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Kathrin Hölzl feierte in ihrer Karriere bislang zwei Weltcupsiege © getty

Mysteriöse Schmerzen setzten Kathrin Hölzl lange außer Gefecht. Eine WM-Teilnahme schien unwahrscheinlich. Nun startet sie doch.

Aus Garmisch-Partenkichen berichtet Andreas Kloo

Garmisch-Partenkirchen - Kathrin Hölzl startete mit einem perfekten Lauf.

45 Hundertstelsekunden lag sie nach dem ersten Durchgang der Saison 2010/11 vor der Konkurrenz. Besser hätte die Saison für die Riesenslalom-Weltmeisterin in Sölden also nicht beginnen können.

Die Saison mit dem Höhepunkt Heim-WM, bei der Hölzl als Titelverteidigerin an den Start gehen sollte. Die 26-Jährige schien im Herbst für die Mission Titelverteidigung gerüstet zu sein.

Doch dann kamen plötzlich diese rätselhaften Rückenschmerzen. Niemand wusste so recht die Ursache.

Letztes Rennen Mitte Januar

Die Schmerzen wurden immer stärker, die Zeit bis zu den Weltmeisterschaften in Garmisch immer kürzer. Mitte Januar bestritt Hölzl in der Flachau ihr letztes Weltcup-Rennen. Danach ging gar nichts mehr.

"Wir hatten sie eigentlich schon aufgegeben", blickt DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier zurück. Hölzls Teilnahme am WM-Riesenslalom (ab 9.45 Uhr im LIVE-TICKER) grenzt nun fast an ein Wunder.

Drei Wochen auf dem Sofa

In den letzten Wochen konnte sie nicht einmal schmerzfrei Treppensteigen. "Ich lag jetzt drei Wochen auf dem Sofa", berichtet die Bischofswiesenerin.

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Dass sie überhaupt in Garmisch an den Start gehen kann, verdankt sie dem Besuch bei einem Muskelspezialisten (SERVICE: Der WM-Zeitplan).

Lange falsch therapiert

Der erkannte die Ursache für Hölzls Schmerzen: ein sogenannter Rheumafaktor. Wobei ein Rheumafaktor auch nur ein Indiz für eine rheumatische Erkrankung ist.

"Eine wirkliche Diagnose gibt es nicht", stellt die Riesenslalomfahrerin nämlich fest.

Zuvor war Hölzl monatelang "auch ein bisschen falsch therapiert worden", wie Maier zugibt. Man ging von eher klassischen Rückenbeschwerden aus.

Doch der Spezialist, an den sich Hölzl schließlich wandte, machte die zurückhaltende Skifahrerin durch permanente Physiotherapie noch rechtzeitig fit für die Titelkämpfe 347148(DIASHOW: Deutsche Sternstunden bei der Ski-WM).

"Brutaler Muskelkater"

Ob sie allerdings wirklich in den Kampf um die Medaillen eingreifen kann, ist fraglich. Hölzl fehlen fünf Wochen Rennpraxis (STATISTIK: Der Medaillenspiegel).

Am Montag trainierte sie erstmals wieder auf Skiern. Danach klagte sie über einen "brutalen Muskelkater". Hölzl ahnt, dass ihr am Donnerstag "ein bisschen die Kraft fehlen wird".

Dennoch wollte sie im Riesenslalom unbedingt antreten: "Bei einer Heim-WM will man unbedingt dabei sein, deshalb muss man ein bisschen auf die Zähne beißen", gibt sich die Titelverteidigerin kämpferisch.

Riesch hustet noch

Auf die Zähne beißen musste zuletzt auch Maria Riesch.

Trotz einer Virusgrippe gewann sie am Sonntag im Abfahrt die Bronzemedaille. Um sich vollständig zu erholen, verzichtete sie "schweren Herzens" auf den Teamwettbewerb 352701(Bilder).

"Ich fühle mich schon wieder ganz fit, habe nur noch ein bisschen Husten", berichtete sie nach dem Riesenslalomtraining.

Raus aus der Favoritenrolle

Auch Rebensburg hatte eine Grippe erwischt. Eine Woche lang lag die Olympiasiegerin flach. Nach drei Tagen Training fühlt sie sich schon wieder "annähernd bei 100 Prozent".

Bei normalem Verlauf wären die DSV-Damen als große Favoriten ins Rennen gestartet. Rebensburg hat bereits zwei Rennen in dieser Saison gewonnen, auch Hölzl und Riesch fuhren mehrmals aufs Podest.

Doch nun ist die Lage etwas anders. "Das reduziert unsere Chancen insgesamt schon ein bisschen", sagt Riesch angesichts der gesundheitlichen Probleme.

Hölzl geht dennoch motiviert an den Start: "Wenn ich mitfahre, dann will ich auch vorne mitfahren."

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