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Die Slowenin Tina Maze starrte nach dem Super-G ungläubig auf die Anzeigetafel © imago

Herren-Rennleiter Florian Eckert setzt sich gegen Kritik an der Strecke zur Wehr. Doch Technik-Chaos sorgt neuerlich für Unmut.

Aus Garmisch-Partenkirchen berichtet Andreas Kloo

Garmisch-Partenkirchen - Rein sportlich fällt die Halbzeitbilanz der Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen erfreulich aus.

Die Zuschauer erlebten bislang spektakuläre Rennen mit nicht immer erwarteten Siegern wie dem Kanadier Erik Guay in der Abfahrt.

Und der DSV hat zumindest bei den Damen dank Maria Riesch seine Zielsetzung von zwei Medaillen bereits erreicht.(STATISTIK: Der Medaillenspiegel)

"Das ist eine Heim-WM. Da wollten wir uns entsprechend präsentieren. Und das ist gelungen", zog DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier zufrieden Zwischenbilanz.

Werbung für Olympia 2018

Präsentieren wollte sich auch der Austragungsort Garmisch-Partenkirchen.

Eine reibungslos durchgeführte Ski-WM galt vorab als letztes Faustpfand für die Olympia-Bewerbung 2018.

Doch reibungslos verlief in der ersten Woche der Titelkämpfe nicht alles.

Zunächst überschattete die Pistendiskussion die Wettbewerbe. Lindsey Vonn beschwerte sich über die Eis-Piste im Super-G, der Schweizer Didier Cuche legte nach der Abfahrt noch einmal nach.

Eckert kontert gegen Cuche

Herren-Rennleiter Eckert findet die Kritik der Fahrer allerdings maßlos übertrieben: "Mich überrascht, welch mediales Echo die Kritik von Einzelnen findet. Hier war denselben Läufern die Piste zwei Tage nachdem sie zu hart war, auf einmal zu weich", sagt er im Gespräch mit SPORT1 in Richtung Cuche.

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"Ich vermute, hier schlägt die Enttäuschung über nicht erreichte Ziele durch", glaubt der WM-Bronzemedaillengewinner von 2001.

In der Tat war Cuche als hoher Favorit in die Abfahrt gegangen, so dass Rang zwei doch als kleine Enttäuschung für ihn zu bewerten war.

Problem Wärmeeinbruch

Persönlich getroffen fühlt sich Eckert nicht von den Vorwürfen der Läufer: "Da ich weiß, dass unter den gegebenen Umständen die richtigen Entscheidungen getroffen wurden, macht mir die Kritik nichts aus."

Mit gegebenen Umständen meint Eckert die schwierigen klimatischen Bedingungen in Garmisch.

Ein Wärmeeinbruch sorgte in den letzten Tagen für über zehn Grad im WM-Ort.

Solider Grundstock als Schutzschicht

Deshalb müsse die Piste mit einem soliden Grundstock präpariert werden.

Dieser Grundstock enthält eine Wasserschicht, die gefriert. Das führte zu der harten und eisigen Piste bei den Super-G-Rennen. "Ohne diese Pistenvorbereitung sind Rennen während eines Wärmeeinbruchs wie am Samstag nicht durchführbar", stellt Eckert klar.

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Kuriose Zeit-Pannen

Die Pistenkritik ebbte gerade ab, da machte sich neuer Ärger breit.(SERVICE: Der WM-Zeitplan)

Mehrmals erschienen auf der Anzeigetafel im Zielraum, aber auch auf den TV-Bildschirmen weltweit falsche Zeiten.

Die Gründe für die peinlichen Zeit-Pannen muten äußerst kurios an.

Stadionsprecher zu laut

Bei der Fahrt der Slowenin Tina Maze im Super-G beispielsweise soll der Stadionsprecher "zu emotional" gesprochen haben.

Die Stimme aus dem Lautsprecher störte die Frequenz der Zeitmess-Anlage, so dass für Maze eine falsche Zeit angegeben wurde.

Die Slowenin wusste im Ziel nicht, wie ihr geschah, als ein Rückstand von drei Sekunden angezeigt wurde.

Slowenen legen Protest ein

Nachträglich wurde der Rückstand auf 1,24 Sekunden korrigiert. Doch ein slowenischer TV-Journalist hat per Video-Studium nachgeprüft und stellte dabei seiner Meinung nach fest: Die Zeit ist noch immer falsch.

Maze soll über eine halbe Sekunde schneller gewesen sein. Der slowenische Verband hat bereits inoffiziell Protest eingelegt.

Auch Christof Innerhofer war mit seiner Zeit aus der Kombi-Abfahrt nicht einverstanden und legte Protest ein - trotz der errungenen Silbermedaille. Dem Protest wurde nicht stattgegeben.

Schneeschmelze stört Zeitnahme

Doch es kam noch zu weiteren Zeit-Pannen: Mal fehlte die Zeit im Ziel, Zwischenzeiten wurden gar nicht angezeigt oder mit einem völig unrealistischen Wert.

Einmal soll "ein Kabel rausgerutscht sein", dann wiederum habe der abschmelzende Schnee die Position der Zeitmess-Pfosten verschoben. Und schließlich kam in einem anderen Fall "ein Datenpaket nicht im Ziel an".

Peter Fischer, Chef des Organisationskommitees, macht aus seiner Unzufriedenheit mit der Zeitmessfirma keinen Hehl: "Die Zeitnahme muss einfach klappen bei einem Rennen. Das ist Standard, ob bei einem Schülerrennen oder einer WM."

Bleibt zu hoffen, dass weitere Pannen ausbleiben.

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