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Bronze in der Abfahrt und im Super-G sind die Ausbeute von Maria Riesch bei der Heim-WM © getty

Maria Riesch verliert ihren WM-Titel im Slalom. Die Lokalmatadorin spricht von großem Druck, zieht aber ein positives Fazit.

Garmisch-Partenkirchen - Die alte Weltmeisterin schaute ziemlich bedröppelt drein, die neue konnte ihr Glück kaum fassen.

Während Maria Riesch nach ihrem letzten Rennen bei der Heim-WM mit Rang vier im Slalom haderte, flossen bei Marlies Schild die Tränen der Freude und der Rührung.

"Ich kann es noch gar nicht glauben, ich bin einfach überglücklich. Wahnsinn", sagte die 29-jährige Österreicherin, die ihrem Ruf als beste Slalom-Fahrerin der Welt endlich gerecht wurde.

Ausgerechnet im "Wohnzimmer" der Titelverteidigerin und Olympiasiegerin Maria Riesch gewann Schild das erste Gold ihrer Karriere.

Ein Sauertopf namens Riesch

Riesch dagegen machte nach Bronze in Super-G und Abfahrt, Rang elf in der Super-Kombi und nach ihrem Aus im Riesenslalom ein ziemlich sauertöpfisches Gesicht.

"Mein großes Ziel, meinen großen Traum, Weltmeisterin bei der Heim-WM zu werden, habe ich nicht erreicht", sagte die Doppel-Olympiasiegerin, "eine totale Pleite war es auch nicht."

Dennoch spricht Riesch von ungeheurem Druck, der auf ihr lastete: "Dass jeder hier die Goldmedaille erwartet hat, fand ich übertrieben."

Die Lokalmatadorin war vor allem in der ersten WM-Woche von einem Grippe-Virus gehandicapt, dennoch hatte sie sich einen "super Abschluss erhofft". Zumindest eine dritte Bronzemedaille war auch greifbar, Maria Riesch aber verfehlte sie um 0,69 Sekunden.

Die Attacke kam zu spät

Nach Rang fünf in einem fast verschlafenen ersten Lauf ritt Maria Riesch auf dem Gudiberg volle Attacke.

Kurz vor dem Start hatte sie noch ihren geliebten Slalom-Ski mit der Nummer 14 gegen Bretter mit der Nummer 355 eintauschen müssen, sie flog dennoch zunächst über den Kurs, aber auf halber Strecke auch fast raus.

[kaltura id="0_941bhywn" class="full_size" title="Entt uschung im deutschen Lager"]

Im Ziel kam sie mit Bestzeit an, doch die hielt nicht lange. "Der vierte Platz ist ein bisschen undankbar", sagte Maria Riesch. (STATISTIK: Der Medaillenspiegel)

Trotzig verwies sie darauf, dass vor ihr nur die Slalom-Spazialistinnen Schild, Kathrin Zettel (Österreich) und Maria Pietilä-Holmner (Schweden) lagen.

Schild kürt sich zur Slalom-Königin

Der Sieg von Marlies Schild war allerdings eine logische Entwicklung der vergangenen Jahre.

"Es war die längst überfällige Krönung der Slalom-Königin", rief der Reporter des österreichischen Fernsehens ORF zurecht in sein Mikrofon.

Seit ihrem Sieg im Weltcup-Finale im vergangenen März am Gudiberg ist Marlies Schild bei zehn Slalom-Rennen an den Start gegangen. Zweimal schied sie aus - acht Mal gewann sie.

Als Maria Riesch bei der WM 2009 Gold gewann, war Schild verletzt. Als Maria Riesch bei Olympia Gold gewann, war Marlies Schild noch ganz fit und gewann "nur" Silber.

"Danke an Benni"

Acht Mal hatte Schild bei Weltmeisterschaften oder Olympia Silber oder Bronze gewonnen - Gold gab es nur 2007 mit der Mannschaft, der Titel, der ganz große Sieg, er fehlte.

Entsprechend gerührt war die Österreicherin somit am Fuße des Gudibergs. 347148(DIASHOW: Deutsche Sternstunden bei der Ski-WM)

Doch nicht nur deswegen. Am vergangenen Mittwoch beim Team-Wettbewerb hatte ihr Freund Benjamin Raich eine schwere Knieverletzung erlitten, einen Kreuzbandriss inklusive.

"Die Verletzung von Benni, ich jetzt Gold - das passt alles nicht so zusammen", sagte Marlies Schild und sagte dann ins TV-Mikrofon: "Danke an Benni, dass er mir gut zugesprochen hat."

DSV-Alpindirektor Maier enttäuscht

Die Geschichte der anderen deutschen Läuferinnen ist schnell erzählt.

Es passierte, wovor DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier schon zu Saisonbeginn ganz vorsichtig und vor zwei Wochen noch einmal deutlich vernehmbar gewarnt hatte.

Die lange Zeit beste Slalom-Mannschaft zeigte Auflösungserscheinungen.

Susanne Riesch schied fast schon erwartungsgemäß im zweiten Lauf aus, Fanny Chmelar (Partenkirchen) belegte Rang 15, Katharina Dürr (Germering) Rang 23, Christina Geiger (Oberstdorf) wurde nach dem ersten Lauf disqualifiziert.

"Das hat sich abgezeichnet", sagte Maier.

"Jetzt wissen alle mal, wo sie stehen"

Maier wollte es nicht laut sagen, aber der Sportdirektor wurde am Gudiberg von den Slalom-Läuferinnen bestätigt.

Vor zwei Wochen hatte er nach einer sehr empfindlichen Schlappe am Großen Arber in Zwiesel Alarm geschlagen. Er hatte gedroht, er werde halt einige aus der Damen-Riege nicht nominieren, wenn sie denn nicht mal langsam begreifen würden.

Begreifen, dass sie sich nicht immer hinter Maria Riesch verstecken dürften.

Auch nach dem WM-Slalom rückte Maier nicht davon ab. "Jetzt wissen alle mal, wo sie stehen. Manchmal braucht man einen Schuss vor den Bug, alle sind jetzt gezwungen umzudenken", sagte er.

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