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Maria Riesch wurde 2009 in Val d'Isere Weltmeisterin im Slalom © getty

Die DSV-Hoffnung trotzt der Grippe und fährt bei der Abfahrt aufs Podest. Überstrahlt wird Riesch nur von "Königin Elisabeth I.".

Garmisch-Partenkirchen - Maria Riesch hustete und hustete, doch dazwischen zeigte sie das gelöste Lächeln einer Siegerin.

Trotz der Nachwehen einer Virusgrippe gewann die geschwächte Doppel-Olympiasiegerin mit einer bemerkenswerten Energieleistung bei der WM-Abfahrt schon ihre zweite Medaille, wie bereits im Super-G belegte sie Rang drei.

Wie bereits im Super-G gewann Elisabeth Görgl aus Österreich, doch für die Lokalmatadorin

fühlte sich auch ihre zweite Bronzemedaille an wie Gold: "Nach der ganzen Vorgeschichte habe ich das wirklich nicht erwartet. Diese Medaille hat für mich einen ganz besonderen Stellenwert. Das ist ein Geschenk", sagte sie.

Einbruch zum Ende

Bis vor der Einfahrt in den langen Zielschuss bewegte sich Maria Riesch sogar noch in Schlagdistanz zu Elisabeth Görgl, auf den letzten 400 Metern der knapp drei Kilometer langen, kräftezehrenden Kandahar ging ihr dann allerdings erkennbar der Sprit aus.

"Bis zur letzten Zwischenzeit war Maria sensationell unterwegs, eine Hammervorstellung, die alle Anerkennung verdient", betonte der deutsche Alpindirektor Wolfgang Maier.

Mit 0,60 Sekunden Rückstand auf die neue Doppel-Weltmeisterin Görgl reichte es deshalb wenigstens zu Bronze, nur Lindsey Vonn (USA), Titelverteidigerin und Olympiasiegerin, schob sich noch dazwischen und holte 0,44 Sekunden hinter "Golden Görgl" Silber. 351130(Bilder der Abfahrt)

Einfach nur "runterhauen"

Am Ende standen drei glückliche Damen auf dem Siegertreppchen. Lindsey Vonn und Maria Riesch waren sich trotz der tagelangen Nörgelei der Amerikanerin noch im Zielraum um den Hals gefallen als feststand, dass es für sie beide zu einer Medaille reichen würde.

"Ich habe nicht mehr mit einer Medaille in der Abfahrt gerechnet, ich hatte mich gedanklich damit arrangiert, dass ich keine gewinne, ich mir nur gedacht, ich hau mich da voll runter", sagte Riesch, die durch ihre Virusgrippe und den Start in der Super-Kombination am Freitag (11.) viel Kraft gelassen hatte.

Start eine Art Pflicht

"Sicher waren die Voraussetzungen nicht optimal", ergänzte sie, "aber ich will jetzt nicht mehr jammern." (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: Die News im TV auf SPORT1)

Eine Grippe, sagte Maria Riesch dann doch noch, "geht nicht von einem Tag auf den anderen weg." Aber es sei ja schließlich WM; es ist sogar in gewisser Weise "ihre" WM.

"Viele Leute kommen hierher und zahlen viel Geld, da gehört es sich einfach, dass man startet", sagte die 26-Jährige.

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WM-Medaillen in Abfahrt und Super-G

Und wer trotz Krankheit fährt, ohne ein richtiges Training die Kandahar bezwingt und dann am Ende sogar noch eine Medaille gewinnt, darf in der Tat ein bisschen stolz auf sich sein.

Maria Riesch ist übrigens die erste deutsche Ski-Rennläuferin mit Medaillen in Abfahrt und Super-G bei ein und derselben Großveranstaltung. Vielleicht hat geholfen, dass sie am Samstagabend noch im Kirchenzelt im WM-Park war.

Lindsey Vonn war ihrerseits "sehr stolz" über Platz zwei.

Drittes Gold für Österreich

Die glücklichste Dame am Sonntag war aber zweifelsohne Elisabeth Görgl.

Im dritten WM-Rennen der Frauen gewann sie schon das dritte Gold für die Österreicherinnen, nach ihrem eigenen Sieg im Super-G am vergangenen Dienstag 348308(Bilder des Super-G) war Mannschaftskollegin Anna Fenninger am Freitag die unerwartete Gewinnerin in der Super-Kombi350174(Die Bilder der Super-Kombi) gewesen.

"Es ist unglaublich, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Es ist einfach geil, einfach ein Wahnsinn", sagte "Königin Elisabeth I. von Garmisch-Partenkirchen".

Am Abend, kündigte sie an, werde sie es nun richtig krachen lassen.

Görgl nutzt Schwächen der Gegner

Görgl nutzte in Garmisch-Partenkirchen die Gunst der Stunde. Lindsey Vonn und Maria Riesch, die zusammen die letzten 15 Abfahrten gewonnen hatten, waren nicht in Bestform. (DATENCENTER: Alle Weltcup-Ergebnisse 2010/11)

Vonn, die nun beide WM-Titel von 2009 an Görgl verloren hat, klagte beinahe stündlich über Kopfschmerzen.

Allerdings kam Görgl, die in ihrer Karriere noch keine Abfahrt gewonnen hatte, auch mit den Bedingungen am besten zurecht. Am Sonntag war die Kandaher eher weich, "ich mag diesen Schnee", sagte sie.

Nächstes Ziel: Gesund werden

Maria Riesch und mit ihr die deutsche Mannschaft können die zweite WM-Woche nun sehr gelassen angehen. Drei Medaillen sollten es werden, zwei sind es nun schon, trotz widriger Umstände.

"Es gibt eine entspannte nächste Woche", sagte Maier.

Maria Riesch hat derweil nur ein Nahziel: "Ich versuche jetzt schnell gesund zu werden."

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