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Maria Riesch holte bei der WM in Garmisch zweimal Bronze © getty

Maria Rieschs Polster auf Lindsey Vonn ist vor dem Weltcupfinale in Lenzerheide geschrumpft. Nun beginnen die Psychospielchen.

Lenzerheide - Maria Riesch hat den Gesamtweltcup noch nie gewonnen.

Seit 13 Jahren hat ihn keine deutsche Ski-Rennläuferin mehr geholt. Und jetzt, da Riesch nur noch höchstens vier Rennen vom möglichen Coup entfernt ist, scheinen der Doppel-Olympiasiegerin die Nerven einen Streich zu spielen (DATENCENTER: Ergebnisse und Termine) .

Vor dem finalen Duell mit Lindsey Vonn beim Saisonkehraus in Lenzerheide/Schweiz (Abfahrt, Mi., 11.15 Uhr im LIVE-TICKER) versucht die Konkurrenz deshalb, sie mit gezielten Sticheleien zusätzlich zu verunsichern.

"Wir haben darauf gehofft, dass Marias Körper und Geist dem Mammut-Programm im Endspurt der Saison Tribut zollen müssen. Und tatsächlich: Sie zeigt Nerven, ihr Selbstbewusstsein schrumpft. Das von Lindsey dagegen ist unglaublich groß", sagt der amerikanische Cheftrainer Alex Hödlmoser.

Vorsprung schmilzt

Die nackten Zahlen geben ihm recht: Noch am 25. Februar hatte Maria Riesch in der Gesamtwertung 216 Zähler Vorsprung auf Vonn.

Die Partenkirchnerin stand seitdem bei sieben Rennen zwar vier Mal auf dem Podium, doch Patzer bei den beiden Torläufen in Tschechien am vergangenen Wochenende ließen das Polster auf 23 Punkte zusammenschmelzen.

Maier will keine Psychospielchen

"Aus Sicht von Hödlmoser mag das so aussehen, dass die Maria Nerven zeigt", sagt DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier, "aber wir dürfen und werden uns nicht in irgendwelche Psychospielchen reinziehen lassen."

Maier gibt aber auch zu, dass Riesch ihrer langjährigen Freundin Vonn in Spindlermühle "auf den Leim gegangen ist". Die Diskussion um den Schuhwechsel der Amerikanerin habe Riesch ein wenig verunsichert, das schwache Abschneiden sei möglicherweise Folge davon gewesen.

Maria Riesch beteuert derweil, sie habe das Wochenende "abgehakt".

"Maria ist keine Maschine"

Maier wirbt um Verständnis für seine beste Athletin, die im Gesamtweltcup schon zweimal Zweite und zweimal Dritte war. "Maria ist keine Maschine", sagt er. Deshalb übe weder er noch der Verband Druck auf Riesch aus.

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"Das Ding holt man nicht mit Druck, sondern nur, wenn man ganz locker bleibt", sagt Maier. Er hat Riesch, die sich den Druck des Siegenmüssens auch selbst auferlegt, in den vergangenen Tagen zu vermitteln versucht, "dass ihre Karriere nicht vorbei ist, wenn sie Zweite wird. Sie ist ja noch keine 35 und muss nicht morgen aufhören."

Abfahrt macht den Auftakt

Dennoch: Die 26 Jahre alte Riesch will es endlich schaffen, Vonns vierten Gesamtsieg in Folge verhindern und als erste Deutsche seit Katja Seizinger 1998 die große Kristallkugel gewinnen.

"Das", sagt Maier, "wäre eine Abrundung ihrer Karriere. Weltmeisterin, Olympiasiegerin, Gesamtweltcupgewinnerin - da bist du in einer außergewöhnlichen Liga."

Maria Riesch will in der Schweiz deshalb "bis zum Schluss kämpfen". Erster "Kampftag" ist der Mittwoch mit der Abfahrt, bis zum Samstag folgen Super-G, Slalom und Riesenslalom.

Vonn Favoritin auf den Sieg

Vonn fühlt sich gewappnet für den Showdown. "Ich weiß, dass ich jetzt alles geben muss. Aber ich freue mich auf diese Herausforderung", sagt sie.

Die 26-Jährige hat acht Weltcup-Rennen in dieser Saison gewonnen (Maria Riesch sechs), acht weitere Male stand sie auf dem Podium (Riesch zehn Mal).

Alles andere als ein Erfolg der Olympiasiegerin in der Abfahrt zum Auftakt auf der anspruchsvollen Piste "Silvano Beltrametti" wäre eine Überraschung. "Lindsey kann gerne 20 Punkte gutmachen", sagt Maier, der damit voraussetzt, dass Riesch Zweite werden würde: "Wir lassen uns nicht verrückt machen."

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