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Jean-Pierre Roy will mit seiner Teilnahme bei der WM auf die Lage in Haiti hinweisen © imago

Jean-Pierre Roy ist 47 Jahre alt, Großvater und komische Nebenfigur der WM - eine Rolle, die er für einen guten Zweck spielt.

Garmisch-Partenkirchen - Jean-Pierre Roy kommen die Tränen.

"Ich bin sehr stolz, Haiti repräsentieren zu dürfen", sagt er, dann übermannen ihn die Gefühle. Er schluchzt, seine Stimme versagt.

Roy, 47 Jahre alt und mittlerweile seit zwei Jahren Großvater, startet bei den Weltmeisterschaften für das Land seiner Väter.

In Garmisch-Partenkirchen ist er deshalb schon zu einer kleinen Berühmtheit geworden, er nutzt das aus, am Mittwoch hat er sogar eine Pressekonferenz gegeben. (347148DIASHOW: Deutsche Sternstunden bei der Ski-WM).

Größeres Ziel als kurzer Ruhm

Sportlich betrachtet ist Roy eine komische Randerscheinung, aber er hat den Anspruch, mehr zu sein als das.

Roy, das versichert er glaubhaft, das zeigen auch seine Emotionen, will keiner dieser Exoten sein, die sich für ihre paar Sekunden Berühmheit mal eben schnell in einen Rennanzug pressen.

Er will Aufmerksamkeit erzeugen für Haiti, das vom Erdbeben im Januar 2010 verwüstete Land, er will helfen, irgendwie, er bittet um Spenden für Hilfsorganisationen.

Viel Zuspruch

Roy erfährt viel Zuspruch. "Ich habe mit Lindsey gesprochen, mit Bode, mit Innerhofer. Alle machen mir Mut, alle sind sehr sensibel, wenn es um das Thema Haiti geht", berichtet er.

Dass seine sportlichen Chancen gleich null sind - was solls.

Der Großvater der Ski-WM

Roy stammt aus Haiti. Im Alter von zwei Jahren ist er mit seiner Familie geflüchtet vor dem damaligen Diktator Francois Duvalier. Drei Wochen dauerte die Fahrt mit dem Schiff nach Le Havre, Frankreich.

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Mittlerweile lebt Roy in Paris, er ist Computer-Ingenieur, betreibt eine kleine Computer-Firma. Seine Tochter ist 22 Jahre alt, er hat zwei Enkelkinder.

"Ich bin wahrscheinlich der einzige Großvater der Welt, der an der Ski-WM teilnimmt", sagt er mit einem bescheidenen Lachen.

Zum ersten Mal auf Skiern stand er übrigens im Alter von acht Jahren, bei einem Schulausflug. "Es hat mir gefallen."

Er musste etwas tun

Ihn als publicity-geil zu bezeichnen, würde Roy nicht gerecht werden.

Er kann über sich lachen, er bezeichnet sich selbst als Ski-Tourist, doch seine Tage im Rampenlicht sollen nur einem Zweck dienen.

"Haiti ist ein wunderbares Land, aber es ist mehr als Elend und Cholera. Wir brauchen Projekte, mit denen den Menschen geholfen wird", sagt Roy.

Im Oktober war er zum bisher letzten Mal dort, es hat ihn abermals schwer mitgenommen. Er musste etwas tun, irgendetwas.

Letzter - über eine Minute Rückstand

"Mein Ziel ist es, einen positiven Blick auf Haiti zu lenken", sagt Roy, "und vielleicht kann ich die Menschen dort ein bisschen stolz machen."

Um bei der WM starten zu können, gründete Roy am 6. November mit zwei Freunden den haitianischen Skiverband FHS. Dann brauchte er ein paar Starts bei Rennen, um die Teilnahmeberechtigung für die WM zu bekommen.

Seit 18. November bestritt er vier Slaloms und einen Riesenslalom, zuletzt belegte er beim FIS-Slalom in Les Deux Alpes den letzten Platz, mit über einer Minute Rückstand auf den Vorletzten.

In der Weltrangliste liegt er nun auf Rang 7147 im Riesenslalom und auf Rang 7216 im Slalom. Am Donnerstag muss er erst einmal in die Riesenslalom-Qualifikation (SERVICE: Der WM-Zeitplan).

"Er muss verrückt sein"

"Er muss verrückt sein. Ich frage mich, warum er das tut. Er hat doch Familie", sagt Thierry Montillet, sein Freund und Trainer.

Montillet ist ein Cousin der ehemaligen französischen Rennläuferin Carole Montillet, 2002 Abfahrts-Olympiasiegerin.

"Jean-Pierre ist ein guter Skifahrer", behauptet der hauptberufliche Nachtwächter. Im Vergleich mit anderen Touristen mag das wohl zutreffen. Aber ein Rennläufer?

Roy hat keine Kondition, schon beim Anziehen seines neuen Rennanzugs, beim Anschnallen der Skier kommt er aus der Puste. Aber darum geht es schließlich nicht.

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