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Lindsey Vonn gewann von 2008 bis 2010 den Gesamt-Weltcup, Maria Riesch (r.) 2011 © getty

Durch die Absage des Riesenslaloms gewinnt Maria Riesch den Gesamt-Weltcup vor Lindsey Vonn. Vonn schießt gegen die FIS.

Lenzerheide - "Das ist das Größte überhaupt. In der öffentlichen Wahrnehmung mögen der Weltmeister-Titel und die Olympiasiege wichtiger sein, aber sportlich gibt es nichts, was diesen Stellenwert hat", freute sich Riesch über ihren historischen Sieg im Gesamt-Weltcup.

Weil der Riesenslalom am Samstag auf der ramponierten Piste im Schweizer Lenzerheide nicht mehr stattfinden konnte, blieb Maria Riesch in der Endabrechnung drei Punkte vor Lindsey Vonn (USA) und holte die große Kristallkugel erstmals seit 13 Jahren nach Deutschland.(DATENCENTER: Ergebnisse und Termine).

Wie Rosi Mittermaier (1976) und Katja Seizinger (1996/1998) hat Riesch nun alles gewonnen, was es in ihrem Sport zu gewinnen gibt.

"Maria hat den letzten Diamanten in ihre Krone eingesetzt", würdigte DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier den Triumph seiner besten Athletin. Die hatte sich mit Platz vier im Slalom am Freitag knapp vor Vonn geschoben und dann von der laut FIS-Renndirektor Atle Skaardal "unumgänglichen" Absage profitiert.

Freundschaft zerbrochen

Für ihre Freundschaft zur Amerikanerin hatte Rieschs Erfolg jedoch negative Folgen.

Weil Vonn nach der knappen Niederlage um drei Punkte Riesch nicht sportlich fair gratuliert hat, liegt für die Partenkirchnerin die bisher enge Freundschaft zur Abfahrts-Olympiasiegerin auf Eis.

Keine Gratulation

Riesch glaubt nicht einmal mehr an Vonns Besuch bei ihrer Hochzeit am 14. April. "Ich kann es mir jetzt nicht vorstellen, nein", sagte Riesch auf die Frage, ob sie Vonns Kommen zu ihrer Heirat mit Marcus Höfl erwartet.

"Sehr schade" findet Riesch das - wie das Verhalten Vonns bei der Siegerehrung.

"Ich habe sie umarmt und Gratulation gesagt. Aber von ihr kam nichts. Ich verstehe, dass sie enttäuscht ist, weil es so knapp war. Aber das hat doch mit der persönlichen Ebene nix zu tun. Das tut schon ein bisschen weh", sagte Riesch.

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Vonn fordert Reform

Schmerzen spürte Vonn vor allem wegen der Absage des Riesenslaloms: "Die Rennabsage schmerzt nicht nur mich, sondern auch die Fans und den Skisport in seiner Gesamtheit", verkündete sie via "facebook".

Gleichzeitig forderte sie eine Reform des Weltcup-Systems: "Ein System, dass eine solche Entscheidung von den Schneeverhältnissen abhängig macht, muss überdacht werden."

"Größter Traum" wird wahr

Der Streit mit Vonn konnte Rieschs Freude aber auch nicht trüben: "Das ist der größte Traum, der für mich in Erfüllung geht. Es gab ja erst zwei Deutsche vor mir, die das geschafft haben. Ich bin wirklich stolz darauf", sagte die 26-Jährige.

Dass sie die große Kugel "kampflos" gewonnen habe, wollte sie nicht hören. "Ich habe sie mir über die Saison erkämpft."

Unwirklicher Moment

Den Moment der Absage empfanden Riesch, Maier und Co. als unwirklich. "Ich stand mit meinem Servicemann vor dem Hotel und habe die Skier eingeladen, um zur Hangbesichtigung zu fahren", sagte Riesch.

Dann habe sie aus dem Haus Jubel gehört. "Böhli sagte, es sei wohl abgesagt worden. Wir haben Tom Stauffer angefunkt, um zu erfahren, was ist", berichtete Riesch. Und der Cheftrainer bestätigte: "Ja, das Rennen ist abgesagt."

Piste in "bodenlosem Zustand"

Maier fand die Situation "komisch. Wir waren so fokussiert auf den Showdown, da war extremes Kribbeln drauf. Ich wusste erst gar nicht, was ich sagen sollte."

Vonn auch nicht. Ihre Trainer protestierten noch gegen den Entscheid der Jury, und Skaardal gab zu: "Es ist auch für mich ein schwieriger Tag." Doch die Strecke habe sich in "bodenlosem" Zustand präsentiert: "Es ist einfach nicht gegangen."

Im deutschen Lager wurde das Verhalten des Vonn-Clans mit Befremden aufgenommen. "Ich kann die Position in Anführungszeichen verstehen. Aber ich würde mich nie auf die gleiche Schiene begeben. Ich erwarte, dass man das sportlich fair hinnimmt", sagte Maier. Dann fiel er Riesch in die Arme.

Rebensburg holt kleine Kugel

Auch Rebensburg wurde von Trainern und Betreuern geherzt. "Ich bin sehr stolz auf die Kugel, weil sie zeigt, dass ich über die gesamte Saison konstant gute Leistungen gebracht habe", sagte die Olympiasiegerin aus Kreuth.

Wie die Französin Tessa Worley gewann sie drei Saisonrennen, letztlich hatte sie aber deutliche 77 Punkte Vorsprung. "Als ich und Maria uns umarmten, war das brutal emotional, ein richtig schöner Moment", sagte sie.

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