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Slalom-Weltmeister Jeab-Baptiste Grange dürfte zufrieden auf die WM zurückblicken © getty

Die Ski-WM in Garmisch wird letztlich als Erfolg gewertet. Doch der FIS-Präsident sieht Probleme auf sich zukommen.

Von Andreas Kloo

Garmisch-Partenkirchen/München - "Ich habe versucht, kritische Punkte zu finden, aber ich habe keine gefunden".

Am Ende der Ski-WM in Garmisch ließ sich FIS-Präsident Gian Franco Kasper zu einem Lob hinreißen - um das Lob gleich wieder in Zweifel zu ziehen.

Denn kurze Zeit später fielen dem Weltverbands-Boss dann auf der FIS-Abschlusspressekonferenz doch einige kritische Punkte ein:

Zunächst die Probleme um die Zeitnahme:

Kritikpunkt Zeit-Pannen

Falsche End- und Zwischenzeiten oder gar gänzlich fehlende Zeiten hatten für viel Wirbel gesorgt. Deshalb sah sich Kasper doch noch einmal gezwungen, für Klarheit zu sorgen:

"Alle Zeiten sind korrekt."

Doch allein die Tatsache, dass eine solche Klarstellung erforderlich ist, bereitete Kasper Sorgen: "Wenn das Vertrauen in die Zeitnahme fehlt, dann sind wir erledigt."

Die Zeitnahme war eines von mehreren Problemen bei den Titelkämpfen, die zwar letztlich gelöst wurden, die Veranstalter aber auf eine harte Probe stellten.

Lücken auf Zuschauertribüne

Wer beim ersten Wettbewerb, dem Super-G der Damen, ins weite Runde blickte, sah einige Lücken auf den Zuschauertribünen. So war am ersten Tag noch nicht klar, ob in Garmisch große WM-Stimmung aufkommen und es zu den kalkulierten Zuschauereinnahmen kommen würde.

Die folgenden Wettbewerbe sorgten dann jedoch für eine Besserung ? auch dank großen Zustroms aus den Alpin-Ländern Schweiz und Österreich.

Insgesamt pilgerten 130.000 Zuschauer zu den einzelnen Rennen, der Veranstalter schrieb schwarze Zahlen.

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Kritik an hohen Ticket-Preisen

Doch wenn ein Wettkampf, bei dem DSV-Aushängeschild Maria Riesch zu den Medaillenkandidatinnen gehört, nicht ausverkauft ist, regt das auch den FIS-Präsident zum Nachdenken an.

"Die Ski-WM darf kein Luxusartikel werden", warnte er für die Zukunft und spielte damit auf die hohen Ticket-Preise bis zu 90 Euro an.

Die Schuld an den hohen Eintrittspreisen wies er dem Veranstalter zu: "Da haben wir keinen Einfluss darauf."

Beweis für Olympia-Qualität

Generell stellt sich bei Großereignissen immer die Frage für den Veranstalter, wer zuerst zufrieden zu stellen sei: das Publikum oder die Athleten.

Wenn es nach IOC-Vizepräsident Thomas Bach geht, ist die Sache klar: "Wir bieten Spiele für die Athleten", kündigte er im Hinblick auf die Olympia-Bewerbung 2018 an.

Die Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen war in diesem Zusammenhang immer wieder als entscheidende Visitenkarte bezeichnet worden. Bach wertete die Titelkämpfe für das Unternehmen Olympia als großen Erfolg:

"Wir müssen der Evaluierungskommission des IOC nichts mehr zeigen, was wir machen würden, sondern wir haben den Beweis."

Nicht alle Pisten-Wünsche erfüllt

Dennoch schienen nicht alle Athleten zufrieden zu sein. Vor allem gegen die Pisten-Präparierung der Kandahar hagelte es in der ersten Woche Proteste.

Lindsey Vonn beispielsweise bezeichnete die Strecke als "Streif für Frauen". 354556 (DIASHOW: Die Bilder des Herren-Slaloms)

Kasper sieht derartige Beschwerden auch in der Zukunft auf sich zukommen: "Es wird nicht möglich sein, dass man die Wünsche aller Athleten erfüllt."

Maier lobt Präparierung

Herren-Rennleiter Florian Eckert hatte bei SPORT1 die Kritik der Fahrer an der harten und eisigen Piste bereits gekontert: "Da ich weiß, dass unter den gegebenen Umständen die richtigen Entscheidungen getroffen wurden, macht mir die Kritik nichts aus."

Auch DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier schlug sich am Ende auf die Seite des Veranstalters: "Wären die Pisten nicht so präpariert worden, hätten spätestens in der zweiten WM-Woche keine Wettbewerbe mehr stattfinden können", stellte er klar.

Festspiele mit wenig Schnee

Denn fast permanentes Frühlingswetter machte den Pisten in Garmisch zu schaffen.

Ohne das bereits vor der WM geschaffene kompakte Schnee- und Eis-Gemisch hätten Kandahar und Gudiberg den warmen Temperaturen in der Tat nicht Stand gehalten.

Vom Slogan "Festspiele im Schnee" war Garmisch am Ende auf jeden Fall weit entfernt.

Die Fernsehbilder zeigten weiße Bänder in grüner Landschaft.

Schwere Stürze bleiben aus

Glück hatten die Veranstalter, was die Sturzproblematik angeht.

Vor der WM hatten schwere Stürze wie der von Hans Grugger in Kitzbühel eine große Sicherheitsdiskussion ausgelöst.

Die Wettbewerbe in Garmisch blieben von schwereren Unfällen verschont. Verletzungen wie die von Benjamin Raich, der sich im Teamwettbewerb einen Kreuzbandriss zuzog, siedelte Maier "im Bereich des Normalen" an.

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