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Cuche hatte die letzten beiden Abfahrten vor der WM in Kitzbühle und Chamonix gewonnen © getty

Ein Garmisch-Experte düpiert die Favoriten. Ausreden sind schnell bei der Hand. Cuche nimmt sich die Organisatoren zur Brust.

Aus Garmisch-Partenkichen berichtet Andreas Kloo

Garmisch-Partenkirchen - Zweites Herrenrennen bei der Ski-WM, zweiter Außenseitersieg.

Auch in der Spezialabfahrt gingen die Favoriten leer aus. Und wieder sahen sie sich durch die Verhältnisse benachteiligt.

Nach dem Super-G war es die Eispiste gewesen, nach dem Abfahrtssieg des Kanadiers Erik Guay beschwerten sich viele Fahrer über den teilweise aufgeweichten Schnee.

Der Österreicher Klaus Kröll, durch seinen Sieg in Wengen einer der Mitfavoriten, mäkelte am "Frühjahrsschnee" herum: "Für diese Verhältnisse habe ich nicht die richtige Einstellung gefunden, ich bin nicht ins Fahren gekommen."

"Immer mehr Spuren"

In der Tat baute die Piste im unteren Bereich immer mehr ab, wie Silbermedaillengewinner Didier Cuche bestätigte:

"Es wurde immer weicher und gab immer mehr Spuren", schilderte der absolute Topfavorit die Bedingungen bei seiner Fahrt.

Im Normalfall hätte sich der Führende im Abfahrtsweltcup mit Rang zwei nicht zufrieden gegeben, doch "für diese schwierigen Verhältnisse" sei das "eine gewonnene Silbermedaille und kein verlorenes Gold".

Das galt umso mehr, da Cuche den bislang erfolglosen Schweizern die erste Medaille bei dieser WM bescherte. (STATISTIK: Der Medaillenspiegel)

Miller abgeschlagen

Andere Favoriten traf es dagegen umso härter.

Bode Miller, der als 22. mit der höchsten Nummer aller Siegkandidaten ins Rennen ging, landete nur auf Rang 15.

Kröll ging direkt vor Miller ins Rennen und wurde 11. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: Die News im TV auf SPORT1)

Änderung bei Startreihenfolge gefordert

Miller hatte schon vor einigen Tagen eine Änderung bei der Startnummernvergabe moniert.

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Cuche schlug nach dem Rennen in die gleiche Kerbe: "Da muss man sich etwas überlegen und den Besten vielleicht die Nummern 10 bis 16 geben."

Aktuell starten die Führenden der Weltrangliste zwischen16 und 22. Sieger Erik Guay stürzte sich als Zehnter die Kandahar hinab.

"Nichts mehr zu tun mit Skifahren"

Gerade in Redefluss gekommen, nahm sich Cuche noch einmal die Organisatoren zur Brust und kritisierte erneut die Pistenpräparierung.

"Das kann doch nicht sein, auf 20 Metern 18 Schläge", beschwerte sich der Schweizer über die ruppige Oberfläche und fügte hinzu: "Das hat nichts mehr zu tun mit Skifahren."

Er warte weiterhin auf eine Erklärung durch die Organisatoren. "Vielleicht wollte man mehr Spektakel", suchte er nach Gründen und warf den Verantwortlichen vor, die Fahrer in Gefahr gebracht zu haben."Wir hatten Glück, dass nicht mehr passiert ist."

Stürze im Zielraum

Stürze ereigneten sich bei der Spezialabfahrt größtenteils im Ziel. Zahlreiche Fahrer kamen nach Überqueren der Ziellinie zu Fall und krachten in die abgepolsterte Zielraumbegrenzung 350731(Die Bilder des Rennens).

Schwerere Verletzungen blieben dabei aus.

Für Cuche seien die Schläge die Gründe für diese Stürze. Er selbst sei 50 Meter vor dem Ziel duch eine Bodenunebenheit aus der Balance geraten.

Ein Fehler, der dem 36-Jährigen wohl letztlich die Goldmedaille kostete.

[kaltura id="0_jwm9i1eg" class="full_size" title="Fenninger feiert Super Kombi Sieg"]

Erst Eis-, dann Garmisch-Experte

Die gewann erneut ein Spezialist - wie bereits im Super-G. (SERVICE: Der WM-Zeitplan)

Am Mittwoch hatte der Südtiroler Christof Innerhofer die Favoriten düpiert 349055(Die Bilder des Rennens). Der Experte für Eispisten holte als Dritter auch diesmal eine Medaille.

In der Abfahrt schlug dann ein Garmisch-Experte zu. Dem Kanadier Erik Guay liegt die Kandahar in Garmisch wie keinem Zweiten.

Bereits zwei Siege in Garmisch

Seinen ersten Weltcupsieg im Februar 2007 feierte er hier ebenso wie seinen dritten im März 2010. (DATENCENTER: Alle Weltcup-Ergebnisse 2010/11)

"Garmisch war immer ein gutes Pflaster für mich, seit ich das erste Mal hier war", umschrieb er seine besondere Beziehung zum WM-Ort.

Gedanke an verletzte Kollegen

Mit seiner Goldmedaille wiederholte er außerdem den Triumph seines Landsmanns John Kucera, der sich vor zwei Jahren zum Abfahrtsweltmeister gekrönt hatte. Der Titelverteidiger fehlt nach einem Beinbruch im Vorjahr bei dieser WM.

Ihm und dem ebenfalls verletzten Manuel Osborne-Paradis widmete Guay seine Goldmedaille.

"Wir hatten viele Verletzungen und harte Zeiten. Das ist auch ein bisschen für die Kollegen, sie werden alle zurückkommen."

Sander mit Knieschmerzen

Sturzpech hatte auch einer deutschen Teilnehmer. Andreas Sander krachte nach dem Kramersprung in ein Tor und landete schließlich im Fangzaun.

Dabei zog er sich einen Innenbandriss im rechten Knie zu. "Jetzt ist der Schock, das ganze Adrenalin weg, jetzt tut das richtig weh" beschrieb er seine Schmerzen.

Vier Wochen Pause

Laut Teamarzt Ernst-Otto Münch fällt der 21-Jährige vier Wochen aus, eine Operation bleibt ihm aber erspart. Ob Sander in diesem Winter noch einmal starten kann, ist unklar. Das Saisonfinale findet vom 16. bis 20. März in Lenzerheide (Schweiz) statt.

"Das ist natürlich sehr bitter, weil ich in dieser Saison gut gefahren bin", sagte Sander in einer ersten Reaktion, jedoch war er auch "froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist".

Stechert enttäuscht

Sanders Teamkollege Tobias Stechert kam zwar unverletzt ins Ziel, enttäuschte aber als 31.mit fast fünf Sekunden Rückstand.

Der Oberstdorfer machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: "Ich fahre ins Ziel, die Tribüne ist gesteckt voll, und ich habe vier, fünf Sekunden Rückstand. Das ist sicher nicht das, was man sich vorstellt."

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