abzufedern.

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Wasser im Schnee wird zur Eisschicht

Die zweite Schwierigkeit ist der eisige Untergrund. "Wir sind Skifahrer und keine Eisläufer", hatte Lindsey Vonn Richtung Organisatoren gemotzt.

Dabei war die Rennleitung genau genommen gezwungen, die Oberfläche rutschig zu gestalten.

Die Rennorganisatoren haben schon zwei Wochen vor den Rennen eine Oberflächenmischung aus Kunstschnee und Naturschnee erstellt. Um die Kompaktheit dieser Grundlage zu sichern, wurde Wasser hineingepumpt.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

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Schutz vor Frühlingseinbruch

Das Wasser gefror dann aufgrund der kühlen Temperaturen in der Nacht, was zu der von Vonn gefürchteten Eisschicht führte.

Doch für das Hineinpumpen des Wassers gab es keine Alternative. "Sonst würde es uns die Piste bei Temperaturen von plus zehn Grad zerlegen", erklärte FIS-Renndirektor Atle Skaardal.

In der Tat ereignete sich in den ersten Tagen der WM ein Frühlingseinbruch in Garmisch, dem die Piste dank der "Eisfüllung" standhielt.

Klaus Kröll aus Österreich, in diesem Winter Sieger der längsten Weltcup-Abfahrt in Wengen, nannte die Präparierung dennoch "unverständlich und unnötig gefährlich". Auf die Frage, wo es denn Änderungen an der Präparierung geben müsse, sagte der Schwede Patrik Järbyn, mit 41 Jahren der erfahrenste Starter: "Von oben bis unten."

Piste leicht "aufgeraut"

Zumindest kam die FIS den Läufern etwas entgegen, indem sie nach dem Super-G der Damen die Oberfläche leicht "aufraute", so dass diese nicht mehr ganz so glatt ist.

Einfacher wird die Strecke deshalb aber noch lange nicht: "Eine lockere Fahrt da runter machen, das geht überhaupt nicht", stellt der deutsche Abfahrer Andreas Sander klar.

In der Tat gehts schon vom Start weg auf der 3320 Meter langen Strecke zur Sache. Die Herren und Damen fahren auf verschiedenen Strecken, die sich im Ziel wieder treffen.

SPORT1 stellt die Schlüsselstellen der Herren-Abfahrt vor:

Tröglhang: Innerhalb weniger Sekunden beschleunigen die Fahrer hier auf 100 Kilometer pro Stunde. Wichtig ist es dabei, die Ausfahrt gut zu erwischen. Für den Rennleiter Florian Eckert, WM-Bronzemedaillengewinner von 2001, deshalb die Schlüsselstelle. "Hier nimmt man das Tempo mit in das Flachstück", erklärt er.

Panoramasprung: Hier segeln die Fahrer 30 bis 40 Meter weit. Auch dieser Sprung hat laut Eckert so seine Tücken: "Man weiß nicht wo es hingeht, man springt ein bisschen ins Ungewisse. Hier ist die Besichtigung wichtig, damit ich weiß, in welche Richtung ich fliege."

Einfahrt Eishang: Der Name verrät es, hier ist es besonders glatt. Es handelt sich um eine scharfe Linkskurve, die der Läufer richtig erwischen muss, um nicht zuviel Zeit zu verlieren. "Hier wird vom Kurssetzer noch ein bisschen Tempo rausgenommen in der Anfahrt auf den Seilbahnsprung. Sonst springt der Läufer da ins Uferlose". kündigt Eckert an.

Seilbahn/Kramersprung: Zwei Sprünge direkt hintereinander. Keine Zeit zum Ausruhen für die Fahrer.

Freier Fall: Mit 92 Prozent Gefälle die spektakulärste Stelle der Strecke, aber nicht die Entscheidende. "Ein freier Fall vergeht ja relativ schnell, das hat ein Fall so an sich. Da geht's dahin und schon bist wieder weg" spielt Ski-Legende Herrmann Maier im "Münchner Merkur" die Schwierigkeit der Stelle herunter.

Zudem drosselt der Kurssetzer das Anfahrtstempo auf den Sprung, wie Eckert bei SPORT1 darlegt: "Der Kurssetzer kann das Tempo in der Anfahrt durch drehende Kurssetzung sehr gut kontrollieren."

Tauberschuss: Die Linkskurve vor den letzten Metern Richtung Ziel darf man ebenfalls nicht verschlafen, Denn danach folgt ein Gleitstück, "wo sich nochmal was entscheiden kann."

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