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Felix Neureuther gewann 2005 in Bormio WM-Gold mit der Mannschaft © getty

Neureuther enttäuscht beim WM-Riesenslalom, aber sein Herz schlägt ohnehin nur für das nächste Rennen. Sein Kumpel holt Gold.

Aus Garmisch-Partenkirchen berichtet Andreas Kloo

Manche hatten gemutmaßt, Felix Neureuther würde den Riesenslalom nur als Warm-Up für den Slalom auf seinem Hausberg am Sonntag nehmen.

Doch aus seiner Enttäuschung über den 34. Platz war herauszulesen, dass er sich ursprünglich einiges mehr vorgenommen hatte.

"Es tut schon sehr weh, weil ich gewusst habe, dass ich auch im Riesenslalom gut fahren kann", sagte er nach dem Ersten Durchgang.

Die Zwischenzeiten bestätigten Neureuthers Wissen über die eigene Stärke. Bei der zweiten Zeitnahme lag er klar auf Kurs Richtung Top 10 (SERVICE: Der WM-Zeitplan).

Doch dann rutschte er auf dem Innenski weg - ausgerechnet vor der Einfahrt ins Flache. So verlor er viel Tempo und letztlich 2,37 Sekunden auf den Führenden Aksel Lund Svindal.

Gedanke an Startverzicht

"Ein Lauf ohne Fehler war genau das, was ich mir vorgenommen hatte. Aber es ist mir nicht gelungen", ärgerte sich der 26-Jährige über den Ausrutscher.

Danach dachte Neureuther kurz sogar über einen Verzicht auf den Zweiten Durchgang nach, um seine Kraft für den Slalom (So, ab 9.45 Uhr im LIVE-TICKER) zu sparen.

Er entschied sich dann aber doch noch einmal anders.

"Das gehört sich so, wenn sich viele Leute extra wegen dir auf einen weiten Weg machen", begründete er seinen Start im Zweiten Lauf auf SPORT1-Nachfrage.

Konzentration auf Sonntag

Er riskierte zwar nicht mehr viel und blieb auf seinem 34.Platz hängen, sicherte sich aber wenigstens eine ruhige Nacht.

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"So kann ich einen Haken unter den Riesenslalom machen und in Ruhe schlafen. Sonst hätte ich ein schlechtes Gewissen gehabt, wenn ich hier nicht mehr angetreten wäre."

Neureuthers Blick nach dem enttäuschenden Riesenslalom richtete sich dann bereits Richtung Sonntag: "Da freue ich mich brutal drauf."

Leichte Rückenprobleme

Bleibt zu hoffen, dass ihm der Rückschlag vom Freitag nicht einen Knacks versetzt. Vom selbstbewussten Auftreten im Teamwettbewerb war jedenfalls nichts mehr zu spüren.

Hinzu kommt, dass Neureuther leichte Rückenprobleme plagen. Angeblich nichts Ernstes, sondern "Wehwehchchen,die man so mit sich rumschleppt."

[kaltura id="0_s2yntt67" class="full_size" title="Neureuthers Priorit t liegt auf Sonntag"]

Teamkollege Fritz Dopfer macht sich aber um das DSV-Aushängeschild keine Sorgen: "Der Felix weiß, was er bis Sonntag machen muss."

Dopfer selbt schaffte mit Rang 15 sein bestes Saison-Resultat und war nach dem 13. Platz im ersten Durchgang sogar ein wenig traurig, dass es nicht noch weiter nach vorne ging: "Es ist schon ein bisschen enttäuschend, wenn man ins Ziel kommt und sieht nicht die Eins aufleuchten."

Unbekümmerter Luitz

Für ein weiteres erfreuliches Resultat aus deutscher Sicht sorgte Youngster Stefan Luitz.

Der 18-Jährige ging völlig unbekümmert an die Sache ran. "Vor dem Start war ich schon sehr nervös", gab er zwar hinterher zu.

Doch auf der Strecke war davon nichts zu spüren. Bei der Zwischenzeit fehlten ihm im Ersten Durchgang nur 21 Hundertstel auf Svindal. Durch einen Fehler im Zweiten Lauf fiel er zwar von Rang 17 auf 29 zurück.

Hoffnungsträger für die Zukunft

Dennoch genoss der Junioren-Vizeweltmeister die WM-Atmosphäre, die er erstmals erleben durfte: "Eine Super-Stimmung, der Wahnsinn", freute er sich.

Luitz' Auftritt macht auf alle Fälle Hoffnung auf mehr: "Der Junge wird uns in der Zukunft noch viel Freude bereiten", ist sich Neureuther sicher 347148(DIASHOW: Deutsche Sternstunden bei der Ski-WM).

Gold an Neureuther-Kumpel

Freude bereitete Neureuther auch die Goldmedaille für seinen Kumpel Ted Ligety: "Er ist ein würdiger Weltmeister und ich freue mich sehr für ihn."

Ligety und den Deutschen verbindet eine lange Freundschaft: "Für ihn ist immer ein Gästebett frei", erzählt Neureuther.

Der US-Boy war der erste Topfavorit dieser Weltmeisterschaft, der sich auch den Titel sicherte. Mit drei Weltcupsiegen hatte er sich in die Favoritenrolle manövriert.

Umso mehr war er hinterher erleichtert. "Es ist hart, als Favorit zu starten. Der Druck ist viel größer. Und gutes Skifahren alleine ist keine Garantie für den Erfolg", stöhnte er über die Bürde des Favoriten (STATISTIK: Der Medaillenspiegel).

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