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Maria Riesch hat bislang noch nie den Gesamt-Weltcup gewonnen © getty

Maria Riesch verpasst im Slalom von Lenzerheide hauchdünn das Podest. Dennoch überflügelt sie vor dem letzten Rennen Lindsey Vonn.

Lenzerheide - Maria Riesch hat schon einen Finger an der großen Kristallkugel, doch der Vorsprung beträgt nur hauchdünne drei Punkte.

Im Duell zwischen der Doppel-Olympiasiegerin und ihrer US-Rivalin Lindsey Vonn um den Gesamtweltcup kommt es im letzten Saisonrennen zu einem Herzschlagfinale.(DATENCENTER: Ergebnisse und Termine)

"Ich kann mich nicht erinnern, dass es mal so knapp zugegangen ist. Das ist natürlich aufregend für mich. Jetzt darf ich nicht mehr Rechnen und mir keine Gedanken mehr um Punkte machen. Jetzt muss ich einfach nur Skifahren", sagte Maria Riesch nach Platz vier im letzten Slalom des Winters.

Dadruch eroberte sie vor dem Riesenslalom am Samstag (ab 9.45 Uhr im LIVE-TICKER) die Führung in der Gesamtwertung zurückeroberte.

Riesenslalom nicht gesichert

Im letzten Rennen muss sie sich vor Vonn platzieren oder direkt hinter der Rivalin, wenn die höchstens Zehnte wird.

"Ich kann jetzt nur noch hoffen und Gott um Hilfe bitten, dass der Riesenslalom stattfindet", sagte Vonn mit Blick auf die malträtierte Piste im schweizerischen Lenzerheide.

Der Super-G am Donnerstag wurde bereits abgesagt, was der Amerikanerin die Gelegenheit nahm, in einer ihrer stärksten Disziplinen zu punkten.

Vonn beschwert sich

"Ich verstehe die Gründe dafür nicht. Ich meine, das hier ist das Finale. Da geht es überall um alles, da zählt jedes Rennen", beschwerte sie sich deshalb darüber, dass nicht stattdessen der Teamwettbewerb am Sonntag gestrichen wurde.

Auch den Zustand der Piste am Freitag kritisierte Vonn: "Es war unfair für höhere Startnummern. Man hätte für den zweiten Durchgang auch ein paar Tore umsetzen können, dort wo die Löcher waren."

Sie habe gekämpft im Slalom, ergänzte sie, "aber leider war ich nicht schnell". Es reichte nur zu Platz 13 - ihre 27 Punkte Vorsprung schmolzen dahin.

Vergleiche mit dem Fußball

"Wenn ich nicht direkt beteiligt wäre, würde ich's lustig finden", sagte DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier über den packenden Zweikampf.

"So marschiert mein Puls ein bisschen. Es ist eine extreme nervliche Belastung. Als würde man einen Elfmeter schießen. "

Für Riesch heiße es jetzt: "Kreuzeck oder drüber."

Engstes Finale seit 2005

Im Slalom, den Tina Maze (Slowenien) gewann, erzielte die Partenkirchnerin, um im Fußball-Jargon zu bleiben, zumindest mal ein tolles Freistoßtor gegen "Torhüterin" Vonn.

Beim knappsten Finale seit sechs Jahren, als die Schwedin Anja Pärson sich drei Zähler vor Janica Kostelic (Kroatien) durchsetzte, sieht Riesch die Chancen auf den ersten deutschen Gesamtsieg seit 1998 bei "50:50. Ich darf nicht zu viel denken. Aber das lässt sich leider kaum vermeiden."

Zurück zu alter Stärke

Zuletzt schien die 26-Jährige schon an der Last der eigenen Erwartungen zu zerbrechen. Maier sprach vor dem Rennen von "Verlustangst" den Gesamtweltcup betreffend.

Im Slalom aber fand Riesch zumindest ansatzweise zu alter Stärke zurück.

"Das war endlich mal wieder ein guter Slalom-Lauf. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann mir mal einer gelungen ist", sagte sie nach ihrer ersten Fahrt auf der "Silvano Beltrametti", die nach Schneefällen mit Wasser und Salz noch eben so rennfertig gemacht wurde.

Angst vor dem Aus

Als Zweite hinter Slalom-Gesamtsiegerin Marlies Schild ging Riesch in den zweiten Lauf, der wegen der schwierigen Bedingungen mit dem ersten identisch war.

Kurssetzer war DSV-Trainer Christian Schwaiger, doch Riesch machte bald einen Fehler und wollte dann "bloß nicht ausscheiden".

So fiel sie zurück und verlor 20 Punkte, was sie mit leicht zerknirschter Miene hinnahm.

Riesch glaubt an Wende

Dennoch sieht Maier seine Athletin für das finale Duell gerüstet. "Sie war über die Saison die bessere Riesenslalom-Fahrerin und hat wieder eine andere, bessere Körperspannung", sagte er.

Riesch fand, sie habe ihr Selbstvertrauen zurückgewonnen: "Ich hoffe, das war die Wende."

Teamkolleginnen helfen

Dazu beigetragen, dass Riesch mit einem Vorsprung in den letzten Zweikampf geht, haben ihre Teamkolleginnen.

Die Oberstdorferin Christina Geiger belegte Platz sieben, Rieschs Schwester Susanne wurde Zehnte. Beide lagen vor Vonn und stahlen der Amerikanerin wertvolle Punkte.

Vonn haderte daher mit dem Ausfall des Super-G am Donnerstag, bei dem sie ihren Vorsprung hatte ausbauen wollen. "Es ist frustrierend, ich will ein Finale mit allen Disziplinen", klagte sie.

Gar nicht unglücklich mit der Absage des Riesenslalom der Männer war der Amerikaner Ted Ligety. Der Weltmeister gewann so kampflos die kleine Kugel des Disziplinbesten.

Wie wird Riesch Gesamtsiegerin?

Maria Riesch (1728 Punkte) gewinnt den Gesamtweltcup, wenn:

sie im Riesenslalom am Samstag in Lenzerheide vor Lindsey Vonn landet.

sie sich direkt hinter Vonn platziert und Vonn höchstens Zehnte wird. Ausnahme: Belegt Riesch Platz 16, bekommt sie dafür gemäß der beim Finale geltenden Sonderregelung keine Weltcup-Punkte mehr. Vonn reicht dann Rang 15.

sie und Vonn schlechter abschneiden als Platz 15.

Lindsey Vonn (1725 Punkte) gewinnt den Gesamtweltcup, wenn:

sie beim Riesenslalom am Samstag in Lenzerheide direkt vor Maria Riesch landet und Vonn mindestens Neunte wird.

sie mindestens zwei Plätze vor Riesch landet und mindestens 15. wird.

sie 15. und Riesch höchstens 16. wird.

Bei Punktgleichheit gewinnt Vonn den Gesamtweltcup, weil sie mit acht Saisonsiegen zwei mehr hat als Riesch. Diese Konstellation tritt ein, wenn Vonn Achte oder Neunte wird und Riesch sich jeweils direkt dahinter platziert.

Der Punkteschlüssel beim Weltcup-Finale:

1. 100 Punkte, 2. 80, 3. 60, 4. 50, 5. 45, 6. 40, 7. 36, 8. 32, 9. 29, 10. 26, 11. 24, 12. 22, 13. 20, 14. 18, 15. 16.

Ab Platz 16 werden entgegen sonstiger Gepflogenheiten keine Punkte mehr vergeben.

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