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Maria Riesch hat in den letzten sechs Rennen 223 Punkte auf Vonn verspielt © getty

Bei der letzten Abfahrt fährt Maria Riesch wie gelähmt und schimpft über eine "Hetzjagd". Sie hofft, als Jägerin besser zu sein.

Lenzerheide - Es war die Reaktion einer Geschlagenen: Als Maria Riesch in Lenzerheide bei der letzten Weltcup-Abfahrt der Saison mit nur zwölftbester Zeit ins Ziel fuhr, sackte sie in sich zusammen und ließ sich in den Schnee sinken. (DATENCENTER: Ergebnisse und Termine)

Dort lag die Doppel-Olympiasiegerin einige Sekunden lang und gewann die Gewissheit, "dass das überhaupt nicht mein Tag war". Riesch kam am Ende auf den 17. Platz und erhielt keine Weltcup-Punkte.

Die Führung in der Gesamtwertung verlor sie drei Rennen vor Saisonschluss an Lindsey Vonn.

"Vielleicht gut, dass ich jetzt hinten liege"

27 Punkte beträgt ihr Rückstand auf die Amerikanerin jetzt, und nicht nur DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier kann nicht mehr so richtig an ein Happy End glauben.

"Objektiv fährt Maria im Moment zu schlecht Ski, um Lindsey das Ding streitig zu machen", sagte er. Das Ding, den Gesamtweltcup, hat Maria Riesch noch nie, Vonn dagegen zuletzt dreimal nacheinander gewonnen.

Als sich die Partenkirchnerin aufgerappelt und emotional gefangen hatte, gab sie aber eine kämpferische Linie für den Endspurt aus: "Vielleicht ist es sogar gut, dass ich jetzt hinten liege, weil ich nun die Jägerin bin."

Kritik an öffentlicher Wahrnehmung

In dieser Rolle war sie in diesem Winter nur bei zwei von 32 Wettbewerben, sonst lag sie immer vor Vonn.

Irgendwann sei es in der Öffentlichkeit nur noch darum gegangen, wann Riesch das Duell für sich entscheide, kritisierte Maier. Riesch sprach von einer "Hetzjagd" in den vergangenen Wochen.

"Ich bin mit der Situation nicht so gut zurechtgekommen", sagte sie. Das war zuletzt schon in Spindlermühle der Fall, in der Schweiz nun fuhr Riesch erneut seltsam schwach.

Eine gewisse Resignation

Maier hatte eine gewisse "Resignation" im Fahrstil seiner besten Athletin erkannt, die Verhältnisse mit weicher Piste und schlechter Sicht "lagen über ihrem Limit", sagte er.

Nach einer "total vergeigten" Linkskurve (Riesch) an einer der steilsten Stellen der Strecke sei ihr der Schneid verlorengegangen, erklärte Riesch.

Das bedeutete letztlich für sie indiskutable 3,19 Sekunden Rückstand auf Tagessiegerin Julia Mancuso.

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"Das überrascht alle"

Vonn konnte sich einen Rückstand von 1,38 Sekunden auf ihre Teamkollegin und Platz vier leisten, der Erfolg in der Disziplinwertung, der vierte in Folge, war ihr bereits zuvor sicher gewesen.

Maier baut nun auf Rieschs Comeback-Qualitäten, obwohl er Zweifel erkennen ließ. Auch dem neutralen Beobachter war zuletzt aufgefallen, dass Riesch diese Eigenschaft abhandengekommen schien.

"Das überrascht alle, weil Maria die Athletin schlechthin ist, die am besten mit Niederlagen umgehen kann", sagte Maier.

Verhältnis zu Vonn hat gelitten

Zumindest rein äußerlich schien Riesch das Abfahrts-Debakel schnell verdaut zu haben. Bald fand sie ihr Lächeln wieder, sie wolle vor dem Super-G (Do., 12.30 Uhr im LIVE-TICKER) den Kopf jetzt nicht in den Sand stecken, sagte sie: "Es hilft nichts, ich muss es abhaken."

Das galt auch für den unnötigen Streit um einen neuen, alten Skischuh von Vonn. Sie habe ihre Freundin auf den Materialwechsel angesprochen, sagte Maria Riesch, diese aber beide Male geleugnet.

Riesch sprach von einer persönlichen Enttäuschung, benutzte das Wort "Lüge". Vonn hielt dagegen, sie könne "nicht nachvollziehen, warum Maria solche Dinge erzählt".

Das Verhältnis zwischen den beiden Kontrahentinnen hat spürbar gelitten. "Aber nach den Rennen", versicherte Vonn, "wird es wieder normal sein."

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