Wenn die Ski-Nation Nummer eins einen WM-Titel feiert, wird nicht geknausert. Dann ist das Beste nicht gut genug.

Am Freitag wollte ich es einfach mal wissen: Wie feiern die Österreicher einen Weltmeistertitel? Anna Fenninger hatte am Nachmittag überraschend die Goldmedaille in der Super-Kombination erobert.

Die Frage war, feiern die Austrianer eher gemütlich mit einem Achterl Wein oder auf den Tischen tanzend unterstützt von DJ Ötzi.

Deshalb begab ich mich in den TirolBerg, ein VIP-Zelt gesponsert vom Tourismusverband Tirol.

Zunächst machte sich Enttäuschung breit. Keine prominenten Gäste, keine österreichische Hüttenromantik in dem farblos erscheinenden Zeltbau.

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Aber auf den zweiten Blick wurde mir dann klar, dass die Österreicher hier ganz schwere Geschütze auffahren.

Als Catering-Truppe war eine Comedygruppe im Einsatz: ein buckliger kurzsichtiger Kellner und eine Bedienung, die auch als Prostituierte durchgehen hätte können, dazu ein penibler Türsteher, der einen auf Waffen durchsuchte.

Wahrscheinlich sind diese Comedians in Österreich sogar eine richtig große Nummer. Ich kannte sie leider nicht. Auf der Bühne sorgte eine A-Capella-Gruppe für die musikalische Unterhaltung.

Und schließlich ließen sich auch die prominenten Gäste blicken. Ein Großteil des österreichischen Damenteams, allen voran die neue Weltmeisterin Anna Fenninger, die auf den Schultern ihrer Trainer ins Zelt getragen wurde.

Auch die beiden größten noch lebenden österreichischen Ski-Legenden feierten mit: Karl Schranz und Franz Klammer.

Die kulinarische Verköstigung übertraf aber alles: Nach dem ersten Gang, Thunfisch mit Kräutern, wurde Kaviar aufgetischt.

Und ich reagierte wie wohl jeder andere auch beim Verzehr der Fischeier. Auch wenn Kaviar nicht sonderlich gut schmeckt - das Zeug muss runter, es ist ja schließlich teuer.

Wie mir dann erklärt wurde, war der Grund für die mondäne Veranstaltung, dass die Organisatoren einen Ischgl-Abend ausgerufen hatten. Und Ischgl gilt als der Luxus-Skiort Österreichs schlechthin. Die russische Oberschicht verbringt dort ihren Skiurlaub.

Fest steht, dass ich noch nie so edel gespeist habe - und das auf rot-weiß-rote Kosten. In Bayern sagt man: Wer Recht hat, der zahlt a Mass.

Im Nachbarland heißt es wohl: Wenn ein Österreicher die Konkurrenz düpiert, dann wird allen was spendiert.

In diesem Sinne: Prost, Tu felix Austria!

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