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Maria Riesch: "Das Slalom-Team muss sich wieder aufrappeln" © getty

Die hochgewetteten Slalom-Damen erleben eine bittere Pleite. Maria Riesch und Fanny Chmelar legen hinterher den Finger in die Wunde.

Aus Garmisch-Partenkirchen berichtet Andreas Kloo

Garmisch-Partenkirchen - "Das war heute kein Riesch-Tag", zog Susanne Riesch ein enttäuschtes Fazit. Aus dem erhofften Familientreffen auf dem Slalom-Podest bei der WM war nichts geworden.

Susanne schied als Zwölfte des ersten Durchgangs im zweiten Lauf aus. Schwester Maria landete auf dem undankbaren vierten Platz.

Der Platz, über den sie nach dem Riesenslalom-Aus gesagt hatte: "Lieber stürze ich, als dass ich Vierte werde."

Nun musste sie sich doch mit dem Blech-Rang anfreunden, was ihr alles andere als leicht fiel.

Gold-Traum geplatzt

"Mein großes Ziel, meinen großen Traum, Weltmeisterin bei der Heim-WM zu werden, habe ich nicht erreicht", musste sie sich mit trauriger Miene eingestehen.

Im Slalom hatte sie sich eigentlich die größten Chancen ausgerechnet.

"Ich war in dieser Saison im Slalom immer auf dem Podium, bin Weltmeisterin und Olympiasiegerin in dieser Disziplin", erinnerte sie hinterher an ihre eigenen höheren Ansprüche.

"Aber es ist nicht ganz so schlimm, weil ich schon zwei Bronzemedaillen habe", tröstete sie sich ein wenig selbst.

Erwartungen nicht erfüllt

Rieschs zwei Medaillen aus Abfahrt und Super-G blieben so die einzigen für das deutsche Damen-Team. Von der hoch eingeschätzten Slalom-Mannschaft hinter Maria Riesch war nicht viel zu sehen. 347148(DIASHOW: Deutsche Sternstunden bei der Ski-WM)

Neben Susanne Riesch schied Christina Geiger bereits im Ersten Durchgang aus. Katharina Dürr landete nach zwei verkorksten Fahrten nur auf Rang 23, Fanny Chmelar musste sich mit Platz 15 zufrieden geben.

[kaltura id="0_941bhywn" class="full_size" title="Entt uschung im deutschen Lager"]

"Man hat gemerkt, dass WM ist, die anderen haben alle noch eine Schippe drauf gelegt", erkannte Susanne Riesch die Stärke der Konkurrenz an.

"Hat sich abgezeichnet"

Stellt sich die Frage, warum eine solche Leistungssteigerung bei den Titelkämpfen dem deutschen Team nicht gelungen ist.

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DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier schien gar nicht sonderlich überrascht vom schwachen Abschneiden seiner Damen. "Das hat sich abgezeichnet", sagte er und fühlte sich im Nachhinein bestätigt.

Bereits nach dem enttäuschenden Ergebnis beim letzten Weltcup-Slalom in Zwiesel hatte er zur Team-Schelte angesetzt. (STATISTIK: Der Medaillenspiegel)

Atmosphärische Störungen

Doch Maria Riesch fand diese Kritik nicht unbedingt förderlich: "Im Team herrschte zuletzt viel Unruhe, weil es noch um die WM-Tickets ging", berichtete die Doppel-Olympiasiegerin im Ziel.

Daran war Maier nicht ganz unschuldig. Er selbst hatte nach dem Rennen am Arber die WM-Tickets der offiziell bereits qualifizierten Fahrerinnen in Zweifel gezogen.

Auch Fanny Chmelar bestätigte, dass es um die mannschaftliche Atmosphäre nicht zum Besten bestellt ist: "In unserem Team geht es nicht so familiär zu", gewährte die Garmischerin Einblicke ins Innenleben.

Vielleicht hätte stärkerer Teamgeist einzelnen Fahrerinnen geholfen, dem Druck besser standzuhalten. "Es ist eine Heim-WM, das auszublenden gelingt nicht jedem", nannte Maria Riesch auch einen psychologischen Grund für die Pleite.

Lehrreiche Niederlage?

Maier sieht dennoch auch etwas Positives im schwachen Ergebnis: "Jetzt wissen alle mal, wo sie stehen. Manchmal braucht man einen Schuss vor den Bug, alle sind jetzt gezwungen umzudenken."

Maria Riesch fordert: "Das Slalom-Team muss sich jetzt wieder aufrappeln."

Ein erster Schritt dazu sollte schon am Samstag abend gemacht werden: "Jetzt gehen wir zusammen feiern. Der Druck vor diesem Rennen war für uns Slalomfahrerinnen schon enorm. Das muss jetzt raus", kündigte Schwester Susanne an.

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