Der DSV blickt auf eine mäßige Heim-WM zurück. Hinter Aushängeschild Riesch klafft für die Zukunft ein gewaltiges Loch.

Das Ende der Weltmeisterschaften verlief für die deutschen Ski-Fans alles andere als erwünscht.

Gerade in den beiden Slalom-Wettbewerben hatte man sich am meisten erhofft und von Gold für die beiden Lokalmatadoren Maria Riesch und Felix Neureuther geträumt. Doch in beiden Wettbewerben ging der DSV leer aus.

Das anvisierte WM-Ziel von drei Medaillen wurde letzlich nur knapp verpasst, denn Maria Riesch war im Slalom als Vierte nahe dran am dritten Edelmetall.

Für die Doppel-Olympiasiegerin selbst war dies aber eine kleine Enttäuschung, da sie fest das ersehnte Heim-Gold angepeilt hatte. Allerdings hatte sie während der Titelkämpfe mit einer Virusgrippe zu kämpfen.Größer jedoch ist die Enttäuschung, wenn man auf das deutsche Team in seiner Gesamtheit blickt.

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Außer Riesch ist da nach außen hin nicht viel zu sehen. Ohnehin war sie als Gesicht der WM in Garmisch-Partenkirchen allgegenwärtig.

Doch eigentlich wollte der DSV gerade diesen Eindruck vermeiden und zeigen, dass man mehr zu bieten hat als "nur" eine Maria Riesch.

Schon vor der WM hatte Sportdirektor Wolfgang Maier seine Slalomfahrerinnen gerügt, sie würden sich zu sehr hinter der Vorzeigefahrerin Riesch verstecken. Durch die Ergebnisse in Garmisch sieht er sich nun zurecht bestätigt.

Sicherlich hatte der DSV großes Verletzungspech. Stephan Keppler fiel schon vor der WM aus, Gina Stechert verletzte sich im Super-G, Riesenslalom-Titelverteidigerin Kathrin Hölzl wurde von Rückenproblemen schachmatt gesetzt.

Und sicherlich machen Fahrer wie Fritz Dopfer, Stefan Luitz oder Veronique Hronek Hoffnung für die Zukunft. Mehr aber auch nicht. Maier bedauert, dass diese aufstrebenden Talente in der öffentlichen Wahrnehmung untergehen. Man sehe nur die Champions.

Dazu kann man nur sagen: Ja, Herr Maier, das ist der Sport!

Da geht es um die Champions. Jeder Sportler träumt vom großen Sieg, nicht vom 15.Platz. Kinder und Jugendliche, die sich an den Skisport heranwagen, nehmen sich die Champions zum Vorbild, eine Maria Riesch oder eine Elisabeth Görgl, niemand anders.

Und von solchen Champions hat der DSV eben doch nur eine Maria Riesch, das haben die Titelkämpfe gezeigt. Ein Champion schafft es, Drucksituationen zu meistern und diese sogar noch in positive Energie umzusetzen.

Maria Riesch hielt dem großen Druck, der bei der Heim-WM auf ihr lastete, mit ihren zwei Medaillen unter erschwerten gesundheitlichen Bedingungen stand. Felix Neureuther nicht. Er versagte gar vollends bei dieser WM.

Der DSV befindet sich auf jeden Fall, was die Zukunftsperspektiven und die professionellen Rahmenbedingungen angeht, auf einem guten Weg und steht viel besser da als noch vor zehn Jahren. Aber wenn die großen Siege, die großen Champions ausbleiben, nützt das nicht viel.

Doch solche Champions entstehen nicht von allein. Man muss sie schon in jungen Jahren förden und vor allem fordern - sie früh Drucksituationen aussetzen. Maria Riesch beispielsweise bestritt bereits im Alter von 16 Jahren ihr erstes Weltcup-Rennen.

Was das angeht, packt der DSV seine Talente zu sehr in Watte. So stand in der Super-Kombi der Herren kein deutscher Fahrer am Start, obwohl selbst Zwergstaat Andorra zwei Läufer auf die Piste schickte. Laut Maier, um die jungen Läufer nicht zu verheizen.

Aber so wird es schwer, weitere Champions zu bekommen. Dann bleibt der DSV weiterhin der Deutsche Riesch-Verband.

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