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Der WM-Teamwettbewerb entpuppte sich als Publikumsmagnet © getty

Felix Neureuther nimmt den Teamwettbewerb als WM-Generalprobe und zieht trotz des Viertelfinals-Aus ein positives Fazit.

Aus Garmisch-Partenkichen berichtet Andreas Kloo

Garmisch-Partenkirchen - Die Reaktionen im Zielraum zeigten, wie ernst die Fahrer den WM-Teamwettbewerb genommen hatten.

Die US-Boys Bode Miller und Ted Ligety verließen nach dem Viertelfinal-Aus gegen Italien mit hängenden Köpfen das Gelände.

Und auch Felix Neureuther war ein wenig enttäuscht: "Schade, dass es so knapp nicht gereicht hat", sagte der DSV-Athlet nach dem knappen Aus gegen Frankreich.

Zuvor war noch der sportliche Stellenwert des Mannschaftswettkampfs angezweifelt worden. Doch das Rennen am Mittwoch wischte alle Zweifel beiseite 352701(DIASHOW: Der Teamwettbewerb).

Explosiver Neureuther

Vor allem der Garmischer Neureuther ging in seiner Heimat hochmotiviert zu Werke.

Im Auftaktduell gegen die Slowakei wuchtete er sich dermaßen explosiv aus dem Starthaus, dass er seinem Gegner Adam Zampa gleich zu Beginn mehrere Meter abnahm.

"Ich habe das heute als Generalprobe gesehen", stellte er hinterher klar.

Am Freitag geht Neureuther im Riesenslalom (ab 9.45 Uhr im LIVE-TICKER) an den Start, am Sonntag steht dann mit dem Slalom auf "seinem" Gudiberg der sportliche Höhepunkt für den 26-Jährigen an (SERVICE: Der WM-Zeitplan).

Psychologischer Vorgeschmack

"Da werde ich jetzt nicht ins kalte Wasser geworfen", erklärte er den Sinn des Teameinsatzes.

"Ich habe hier heute einiges mitgenommen", fügte er hinzu. Neben der "sauguten" Stimmung gehörte dazu auch schon ein Vorgeschmack auf den psychischen Druck, den er beim Slalom am Sonntag spüren wird.

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"Wenn du 1:2 hinten liegst, unbedingt punkten musst und gegen einen Mann wie Richard antrittst, dann ist der Druck auch sehr hoch", schilderte er seine Gefühlslage im Starthaus vor dem entscheidenden Duell gegen seinen französischen Kontrahenten.

Aus gegen späteren Weltmeister

Neureuther hielt dem Druck zwar stand und entschied das Duell für sich. Doch beim Stande von 2:2 musste der Zeitvergleich der beiden besten Fahrer entscheiden. Und da setzten sich die Franzosen durch.

"Es war definitiv keine Schande, gegen Frankreich auszuscheiden", hielt Neureuther aber fest 347148(DIASHOW: Deutsche Sternstunden bei der Ski-WM).

In der Tat hatte das junge deutsche Team den späteren Weltmeister am Rande einer Niederlage. Dabei war der DSV ohne die drei starken Riesenslalom-Damen Maria Riesch. Viktoria Rebensburg und Kathrin Hölzl angetreten.

Testfahrt auf Riesenslalom-Hang

Dass es nicht zum Sieg gegen Frankreich reichte, lag auch ein bisschen an Fritz Dopfer, der im Zweikampf mit Thomas Fanara stürzte (STATISTIK: Der Medaillenspiegel).

Darüber ärgerte er sich auch nach dem Rennen noch lange. "Ich bin in dieser Saison kein einziges Mal ausgeschieden, und dann passiert mir das ausgerechnet heute", haderte der 23-Jährige mit sich selbst.

Dennoch nahm auch er Positives mit. Als Training für den Riesenslalom am Freitag sei der Wettkampf ideal gewesen: "Wir sind heute schon mal den unteren Teil des Hangs gefahren."

Showdown für die Zuschauer

Vor allem aber lobte er den Wettbewerb an sich und stellte fest: "Das hat heute Spaß gemacht."

Der Großteil der Fahrer war Dopfers Meinung. "Das Rennen ist ein richtiger Showdown. Vor allem für die Zuschauer ist es klasse", äußerte sich die Kanadierin Britt Janyk zufrieden.

Start-Sturz und Rückwärts-Fahrt

In der Tat hatten die Zuschauer ihren Spaß. Bei den hautnahen Duellen im Parallel-Riesenslalom war für reichlich Show gesorgt.

Der Kanadier Paul Stutz lieferte eine unfreiwillig komische Einlage, als er schon beim Verlassen des Starthauses zu Fall kam.

Der Schwede Hans Olsson fuhr, als sein Sieg bereits feststand, rückwärts über die Ziellinie.

Und spannend war der Wettbewerb schon von Beginn an. In vielen Duellen ging es eng zur Sache.

Stimmung so gut wie nie

Österreich entging im Viertelfinal-Duell gegen Kroatien nur dank des besseren Zeitvergleich einem frühen Aussscheiden.

Die Stimmung im fast voll besetzten Zielraum war deshalb beim Teamwettbewerb so gut wie noch nie bei dieser WM.

Für Dopfer stand deshalb fest: "Das war heute Super-Werbung für den Skisport." Teamkollege Neureuther pflichtete ihm bei: "Der Wettbewerb ist absolut olympiawürdig."

FIS-Präsident Gian Franco Kasper macht Neureuther Hoffnung: "Ich rechne schon für 2014 in Sotschi damit."

Kreuzbandriss bei Raich

Nur für den Österreicher Benjamin Raich nahm der Teamwettbewerb ein tragisches Ende.

Der Doppel-Olympiasieger zog sich bei seinem Ausscheiden gegen Kroatien einen Riss des vorderen linken Kreuzbandes, einen Knorpelabbruch des äußeren Schienbeinkopfes und einen Teileinriss des äußeren Meniskus zu und wurde noch im Laufe des Mittwochs in Innsbruck operiert.

Der 45-minütige Eingriff verlief ohne Komplikationen. Die Weltmeisterschaften und die restliche Saison sind für Raich damit beendet.

"Ich bin sehr aufgewühlt", teilte Raich am Nachmittag mit und bedauerte, dass er seine "zwei große Chancen" im Riesenslalom und im Slalom nicht mehr wahrnehmen kann.

Für den ehemaligen Gesamtweltcupsieger, der bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen bisher elf Medaillen gewonnen hat, ist es die erste schwere Verletzung seiner Laufbahn. Der Pitztaler trug es allerdings mit Fassung.

Wenn man das Schicksal seines Landsmanns Hans Grugger betrachte, sei seine Situation "wieder relativ harmlos. Ich hoffe, dass bei mir alles gut verläuft."

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