vergrößernverkleinern
Maria Riesch ist seit ihrem fünften Lebensjahr im Skiclub Partenkirchen © getty

Die geschwächte Maria Riesch ist in der Super-Kombi chancenlos. Die WM-Organisatoren verschaffen dem DSV-Star eine Ruhepause.

Aus Garmisch-Partenkirchen berichtet Andreas Kloo

"Bin ich jetzt doch nicht Weltmeisterin?", schoss es Anna Fenninger wohl durch den Kopf.

Denn der Stadionsprecher kündigte die Gewinnerin der Super-Kombination bei der Siegerehrung plötzlich als Drittplatzierte an.

Letztlich war der Moderator wohl auch nur durch den überraschenden Ausgang des Rennens verwirrt. Mit der Österreicherin als Siegerin hatten wohl nur die wenigsten gerechnet.

Was die 21-Järige noch zusätzlich motivierte: "Ich wollte beweisen, dass ich auch Slalom fahren kann. Ich bin schon vor zwei Jahren in Garmisch einen Slalom gefahren, aber da hat wohl keiner zugeschaut," sagte Fenninger, die in ihrer bisherigen Karriere eher in den Speed-Disziplinen geglänzt hatte.

"Abfahrt hat mich gekillt"

Als Topfavoritin für den Mix aus Abfahrt und Slalom hatte eigentlich Maria Riesch gegolten. Doch die Doppel-Olympiasiegerin war zu sehr geschwächt von einem Grippevirus, als dass sie um die Medaillen mitfahren hätte können.

"Ich wäre sicher lieber um die Medaillen mitgefahren, aber es hat einfach nicht gereicht. Ich habe alles versucht, aber schon die Abfahrt hat mich ein bisschen gekillt", sagte Riesch nach ihrem 11. Platz in der Endabrechnung.

Keine Kraft für die Hocke

In der Tat war schon in der Abfahrt deutlich zu sehen, dass Maria Riesch nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte ist. Im Ziel blieb sie nach der knapp zweiminütigen Fahrt die Kandahar-Piste erst einmal liegen.

Erst nach und nach rappelte sich Riesch wieder auf.

"Oben war es noch ganz okay, unten ist mir dann schon ein bisschen die Kraft ausgegangen, ich bin nicht mehr richtig in die Hocke gekommen", berichtete sie erschöpft.

Fast zwei Sekunden hinter Fenninger

[image id="9831c211-6484-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Im oberen Teil der Abfahrt lag Riesch tatsächlich nicht weit hinter Siegerin Elisabeth Görgl zurück. Erst im unteren Teil summierte sich der Rückstand auf zwei Sekunden.

Diesen beträchtlichen Abstand konnte sie auch im Slalom nicht mehr wettmachen. 1,91 Sekunden lag sie am Ende hinter Weltmeisterin Fenninger. Für eine Riesch im "Normalzustand" wäre das eine herbe Klatsche (DATENCENTER: Alle Weltcup-Ergebnisse 2010/11).

Vom "Kaiser" geadelt

Dennoch heimste die 26-Jährige hinterher Lob von allen Seiten ein. "Absoluten Respekt für diese Leistung nach dieser kurzen Genesungszeit", hob DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier im Gespräch mit SPORT1 Rieschs Leistung hervor.

Und selbst der "Kaiser" persönlich rühmte den Auftritt der Lokalmatadorin: "Ich ziehe meinen Hut vor dir", sagte Franz Beckenbauer in Richtung Riesch und merkte an: "Wenn man nicht gesund ist, hat man keine Chance."

Beckenbauer war als Ehrengast geladen und überreichte Fenninger bei der Blumenzeremonie den Weltmeisterstrauß.

Vonn schont sich für die Abfahrt

Keine Freunde dürfte sich dagegen Erzrivalin Lindsey Vonn gemacht haben. Die Amerikanerin verzichtete nach der Abfahrt auf einen Start im Slalom - owohl sie 0,40 Sekunden vor Riesch gelandet war.

"Ich habe Kopfschmerzen und bin nicht hundertprozentig fit. Ein Start im Slalom ist daher zu gefährlich", begründete Vonn ihre vorzeitige Aufgabe. Angeblich rühren die Kopfschmerzen weiterhin von ihrem Trainingssturz in der vergangenen Woche.

[kaltura id="0_8nuaozor" class="full_size" title="Vonn verzichtet auf Kombi Slalom"]

Tatsächlich aber wollte sich die Abfahrts-Olympiasiegerin wohl nur für die Spezialabfahrt am Sonntag (ab 10.45 Uhr im LIVE-TICKER) schonen.

"In der Abfahrt werde ich wieder alles geben", kündigte die 26-Jährige an.

Kein Gedanke an Absage

Für die gesundheitlich angeschlagene Riesch kam weder eine solche vorzeitige Aufgabe noch ein kompletter Verzicht auf die Super-Kombi in Frage.

"Bei einer Heim-WM bleibt man nicht einfach zu Hause krank im Bett liegen", stellte sie klar und sagte mit ein wenig Stolz auf sich selbst: "Ich habe mich durchgebissen.".

Tags zuvor hatte die Garmischerin noch auf das Abfahrtstraining verzichtet. Doch nach der morgendlichen Besichtigung der Strecke gab sie dann ihr O.k..

"Das Fieber war Gott sei Dank weg - und da habe ich gesagt: Okay, ich probiere es", erzählte sie.

"Kandahar" muss geschont werden

Zum Erholen für die Spezialabfahrt am Sonntag (ab 10.45 Uhr im LIVE-TICKER) bleibt ihr nur ein Tag Zeit. Womöglich zu wenig,um wieder topfit zu werden, wie Riesch selbst befürchtet:

"Es wird jetzt schon schwierig, mich auszukurieren. Ich fühle mich schlapp und habe Husten, das ist unangenehm und beim Fahren tut es weh, wenn man nicht richtig Luft holen kann."

Zum Glück für Riesch wurde das Abschlusstraining für die Spezialabfahrt abgesagt.

Grund dafür ist eine Schonung der "Kandahar"-Strecke angesichts der zu erwartenden hohen Temperaturen in Garmisch-Partenkirchen.

"Ich will nicht jammern"

So erhält Riesch einen unverhofften Ruhetag. Maier wollte ihr diesen eigentlich nicht gönnen. "Warum soll sie sich denn ausruhen? Es ist WM, da bleibt keine Zeit zum Ausruhen", stellte der Sportdirektor bei SPORT1 klar. Zunächst einmal ging es für den DSV-Star zurück ins Bett.

Zuvor konnte sie sich eine kleine Spitze Richtung "Drama-Queen" Vonn, die seit Tagen über ihre Kopfschmerzen spricht, aber nicht verkneifen: "Ich will nicht jammern, und ich will aus Respekt vor den Siegerinnen, die es alle verdient haben, nicht über die Krankheit reden."

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel