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Bode Miller fuhr beim WM-Super-G in Garmisch auf den zwölften Platz © getty

Bode Miller bietet beim WM-Super-G eine für ihn typische Show. In der Abfahrt gehört er zu den Favoriten: "Der Speed ist da."

Von Rainer Nachtwey

Garmisch-Partenkirchen - Man könnte es als typischen Bode bezeichnen. Denn Aktionen wie jene im WM-Super-G sind symbolisch für Bode Miller.

Der Amerikaner glänzt bei den Rennen mit seiner spektakulären Fahrweise. Ausfall oder Sieg: bei Miller gibt es kein Auf-Ankommen-Fahren.

"Bei meinem ersten Weltcuprennen startete ich als 69., landete im ersten Lauf auf Rang 23. Zwischen den Durchgängen sagten die Trainer, ich solle es locker angehen, solle die Geschwindigkeit zurücknehmen und auf den Beinen bleiben. Ich müsse nur ins Ziel kommen und hätte einen Weltcuppunkt in der Tasche", erinnert sich Miller.

"Damals lernten sie mich als harten Wettkämpfer kennen - für mich gibt es nur alles oder nichts", führt er aus. "Ich wurde Elfter."

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Stockverlust kostet Sieg im Super-G

Auch 13 Jahre nach seinem Debüt hat Miller diese Einstellung nicht verloren. Beim Super-G, den der Italiener Christof Innerhofer gewann 349055(die Bilder), hat sie den viermaligen Weltmeister womöglich einen weiteren Titel gekostet.

Andererseits hätte er wohl niemals an Gold schnuppern können.

Als er die Einfahrt in den Steilhang zu eng nahm, mit der Hand an der Torstange anschlug und dadurch den Stock verlor, verdrehte es ihn kurz.

Dennoch raste er "einstöckig" die Kandahar weiter herunter, stellte bei der vierten Zwischenzeit eine neue Bestzeit auf, die auch Sieger Innerhofer nicht erreichte, ehe es ihn erneut verdrehte.

"Mit einem Stock war es hart die Balance zu halten", analysiert Miller seinen Lauf, den er als Zwölfter beendete(DATENCENTER: Alle Weltcup-Ergebnisse 2010/11).

Ein Riesensteak für den Baby-Schlaf

Einem verpatzten Rennen trauert der Amerikaner allerdings nie nach.

"Wenn ich Ski fahre, genieße ich das Leben. Ich habe danach nie das Gefühl, 'hätte ich doch' oder 'wäre ich doch", meint Miller.

Stattdessen findet er leicht seinen Seelenfrieden wieder: "Nach einem dicken Riesensteak und einem Bier schlafe ich wie ein Baby."

Und verpatzte und vor allem verrückte Rennen gab es bei Miller zu Genüge. Eine seiner spektakulärsten Darbietungen bot er ebenfalls bei einer WM.

Auf "Monoski" die Stelvio bergab

2005 startete er als großer Favorit in die Titelkämpfe von Bormio. Beim ersten Rennen, der Super-Kombination, verschlug es ihm nach wenigen Fahrsekunden die Skier, die linke Bindung löste aus.

Doch statt abzubremsen, fuhr Miller noch knappe zwei Minuten die Stelvio hinunter - auf einem Ski. Mit bis zu 80 km/h.

Das Leben genießen und Spaß haben. Das will Miller, wenn er seine Rennen bestreitet. Und seine Formel lautet: Spaß = Geschwindigkeit, "Be fast, have fun".

"Fun haben und Rennen gewinnen"

Aber auch der Erfolg steht im Mittelpunkt: "Fun haben und Rennen gewinnen", nennt er es. Denn "wer außer einem Politiker der amerikanischen Grünen oder einem Fan der Chicago Cubs kann sein Leben lang ständig nur sein Bestes geben und nie gewinnen?", sagt sich Miller.

Dazu muss man sagen, dass der Chicagoer Baseball-Klub seit 1908 auf einen Meistertitel wartet.

Während die Cubs auch als "Loveable Losers" gelten, gehört Miller definitiv zu den Gewinnern - und geliebt wird er von den Fans sowieso.

Eberharter: Bode ein Glücksfall

"Es ist völlig egal, wo im Weltcup er startet. Er wird immer genauso angefeuert, als wäre er ein Einheimischer. Miller ist eine Ausnahmeerscheinung", meint Felix Neureuther.

Und seiner ehemaliger Gegner Stephan Eberharter adelt Miller: "Bode ist ein Glücksfall für den Skisport."

Medaillen en masse sammelte er zwischen 2003 und 2008.

Vier WM-Titel in Kombination, Riesenslalom (jeweils 2003), Abfahrt und Super-G (2005), zwei Gesamtweltcup-Siege (2004/05 und 2007/08), sechs Disziplinen-Weltcups und 32 Weltcup-Siege hat Miller gesammelt.

Miller bei US-Open-Quali gescheitert

Er gehört zu neun Athleten, die in allen fünf Disziplinen siegten, und er ist der einzige, dem dies mindestens fünf Mal gelang.

Nach seiner überragenden Saison 2007/08 setzte Miller andere Prioritäten, beendete den Weltcup des Öfteren vorzeitig oder ließ während der Saison Rennen aus.

Während der Vorbereitung auf die Saison nahm er an einem regionalen Qualifikationsturnier für die US Open der Tennis-Profis teil, scheiterte jedoch in der ersten Runde.

Kombi-Gold in Vancouver

Bei den Großevents war Miller jedoch immer vorne dabei. So auch vergangenen Februar, als er einen kompletten Medaillensatz aus Vancouver mit nahm und sich den Traum von Olympiagold erfüllte.

Er siegte in der Super-Kombination, der Disziplin die Miller "als die aufregendste" bezeichnet. Es war sein bis dato letzter Erfolg.

"Der Speed ist da"

Am Samstag steht für die Herren die Königsdisziplin Abfahrt auf dem Programm (ab 10.45 Uhr im LIVE-Ticker).

Und Miller gehört nach seinem starken Auftritt neben Kitzbühel-Sieger Didier Cuche und Super-G-Weltmeister Innerhofer zum engen Favoritenkreis.

"Der Speed ist da", sagt Miller. "Wenn ich keine Fehler mache, habe ich gute Chancen."

Ob Sieg oder Crash - nach dem Rennen wird man wohl wieder von einem typischen Bode sprechen können.

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