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Andreas Sander gewann 2008 bei der Junioren-WM Gold im Super-G © imago

Der eine verletzt, der andere enttäuscht: Für Andreas Sander und Tobias Stechert nimmt die Heim-WM einen denkbar schlechten Verlauf.

Garmisch-Partenkirchen - Am Abend nach seinem schlimmen Sturz bei der WM-Abfahrt hatte Andreas Sander sein Lächeln wiedergefunden.

Der 21-Jährige saß im Restaurant Alpenhof in Garmisch-Partenkirchen inmitten seiner Familie, und nur die Tatsache, dass er sein rechtes Bein auf einen Barhocker hochgelegt hatte, verriet, was ihm am Mittag widerfahren war.

Sander hatte bei einem bösen Sturz das Innenband im rechten Knie gerissen und damit für den negativen Höhepunkt einer für die beiden deutschen Abfahrer enttäuschenden WM gesorgt.

Olympischer Gedanke zählt nicht

Im Super-G war Sander 21. geworden, das war "in Ordnung", wie Alpindirektor Wolfgang Maier sagte.

Der Oberstdorfer Tobias Stechert aber war ausgeschieden und machte es am Samstag mit Platz 31 nicht viel besser. (STATISTIK: Der Medaillenspiegel)

"Da braucht man nichts schönreden, das war nichts Besonderes. Man muss sich jetzt nicht freuen wie die Sau, nur weil man bei der WM dabei war", sagte Stechert über sein WM-Debüt.

Angst ums Kreuzband

Sander hatte den Zielraum am Mittag mit bangem Blick verlassen, abends war er aber wieder gut aufgelegt. "Es hätte viel schlimmer kommen können", sagte er über seinen Unfall. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: Die News im TV auf SPORT1)

Als er die Schmerzen im Knie spürte, dachte er "gleich ans Kreuzband". Das aber blieb heil, Sander muss lediglich vier Wochen pausieren.

Gegen Saisonende könnte er bereits wieder in den Europacup, die zweite Liga des Skisports, zurückkehren. "Daher fahre ich hier trotzdem mit einem guten Gefühl weg", sagte er - und ließ sich von Freunden und Verwandten ein bisschen feiern. (DATENCENTER: Alle Weltcup-Ergebnisse 2010/11)

Ab in den Fangzaun

Die hatten ihrem Andi an der Strecke die Daumen gedrückt und wie die 10.000 Fans vor Schreck aufgeschrien, als Sander stürzte. 350731(Die Bilder der Abfahrt)

[kaltura id="0_apu8o0qt" class="full_size" title="Kanadier Guay jubelt ber WM Gold"]

Nach eineinhalb Fahrminuten erwischte er den Kramersprung nicht optimal, bei der Landung versuchte er deshalb, seine Skier wieder fest in den Schnee zu drücken.

Dabei ging er aber so brutal vor, dass er von der Ideallinie abkam und in ein blaues Richtungstor fuhr. Das flog davon - und der frühere Junioren-Weltmeister in den Fangzaun.

Schmerzen erst im Ziel

Sander beschrieb seine Gedanken im Moment des Sturzes so: "Totaler Schock, fuck." Er habe versucht, sich vor dem Aufprall steif zu machen, "aber das ging so schnell, viel war da nicht mehr möglich".

Nach bangen Minuten stand Sander auf und fuhr unter dem Jubel der Fans ins Ziel.

Erst dort kamen die Schmerzen, "weil der Schock, das ganze Adrenalin weg war", wie er berichtete.

Sturz als Erfahrung

Am Abend humpelte Sander noch, seine beiden ersten Auftritte bei einer WM wollte er aber nicht zu negativ sehen. (SERVICE: Der WM-Zeitplan)

"Ich wollte mich gut verkaufen. Das ist mir im Super-G halbwegs gelungen und die Abfahrt und vielleicht auch der Sturz waren wichtig, um Erfahrung zu sammeln", sagte er.

Dann verzog er noch einmal kurz das Gesicht und deutete auf sein Knie. "Es tut immer noch weh."

"Nicht das, was man sich vorstellt"

Stechert dagegen fehlte nichts, dennoch litt er. In Garmisch musste er die Erfahrung machen, dass der Weg zurück nach dem zweiten Kreuzbandriss steiniger ist als er es gehofft hatte.

"Ich fahre ins Ziel, die Tribüne ist gesteckt voll, und ich habe vier, fünf Sekunden Rückstand. Das ist nicht das, was man sich vorstellt", sagte er. Tatsächlich lag er 4,90 Sekunden hinter Weltmeister Erik Guay aus Kanada.

Das Feuerwerk, das Kumpels aus dem heimischen Fischen für ihn zündeten, konnte ihn da kaum trösten. "Die sind ein bisschen pyromanisch veranlagt", sagte er lächelnd.

Dann verfinsterte sich seine Miene wieder.

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